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Achtung! Ein Schild warnt Spaziergänger vor Munitionsbelastung.

Bund  weist Verantwortung zurück

Kriegskampfmittel: Gefahr in der Fröttmaninger Heide

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Mehr Kampfmittel als gedacht lauern im Boden der Fröttmaninger Heide. Da ist sich der Heideflächenverein nach einer Untersuchung sicher. In dem Gebiet haben schon etliche Militärs Krieg gespielt.

Garching – In der Fröttmaniger Heide liegen mehr Sprengkörper als erwartet. Davon zumindest geht der Heideflächenverein aus, der vom Bund im Jahr 2007 rund 335 Hektar der Fläche dort erwarb. Der Versuch, den früheren Eigner in Sachen Kampfmittelbeseitigung in Haftung zu nehmen, wurde vom Landgericht München unlängst zurückgewiesen. Ob der Verein in Berufung geht, steht noch nicht fest.

Christine Joas, Geschäftsführerin des in Unterschleißheim ansässigen „Heideflächenvereins Münchner Norden“, ist nicht glücklich mit der Entscheidung des Gerichts: „Die Belastung wurde uns als nicht so gravierend dargestellt, als wir die Flächen übernahmen.“ Spätestens seit der Grundsteinlegung für das Heide-Haus im Sommer 2010 steht indes fest, dass die früheren Informationen mit der Realität schwer in Einklang zu bringen sind. Derzeit arbeitet der Heideflächenverein an einem Kampfmittelräumkonzept.

Abseits der Wege lauert Gefahr

Wie groß die Gefahr für Spaziergänger ist, vermag Joas nicht genau zu sagen: „Wer auf der sicheren Seite sein will, sollte sich nur in den freigegebenen Regionen bewegen.“ Bis zur Freigabeder inzwischen als Naturschutzgebiet ausgewiesenen Flächen gilt daher: Gesperrte Bereiche unbedingt meiden.

In 150 Jahren militärischer Nutzung dürfte sich in der Fröttmaninger Heide einiges an Gefahrgütern angesammelt haben. Ob Militärs der Wittelsbacher, Reichswehr, Wehrmacht, US-Army oder Bundeswehr: Krieg übten alle besonders gern in der Fröttmaninger Heide. Zwischenzeitlich ließen Briten und Amerikaner auch noch ein paar Bomben auf Flakstellungen der Nazis fallen. Darum geht der Heideflächenverein von vielen Kampfmitteln aus, die dort unter der Erde liegen.

Waffen vielfältig und diffus verteilt

Seit Jahren bemüht sich der Verein um die Räumung der 2016 zum Naturschutzgebiet „Südliche Fröttmaninger Heide“ ausgewiesenen Flächen zwischen dem Münchner Norden und der A 99. Nach der Auswertung von Luftbildern offenbart sich allerdings, dass Bomben, Granaten und Munition auf vielfältige und eher diffuse Weise im Boden verteilt liegen.

Mit einer computergestützten Mehrkanalsonde wurden im Frühjahr rund 210 Hektar Fläche geomagnetisch erforscht. Für eine detailliertere Inspektion wählte man 21 Testfelder á 400 Quadratmetern, um Lage und Zustand der Sprengmittel zu dokumentieren. „Anhand der Ergebnisse der Testfeldräumungen kann die tatsächlich vorhandene Kampfmittelbelastung eingeschätzt werden“, sagt Joas. Abschließend arbeitet der Verein an einem Räumkonzept.

Rund ums Heidehaus wird als erstes geräumt

Dass sich der Bund als früherer Eigner und Mitverursacher nicht in der Verantwortung sieht, bedeutet einen schweren Schlag für den Verein. Bis Ende 2019 hofft Joas, ein zumindest 20 Hektar großes Gebiet auf dem Umweltbildungsgelände im Bereich des Heide-Hauses von Kampfmitteln befreit zu haben. Dass nach wie vor weite Teile des Schutzgebiets aus Sicherheitsgründen nicht betreten werden dürfen, ist aus Sicht des Vereins nicht ideal. Erholungsflächen im Umfeld von München werden zusehends rar. Eine Wahl hat Joas nicht: „Zum Glück ist bisher nichts passiert.“

Lesen Sie auch: Nicht nur die Kampfmittel ärgern die Naturschützer

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