Hat da einer nicht dichtgehalten? Noch bevor Wolfgang Windisch (l.) Sebastian Krumbiegel als Kulturbonbon präsentiert, scheint das Geheimnis, wer an diesem Abend auftritt, schon gelüftet. Foto: Gerald Förtsch

Intimes Show-Erlebnis

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Intimes Show-Erlebnis

Sebastian Krumbiegel von den „Prinzen“ ist der Überraschungs-Star im Garchinger Römerhoftheater

Garching – Auf seiner Herbst-Tour 2016 hat Sebastian Krumbiegel (50) in Garching vorbeigeschaut. Im Römerhof-Theater überraschte der Sänger der „Prinzen“ beim Kulturbonbon mit einem ebenso vielfältigen wie anspruchsvollen Programm.

Mit dem vielfach ausgezeichneten Gründer, Sänger und Pianisten der „Prinzen“ hat das Kulturreferat der Stadt Garching erneut einen der großen Fische der Szene an Land gezogen. Die Pop-Band „Die Prinzen“ zählt zu den erfolgreichsten deutschen Formationen der 90er Jahre. Hits wie „Gabi und Klaus“ oder „Millionär“ ließen die Jungs aus dem Osten der Republik zu Millionen-Sellern werden. Als Student der Leipziger Musikhochschule hatte Krumbiegel die Band unter dem Titel „Die Herzbuben“ gegründet.

Vier Mal im Jahr präsentiert Kulturreferent Wolfgang Windisch dem Publikum ein Überraschungsei. Darunter Günther Sigl von den Spider Murphys, Georg Danzer, Marianne Sägebrecht und Lilo Wanders. Dass das von Windisch bis vor Show-Beginn hartnäckig gehütete Geheimnis hin und wieder gelüftet wird, lassen Reaktionen aus dem Publikum erahnen. Ein wenig zu euphorisch begrüßten die Garchinger den unbekannten Gast. Als Krumbiegel fragte, „ehrlich, hat jemand gewusst, dass ich komme“, ließ ein lauthals gejubeltes „Doch“ einen Whistleblower im Garchinger Kulturteam erahnen.

Der Römerhof ist der ideale Ort für Aufführungen mit bleibender Wirkung. Die Nähe der Zuhörer zum Entertainer auf der im Grunde nicht vorhandenen Bühne garantiert ein intimes Show-Erlebnis. Sebastian Krumbiegel ließ sich darauf ein. In seinem Programm thematisiert er die eigene Vita, seine Jugend, das Älterwerden, seine „Lieblingsstadt“ Leipzig und was den Rest der Republik am Osten nervt. Er verriet, was ihn mit Otto Schily verbindet und warum er so auf Udo steht – Lindenberg natürlich, der den jungen Kerl mit Songs wie „Mädchen aus Ostberlin“ und „Sonderzug nach Pankow“ beeindruckte, als die Mauer noch stand. Udos Schnodderschnauze übrigens hat er prächtig drauf.

Als Sohn der ehemaligen Direktorin des Bach-Museums, Cornelia Krumbiegel, nach Johann Sebastian benannt und als Schüler der Thomasschule, eines im Leipziger Bachviertel gelegenen, humanistisch-musischen Gymnasiums, schien ihm eine Karriere an der Orgel vorgezeichnet. Die Eltern favorisierten das Cello. Krumbiegel entschied sich anders und gründete mit 15 seine erste Band.

Längst Platten-Millionär, ist Krumbiegel 2006 zum Klavierspieler des Jahres gewählt worden. In einer Reihe mit Virtuosen wie Helge Schneider und Helmut Zerlett, dem Bandleader in der Harald Schmidt-Show. „Mit den Leuten in einem Atemzug – jetzt hast es wirklich geschafft“, witzelte er.

Nur Zwei, drei Meter vom Publikum entfernt, sorgte der Chef-Prinz für ein Gefühl von Privatatmosphäre. Gedämpftes Licht, die Krumbiegel-Stimme und eine tolle Beleuchtung mit warmen, schweren Farben unterstützten den Eindruck. Unglückliche Äußerungen zu dem von „Bild“ mit „Silvester-Sexmob“ betitelten Übergriffen in Leipzig ließen einen Shitstorm auf Krumbiegel und die Prinzen niedergehen. Der Rest der Prinzen distanzierte sich, und Krumbiegel war seitdem bemüht, den Vorfall gerade zu rücken.

In Garching imponierte der mit dem Humanismus-Preis und dem Bundesverdienstorden ausgezeichnete Musiker mit seinem Eintreten gegen den Terror von Paris und den rechten Pöbel im Osten. Seine Sorge, daheim als Nestbeschmutzer angefeindet zu werden, quittierte das Publikum mit „Bravo“-Rufen. „Im Westen hast Du immer das Gefühl, erklären zu müssen, was bei uns in Sachsen los ist“, sagte Krumbiegel. Andreas Sachse

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