Gefährdeter Sänger: Die Feldlerche ist der Vogel des Jahres 2019 – zum zweiten Mal nach 1998. In der Zwischenzeit ist der Bestand in Deutschland laut dem Naturschutzbund NABU wegen der Intensivierung der Landwirtschaft um mehr als ein Viertel zurückgegangen. 
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Gefährdeter Sänger: Die Feldlerche ist der Vogel des Jahres 2019 – zum zweiten Mal nach 1998. In der Zwischenzeit ist der Bestand in Deutschland laut dem Naturschutzbund NABU wegen der Intensivierung der Landwirtschaft um mehr als ein Viertel zurückgegangen. 

Naturschutz im Getreidefeld

Der Lerche eine Lücke

  • Josef Ametsbichler
    vonJosef Ametsbichler
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Die Kreis-CSU wagt einen Vorstoß für Umweltschutz, der sich besonders gut mit der Landwirtschaft vertragen soll – und wirft dem Landratsamt Blockade vor. Doch dort reagiert man gelassen. Denn dass „flexible Ausgleichsmaßnahmen“ im Landkreisbislang fehlen, habe einen anderen Grund.

Landkreis – Ein Loch im Getreidefeld heißt Lerchenfenster. Oder Kiebitzinsel, je nachdem, wer dort nisten soll. Es entsteht, wenn Landwirte den Feldbrütern auf ihren Äckern Lebensraum aussparen, weil sie dafür finanziell entschädigt werden. Solche variablen Öko-Nischen sollen immer mehr konventionelle Ausgleichsflächen ersetzen, wenn es nach dem Willen der Landkreis-CSU geht. Und auch der Bayerische Bauernverband (BBV) kann sich damit anfreunden.

Alternativer Artenschutz

Andere Formen alternativen Artenschutzes: Längere Zeiträume zwischen der Grünland-Mahd, doppelter Saatreihenabstand in Getreidefeldern, damit dazwischen Vögel und Insekten nisten können – oder die Anlage von Altgrasstreifen, die gar nicht gemäht werden und so Unterschlupf beispielsweise für das Braunkehlchen oder zahllose Insekten bieten. Diese flexible Idee versteckt sich hinter einem sperrigen Begriff: „Produktionsintegrierte Kompensation“, heißt das Ganze, kurz: PIK.

„So kann ich immer noch etwas ernten“, erklärt Franz Sedlmeier vom BBV die Vorzüge dieser Methode für die Landwirtschaft. „Eine Ausgleichsfläche ist für den Bauern ein Totalausfall.“

Doppelter Ausfall

Sogar ein doppelter Ausfall, folgt man der Argumentation von Oberhachings CSU-Bürgermeister Stefan Schelle, gleichzeitig CSU-Fraktionsvorsitzender im Kreistag: Demnach braucht es bei neuen Siedlungs- Gewerbe- und Infrastrukturflächen auf ehemals landwirtschaftlichem Grund gleichzeitig Ausgleichsflächen, die für den Naturschutz aufgewertet werden – ebenfalls auf Kosten von Äckern oder Weideland. Gerade dort, wo es eng wird, wie im Landkreis München, sei das für Landwirte besonders problematisch. Da wäre es doch besser, Landwirte ließen dem Tierleben eine Lücke und behielten ihre Flächen – findet die Kreis-CSU.

Bislang überhaupt keine flexiblen Ausgleichsmaßnahmen

Doch im Landkreis gibt es bisher weder Lerchenfenster noch Kiebitzinseln. Gar keine flexible Ausgleichsmaßnahme, wie sie seit 2014 rechtlich möglich sind, ist bisher Realität geworden. Das bestätigt das Landratsamt.

„Unverständlich, dass die Untere Naturschutzbehörde im Landratsamt München diese Kompensationsmöglichkeit PIK nicht zur Anwendung bringt“, kritisieren folglich die CSU-Arbeitskreise für Kommunales, Landwirtschaft und Umwelt – und fordern Pilotprojekte.

Kein Landwirt hat einen Antrag gestellt

Nur: Damit rennen die Christsozialen offene Türen ein. „Wir bedauern auch, dass es zu keiner PIK-Maßnahme im Landkreis gekommen ist“, sagt jedenfalls Walter Schuster vom Landratsamt. Er ist dort Chef des Geschäftsbereichs 4, damit unterstehen ihm sowohl die Bau- als auch die Umweltbehörde. Sein Haus unterstütze die Maßnahmen – „weil es ein gutes Modell ist“, sagt Schuster. Bislang habe nur kein Landwirt einen entsprechenden Antrag durchgezogen, heißt es aus dem Amt.

Es braucht viele Lerchenfenster

Die Vermutung: Viele scheuen den Verwaltungsaufwand oder fühlen sich durch die kontinuierliche Dokumentationspflicht, die mit den flexiblen Ausgleichsmaßnahmen einhergeht, zu sehr überwacht. Im Gegensatz dazu ist die Überlassung einer Ausgleichsfläche schließlich nur ein einmaliger Akt. Schuster kündigt an, das Amt werde sich mit den Landwirten im Landkreis zusammensetzen, um nach Modellen zu suchen, damit rund um München doch noch die Lerchenfenster aufgehen. Denn damit diese etwas bringen, müssen es viele sein, sonst verpufft ihre Wirkung, warnt der Landesbund für Vogelschutz. Ein LBV-Sprecher sagt dazu: „Das muss in der Masse stattfinden. Mit einem Lerchenfenster hier und dort ist es nicht getan.“

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