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Josef Stadler (74) vor seiner Metzgerei in Garching. Der Laden brummt - aber keiner will übernehmen. 

Café statt Leberkäs

Kein Nachfolger: Erfolgs-Metzger Stadler schließt

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Der Laden brummt - dennoch sperrt Metzgermeister Josef Stadler (74) in Garching seinen Laden für immer zu. Wenn nicht noch ein Wunder passiert.

Garching – Ein beliebiger Mittag bei der Metzgerei Stadler. Auf dem winzigen Parkplatz stehen die Autos dicht an dicht, irgendwo dazwischen reihen sich Kunden in eine lange Warteschlange von hungrigen Menschen ein. Drinnen im Geschäft eilen ein halbes Dutzend Mitarbeiter umher, packen Leberkassemmeln ein, türmen Kartoffelsalat neben Currywürste und schichten „Garching Burger“.

„Das Geschäft läuft richtig gut“, sagt Metzgermeister Josef Stadler, „vor allem mittags.“ Und doch werden hier ab dem 28. Oktober keine Fleischpflanzerl mehr verpackt, keine Steaks mehr verkauft und keine Radl Gelbwurst an die kleinsten Kunden mehr verteilt. Denn die Metzgerei Stadler schließt. Für immer. Nach 17 Jahren in Garching. An ihrer Stelle wird die Bäckerei Kistenpfennig einziehen und ein Café eröffnen. Statt des Dufts von Braten wird dann der Duft von Brezen hinaus zum Schwanenbrunnen ziehen.

An einen Filialisten will der Meister nicht übergeben

„Ich hätte es lieber gehabt, wenn ein Metzger eingezogen wäre“, sagt Josef Stadler. Aber er habe schlicht keinen Nachfolger gefunden. Dass seine Kinder nicht in die Fußstapfen des 74-Jährigen treten würden, ist ihm schon lange klar. „Der eine ist Polizist, der andere hat BWL und Informatik studiert, und die Tochter ist Steuerberaterin.“ Zwischenzeitlich hatte er die Hoffnung, dass ein Enkel den Betrieb übernehmen werde, „doch der wollte dann auch nicht“. Und als er sich auf die Suche nach einem externen Nachfolger machte, meldeten sich nur Filialisten – also keine echten Metzger, findet Stadler, der aus einer Fleischerfamilie stammt und den Beruf in vierter Generation ausübt.

Metzger in vierter Generation

Im Jahr 1957 schloss er seine Lehre in Ingolstadt ab, ehe es ihn nach München zog. Dort arbeitete er nicht nur in Metzgereien, sondern führte auch einige Jahre lang einen kleinen Supermarkt in der Maier-Leibnitz-Straße in Garching. 1970 übernahm Stadler eine Fleischerei in Schwabing, im Mai 2000 folgte der Umzug in die Räume der einstigen Metzgerei Rieger in Garching, wo Stadler und seine Familie seit Jahrzehnten leben. „Ich hänge an meinem Beruf – und an unseren Stammkunden, die nicht nur aus Garching sondern sogar aus München zu uns kommen“, sagt der Metzgermeister. Aber mit 74 Jahren sei es nun an der Zeit, Schluss zu machen. Wieso ein erfolgreicher Betrieb wie der seinige keinen Nachfolger findet? Für Stadler liegt die Antwort auf der Hand: „Ich stehen jeden Morgen um drei Uhr auf. Außerdem haben wir hier praktisch einen Sieben-Tage-Woche.“ Überdies gebe es „das Riesenproblem mit der Besteuerung“, klagt der Garchinger. „Bei uns ist es doch so, dass die, die viel arbeiten, auch noch bestraft werden.“

Online-Petition zum Erhalt der Metzgerei

Zwölf Mitarbeiter beschäftigt Stadler im Betrieb. Noch. Sie müssen sich jetzt nach einem neuen Job umschauen, wobei der Chef betont: „Fast jeder Metzger in München sucht händeringend Personal. Wer arbeiten will, der findet auch Arbeit.“ Seinem Nachfolger, der Bäckerei Kistenpfennig, drückt Stadler die Daumen, „dass sie hier trotz der großen Konkurrenz Erfolg hat“.

Ganz und gar nicht begeistert von den Café-Plänen ist derweil der Garchinger Rolf Strobach. Er hat im Internet eine Online-Petition zum Erhalt der Metzgerei Stadler gestartet. Ihr Titel: „Es geht um die Wurst. Garching braucht Vielfalt, auch im Metzgereien-Angebot.“ Adressat der Petition ist Bürgermeister Dietmar Gruchmann – obschon der kaum wird etwas ausrichten können. Ohnehin scheint ein Erfolg der Aktion ungefähr so wahrscheinlich wie eine leere Metzgerei Stadler zur Mittagszeit – bis zum 28. Oktober.

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