Prozess gegen Garchinger

Im Schulbus sexuell belästigt?

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Der Vorwurf ist schlimm: Ein Busfahrer (54) aus Garching soll eine Achtjährige sexuell belästigt haben. Der Mann bestreitet es.

Garching - Im Schulbus von München nach Hause fühlte sich Ellen (Name geändert) stets gut aufgehoben – bis im Frühsommer 2015 etwas Schreckliches passierte. Ein Fahrer soll die Achtjährige sexuell belästigt haben. Erst anderthalb Jahre später offenbarte sich das Mädchen seinen Eltern. Seit gestern wird ihrem mutmaßlichen Peiniger, einem Mann aus Garching, der Prozess gemacht. Der 54-Jährige bestreitet die Vorwürfe. Wolfgang Z. verhüllte sein Gesicht hinter der Kapuze eines Hoodies. Der kleine korpulente Mann mit einem weißen Rauschebart und einer runden Brille, wollte nicht erkannt werden. „Ich habe das nicht getan, ich verstehe das gar nicht, ich habe sie ganz normal nach Hause gefahren“, sagte er. Doch Ellen hatte ihn gleich wiedererkannt, auf seinem Ausweisfoto, als den Mann, der ihr wehgetan habe. Sollte sich die Anklage bestätigen, muss das Kind Höllenqualen durchlitten haben. Die Achtjährige war an diesen sechs Tagen zwischen Mai und Juli 2015 der einzige kleine Passagier gewesen, heißt es in der Anklage. Der Busfahrer soll sie aufgefordert haben, nach vorne zu kommen. Dann soll er sie attackiert haben. Wolfgang Z. schüttelte verneinend den Kopf. Zu dem Busunternehmen war er gekommen, nachdem ihm sein Job als Gebäudereiniger nicht mehr so viel Freude bereitet hatte. 20 Jahre lang hatte der Mann Schulen und Büros geputzt. Im Anschluss war er acht Jahre als Busfahrer tätig. Er ließ sich nichts zu Schulden kommen, bis er wegen der Anzeige, die Ellens Eltern erstattet hatten, suspendiert wurde. Der Vater, der an der Seite einer Anwältin den Prozess verfolgte, rang um Fassung, als die Anklage noch einmal die Übergriffe detailliert auflistete. Anschließend berichtete Wolfgang Z. stockend über seine Vergangenheit. Er hatte die Mittelschule besucht – ohne Abschluss. Die Auto-Mechaniker-Lehre brach er ab, nach der Bundeswehr landete er bei der Reinigungsfirma. Seine Eltern überließen ihm die Wohnung in Garching. Dort lebt er seit zehn Jahren mit einem guten Freund zusammen, der nach der Scheidung nur kurzfristig einen Unterschlupf gesucht hatte. Als die Polizei nach der Festnahme die Wohnung durchsuchte, stieß sie auf sehr viel Müll. Kinderpornografisches Material fand sie nicht, nur Videos mit handelsüblichen Pornos. Die hatte sich der 54-Jährige nach eigener Aussage aber nicht angeschaut. Eigentlich interessiere ihn nur Fernsehen. Er bevorzuge Bildungssender wie Arte und Phönix, wo er sich nach eigenen Angaben Dokumentationen jeglicher Art anschaute. Eine Frau fürs Leben fand er offensichtlich nicht. Er berichtete lediglich von einigen längeren Beziehungen. Einmal hatte er auf einer Weihnachtsfeier mit der Frau eines Kollegen geknutscht und gefummelt. Mehr gab es für ihn nicht zu berichten. Ellen, die Schülerin, fuhr er immer mittwochs heim in den Landkreis Dachau. Das Mädchen litt unter einer Reifeverzögerung, deshalb besuchte es eine fördernde Schule in München. Anfangs sei sie schüchtern gewesen, dann aufgetaut. Später habe sie ihn schon mal gefragt, ob sie ihre Hausaufgaben richtig gemacht habe. Daheim wartete er, bis das Mädchen durch die Haustür geschlüpft war. Erst dann fuhr er davon. Warum ihn das Mädchen so belastet hatte, konnte er sich nicht erklären. „Ich weiß nicht“, sagte er. Ellen beschrieb er als blond und kleinwüchsig. Sie habe Hochdeutsch, aber auch Bayerisch gesprochen und ihm verraten, dass sie in einen anderen Busfahrer verliebt sei. Der hatte früher den Mittwochsbus gelenkt. Der Prozess wird am Freitag fortgesetzt.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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