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Jahrelang ist der ehemalige Schlecker am Bürgerplatz leer gestanden. Nun ist dort die Hausarztpraxis von Roman und Sylvia Ludwig (Mitte) eingezogen, zu der auch die Mediziner Stefanie Kromer (r.) und Lisa Lukac (l.) gehören. 

Fußgängerzone in Garching

Hausarzt eröffnet moderne Praxis im ehemaligen Schlecker

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Ausgerechnet hier, wo jahrelang das Sorgenkind der Garchinger Fußgängerzone gehaust hat, strahlen sie jetzt um die Wette. Zuvorderst natürlich Roman Ludwig, der mit seiner Hausarztpraxis vom Auweg in die frühere Schlecker-Filiale am Bürgerplatz umgezogen ist, die seit 2012 leer gestanden ist.

Garching –  Aber auch Albert Ostler, dessen Familie das Gebäude gehört, und Bürgermeister Dietmar Gruchmann (SPD) sind bestens gelaunt an diesem Abend, an dem die Praxis im Rahmen einer Feierstunde eröffnet wird.

Dabei sind die Stadt und die Familie des Immobilienbesitzers unlängst noch im juristischen Clinch gelegen – und zwar genau wegen jenes Geschäfts. Oder genauer gesagt: wegen der Anlieferung des Ladens, die beinahe sogar ein Bürgerbegehren nach sich gezogen hätte. Doch über all das wollen beiden Seiten an diesem Abend keine großen Worte verlieren. Aus Sicht der Stadt sei der Gerichtsstreit erledigt, sagt Gruchmann. Ganz so weit will Ostler dann nicht gehen, aber auch er betont: „Das Verfahren ruht.“ Irgendwann werde man sich mit der Stadt noch mal zusammensetzen, um das Thema Anlieferung im Grundsatz zu klären. „Aber das machen wir ganz ohne Aufregung“, so Ostler.

„Ich hätte hier zwanzig Wettbüros haben können, aber damit wäre keinem geholfen.“

Voll und ganz einig sind sich beide, was den neuen Mieter der ehemaligen Schlecker-Filiale betrifft, der selbige sowie den angrenzenden früheren Döner-Laden zu einer schicken, modernen Arztpraxis umgebaut hat. „Das ist eine gute Lösung für alle“, sagt Ostler. Schließlich sei das Geschäft „das Eingangstor zum Bürgerplatz“, und nur wenn dieses Eingangstor ansprechend und hochwertig sei, hätten wiederum der Bürgerplatz und die dortigen Läden eine Chance, so Ostler. „Ich hätte hier zwanzig Wettbüros haben können, aber damit wäre keinem geholfen.“

Auch Bürgermeister Gruchmann ist überzeugt, „dass die Praxis zur Belebung der Fußgängerzone beitragen wird“. Er sei ob des neuen Mieters hoch zufrieden, „und ich bin dankbar, dass Herr Ludwig am Ball geblieben ist“. Denn ursprünglich wollte der Arzt seine Praxis am Auweg erweitern. Doch das habe das Landratsamt nicht in der gewünschten Form bewilligt, sagt Ludwig. Zudem habe es auch Bedenken bei den Nachbarn gegeben. Und so habe man den großen Schritt gewagt und sei in die Räume am Bürgerplatz umgezogen, die fast dreimal so groß sind wie die alte Praxis.

Anfang April ist der Umzug über die Bühne gegangen. Aktuell arbeiten drei Ärzte in der neuen Praxis, ab Juni sollen es vier sein, kündigt Roman Ludwig an. Zu ihm und Stefanie Kromer gesellen sich dann noch zwei Mediziner, die gerade ihre Facharztausbildung abschließen. Zudem gibt es wie bisher eine wöchentliche orthopädische Sprechstunde zweier Kollegen aus Neufahrn. Und dann sei man noch auf der Suche nach einer weiteren Partner-Praxis, sagt Ludwig: „Zum Beispiel ein Kardiologe, der ein- oder zweimal die Woche kommt.“

Um die hausärztliche Versorgung in Garching ist es gut bestellt

Nachdem auch Ludwigs einstige Praxis-Kollegin Andrea Meißner inzwischen eine eigene Praxis mit vier Medizinern an der Münchner Straße eröffnet hat, steht es um die hausärztliche Versorgung in Garching inzwischen deutlich besser, als viele noch vor eineinhalb Jahren gedacht hätten. Damals hatte die Stadt den Mietvertrag von Hans Höpp gekündigt, weil sie dessen Praxisräume im Rathaus für ihre eigenen Mitarbeiter benötigte. In der Folge warnte der Mediziner öffentlich vor einem drohenden „Problem der medizinischen Versorgung in Garching“, und auch die CSU setzte sich für eine Verlängerung des Mietvertrags ein.

Er selbst freilich habe schon lange gewusst, dass sich beim Thema Hausärzte eine Lösung anbahne, betont Gruchmann. „Aber ich durfte es noch nicht sagen.“ Gleiches hatte er bereits bei der Bürgerversammlung dargelegt und in dem Zusammenhang geworben: „Vertraut’s eurem Bürgermeister.“ Das wiederum rief die CSU auf den Plan, die via Facebook kommentierte: „Wir gehen schon davon aus, dass der aufmerksame Garchinger genau weiß, dass ohne die Initiativen der CSU diese Praxis am Bürgerplatz nicht zustande gekommen wäre.“  ps

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