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Essensausgabe: Renate Lahr (l.) und Monika Riller gehören zu den rund 35 Ehrenamtlichen.

Trauriges Jubiläum

10 Jahre Garchinger Tisch: Immer mehr Bedürftige

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Garching - Am Sonntag, 25. September, feiert eine Einrichtung ihren zehnten Geburtstag, die sich am liebsten selbst abschaffen würde: der Garchinger Tisch. Dort erhalten Bedürftige Lebensmittel – ein Angebot, das auch im reichen Garching immer mehr Menschen nutzen.

Mit der linken Hand klappt Monika Riller den Deckel der Kühltruhe auf, mit der rechten angelt sie ein in Plastik eingeschweißtes Paket hervor. „Das ist ein Leberkäs“, erklärt sie dem älteren Herrn, der ihr vis-à-vis auf der anderen Tischseite steht. „Und hier sehen Sie, wie man das zubereitet“, sagt die Garchingerin und zeigt mit dem Finger auf die Verpackung.

Bitte keine Fotos

Schon beim Wort „Leberkäse hat sich im Gesicht ihres Gegenübers ein Lächeln breitgemacht. „Des is was Guads“, murmelt er, greift zu und steckt das Paket in eine große Plastiktasche, aus der ein Baguette und ein Salatkopf hervorlugen. Der Mann bedankt sich freundlich und lächelt – bis er die Kamera des Reporters erblickt. „Ich will aber nicht aufs Foto“, stellt er gleich klar – ein Satz, den man hier im Pfarrzentrum der katholischen Kirchengemeinde öfter hört.

Lebensmittelausgabe einmal pro Woche

Denn dies ist kein Supermarkt, sondern die wöchentliche Ausgabe des Garchinger Tischs. Ehrenamtliche verteilen hier Lebensmittel, die sie zuvor in ortsansässigen Geschäften eingesammelt haben. Für den symbolischen Preis von einem Euro füllen die Bedürftigen ihre Tüten und Wägelchen mit Obst, Gemüse, Brot, Milch- und Fertigprodukten. „Durch den Einkauf hier sparen die Menschen etwa dreißig Euro pro Woche“, sagt Claudia Mammach, zuständige Fachdienstleiterin bei der Caritas im Landkreis München. „Das schafft ihnen Spielräume für andere Dinge – etwa, wenn die Kinder Schulsachen brauchen, oder um Schulden abzuzahlen.“

Auslöser waren die Hartz-IV-Gesetze

Gegründet wurde die Einrichtung – so wie viele Tafeln und Tische im Landkreis – infolge des Inkrafttretens der Hartz-IV-Gesetze im Januar 2005. „Wir haben damals sehr schnell festgestellt, dass der Bedarf an finanziellen und praktischen Hilfen erheblich angestiegen ist“, erzählt Claudia Mammach. Fünf Gruppen seien bis heute besonders von Armut gefährdet: Alleinerziehende, Migranten, Familien mit mehr als drei Kindern, Menschen mit geringer Bildung und Senioren. „Das ist grundsätzlich unser Klientel“, sagt die Caritas-Frau.

Erste Ausgabe am 29. September 2006

In Zusammenarbeit mit der Pfarrei und der Stadt gründete die Organisation vor zehn Jahren den Garchinger Tisch; am 29. September 2006 erfolgte die erste Lebensmittelausgabe. Die Entwicklung seitdem? „Es ist immer mehr und mehr geworden“, sagt Leonie Zellmer von der Caritas, die den Garchinger Tisch seit den Anfangstagen betreut. „Und ich bin überzeugt, dass der Bedarf noch weiter steigen wird – allein wegen der Flüchtlinge. Erst diese Woche sind die ersten anerkannten Asylbewerber zu uns gekommen.“

Allein in Garching kommen 130 Menschen nur so über die Runden

Insgesamt gibt es in Garching rund 70 Haushalte mit 130 Personen, die Lebensmittel vom Garchinger Tisch beziehen. Etwa ein Drittel sind Senioren, deren karge Rente oft kaum zum Leben reicht. Bei den übrigen Klienten hätten viele zwar einen Job, betont Claudia Mammach. „Doch sie arbeiten im Niedriglohnsektor und können von ihrem Gehalt kaum oder gar nicht leben.“ Die Billiglöhne seien das eine große Problem – auch im reichen Landkreis München, so Mammach. Das andere sieht sie im Hartz-IV-Regelsatz, der bei 404 Euro im Monat liegt. „Aus unserer Sicht ist das zu wenig“, sagt die Caritas-Fachdienstleiterin. „Das passt nicht zu den tatsächlichen Lebenskosten.“

Und so sind viele Tafeln und Tische im Landkreis rund zehn Jahre nach ihrer Gründung stärker gefragt denn je. „Uns wäre es selbst am liebsten, wenn es uns nicht geben würde“, sagt Claudia Mammach. „Aber trotzdem sind wir stolz auf das, was wir hier leisten.“ Aus diesem Grund wird auch in Garching der zehnte Geburtstag der Einrichtung gefeiert – und zwar an diesem Sonntag mit einem Fest für alle freiwilligen Helfer und Unterstützer.

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