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„Hinterher waren wir Besserwisser“: Günther Wessel stellt in Garching sein Buch „Vier fürs Klima“ vor.

Für ein Jahr 

Klimaneutral leben: Familie wagt das Experiment

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Um das Klima zu retten, müssen alle ihren ökologischen Fußabdruck reduzieren. Familie Pinzler-Wessel wagte den Versuch. Sie lebte ein Jahr klimaneutral. Das Ergebnis.

Garching – „Wir haben geglaubt, dass wir zu den Guten gehören.“ Ein Trugschluss, wie Journalist Günther Wessel heute weiß, der sein Buch „Vier fürs Klima“ in der Garchinger Stadtbücherei vorgestellt hat. Zwar haben Wessel, seine Frau und Co-Autorin Petra Pinzler und die beiden Kinder Franziska und Jakob „früher ja schon mal im Bioladen eingekauft“.

Zwölfjährige bewegt Familie zu Experiment

Doch dann hat Franziska als Hausaufgabe für den Ethikunterricht den Klimabilanzrechner des WWF ausprobiert und den CO2-Fußabdruck der Familie errechnet. Der war zwar ein klein wenig besser als der Bundesdurchschnitt von 11 Tonnen pro Person und Jahr. Doch für die damals Zwölfjährige immer noch schockierend genug, um die ganze Familie zu einem Experiment zu bewegen: Familie Pinzler/Wessel hat ein Jahr lang so klimaneutral wie möglich gelebt und versucht, möglichst CO2-neutral zu leben. „Ohne, dass es albern wird!“

„Bedeutet Bio immer gleich gut?“

Das Projekt haben Wessel und Pinzler in einem Buch niedergeschrieben und gezeigt, welchen Fragen sie sich so stellen mussten. Ganz grundsätzlichen Fragen wie: Was ist eigentlich CO2, was bewirkt es genau, wobei entsteht es und wie viel? Und auch ganz praktischen: Was darf man aus Klimaschutzsicht eigentlich essen – bedeutet bio immer gleich gut fürs Klima? Und sind im Winter eingelagerte oder eingeflogene Äpfel besser?

Denn Äpfel sind ein Grundnahrungsmittel von Sohn Jakob. Der sich übrigens fleischlos ernährt, was die Frage aufwarf: Sind Vegetarier die besseren Klimaschützer? Und dann wurden auch ganz globale Probleme wie das enorm CO2-intensive Fliegen (Wessel: „Klimamonster Nummer 1“) am Beispiel erörtert: Wie lässt sich der Urlaub einigermaßen klimaschonend gestalten?

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Bei der Recherche haben Wessel und seine Frau auch Kompensationsmöglichkeiten, wie sie etwa Atmosfair anbieten, genauer unter die Lupe genommen. Dort kann man sich mit Ausgleichszahlungen von eigenen CO2-Sünden quasi „freikaufen“. Das Geld kommt Klimaschutzprojekten zu Gute, „eine kurzfristige Lösung“, so Wessel. „Kompensation löst aber nicht das Klimaproblem der Menschheit.“

Das hat auch das Experiment der Familie nicht, aber es hat ihr Verhalten nachhaltig verändert. Gleich zu Beginn des Projekts wurde ein Energieberater eingeladen, der das Haus auf Herz und Nieren – und vor allem Energiesparpotenziale – untersucht hat. Die große Fenstersanierung wurde zwar verschoben, doch schon das Abschalten von Elektrogeräten statt des Stand-by-Modus hilft beim Energie- und damit CO2-Sparen.

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Das Auto hat Wessel abgeschafft. „Wir haben festgestellt, dass wir es einfach nicht brauchen.“ Der Fahrradanhänger, den die Familie für Großeinkäufe angeschafft hat, löst die schwerwiegenden Transportprobleme weitgehend. Überhaupt sind alle Vier inzwischen überzeugte Radler, und Günther Wessel selbst hat festgestellt: „So viel regnet’s gar nicht!“

Dafür kam aus dem Familienumfeld der ein oder andere Gegenwind. Auch den beschreibt Wessel mit viel Humor, ebenso wie sein Fazit nach einem Jahr Klimaexperiment: „Vorher waren wir Klugscheißer, hinterher waren wir Besserwisser! Wir haben Stellschrauben gefunden, die etwas ausmachen.“

Und die sind auch gar nicht so schwer umzusetzen und lesen sich noch dazu auf knapp 300 klimaneutral produzierten Buchseiten oder als E-Book sehr kurzweilig.

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