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Die fünf Kandidaten beziehen ihre Position und debattieren mit viel Elan: (v.l.) Annette Ganssmüller-Maluche (SPD), Rainer Gross (AfD), Moderator Christoph Leicher vom IHK-Regionalausschuss, Claudia Köhler (Grüne),Thomas Jännert (FDP) und Ernst Weidenbusch (CSU).

Podiumsdiskussion der IHK

Erster Schlagabtausch der Landtagskandidaten

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Draußen hat der Himmel alle Schleusen geöffnet. Doch trotz der Regenströme finden sich im Garchinger Neuwirt etwa 20 Unternehmer von Unterschleißheim bis Aying ein, um die Bewerber für die Landtagswahl zu wichtigen Themen zu befragen. Fünf Kandidaten stellen auf Einladung der Industrie- und Handelskammer (IHK) ihre Positionen vor. Es ist ihr erster Schlagabtausch vor der Wahl am 14. Oktober.

Landkreis/Garching–  Mit Leidenschaft in der Sache und durchaus konträren Positionen präsentieren sich der langjährige Landtagsabgeordnete Ernst Weidenbusch (CSU), die erfahrenen Kommunalpolitikerinnen Annette Ganssmüller-Maluche (SPD) und Claudia Köhler (Grüne) sowie die Politik-Neulinge Thomas Jännert (FDP) und Rainer Gross (AfD). Es sei ein Zufall, sagt IHK-Regionalvorsitzender Christoph Leicher, der die Runde moderiert, dass nur die Kandidaten des Stimmkreises München-Land-Nord der Einladung gefolgt seien. Allerdings bleibt ein Podiumsplatz leer. Nikolaus Kraus, Kandidat der Freien Wähler, hatte sich angemeldet, erscheint aber nicht.

Konkurrenz unter Freunden

Mit viel Elan und Biss diskutieren die Bewerber. Und manchmal blitzt dabei sogar Humor auf. Weidenbusch frotzelt, dass ihn mit seinen SPD-Konkurrenten immer etwas Persönliches verbunden habe. „Die Freundschaften haben stets die vier Monate Wahlkampf überstanden, in denen der SPD-Kandidat ein bisschen nervös geworden ist“, zieht erGanssmüller-Maluche auf. Sie tut das Röhren des Platzhirschs mit einem Lachen ab und demonstriert, dass sie die Konkurrenz sportlich nimmt

Bei Merkel oder bei Seehofer?

Sägewerksunternehmer Klaus Widmann aus Oberhaching fragt, welche Positionen die Kandidaten bei der Abweisung von Flüchtlingen an den Grenzen teilen würden, „die von Kanzlerin Merkel oder von Bundesinnenminister Seehofer?“ – Weitgehende Einigkeit herrscht bei den Gästen von SPD, Grünen und FDP darüber, dass man eine „europäische Lösung“ brauche. Ankerzentren seien inhuman und „würden riesige Probleme für Kommunen und Landratsämter bringen“, sagte Claudia Köhler. Die Gegenposition nimmt Gross ein: „In Europa gibt es keine gemeinsame Haltung. Am Ende sind es immer nur wir, die die Probleme tragen.“ Weidenbusch hofft, „dass Horst Seehofer sich durchsetzt“. Eine Politik des „Weiter so“ dürfe es nicht geben, das führe dazu, „dass für Verbesserungen bei der Ausbildung und beim Leben im Alter Milliarden fehlen“.

Stau auf Straße und Datenautobahn

Jeden Werktag komme es zu massiven Staus – sehr zu Lasten von Unternehmern und Bürgern. „Die Verkehrssituation wird von der Landesregierung so hingenommen“, stellte Magnus Harlander, Gründer der Kirchheimer Genua GmbH, fest, und auch auf der Datenautobahn würde es stocken. Weidenbusch erklärt, beim Breitbandausbau seien nicht die Finanzmittel die Engstelle, sondern die Umsetzung: „Aber ich kann mir die Menschen, die den Breitbandausbau umsetzen, nicht schnitzen.“ Das schnelle Netz sei „Schrittmacher“ beim Aufbau kleiner Unternehmen, stellte Jännert fest, weil es Heimarbeitsplätze ermögliche. Beim Verkehr fordert er den Ausbau der B 15 nach Rosenheim und bringt auch wieder den Südring – unterirdisch verlegt – ins Rennen. Weidenbusch widerspricht: „Bei der B 15 sind wir im 19. Jahr der gerichtlichen Auseinandersetzung“, Straßenausbauprojekte seien viel zu langwierig. Statt des Südrings könne er sich höchstens einen vier Kilometer langen Tunnel von der A 95 zum McGraw-Graben und der A 995 vorstellen.

Das Problem sieht Ganssmüller-Maluche nicht in den Klagen, sondern im Behörden-Wirrwarr: „Wir brauchen eine übergeordnete Politikstrategie.“ Seit fünf Jahren warte man auf den Baubeginn für die U-Bahnverlängerung nach Martinsried: „Was wir geplant haben, setzen wir nicht um. Das ist das grundlegende Problem für die Region.“ Das gelte auch beim S-Bahn-Nordring, dem zweigleisigen S7-Ausbau und beim Radschnellweg: „Machbarkeit, Trassierung, Finanzierung liegen vor.“ Nur die Behörden seien sich nicht einig. „Da können Sie bald nur noch in Heimarbeit arbeiten“, fügt sie in Jännerts Richtung hinzu.

Bezahlbarer Wohnungsbau

Peter Klaus, Eurofaktor-Geschäftsführer aus Oberhaching, fragt nach Initiativen für bezahlbaren Wohnbau. Man müsse zügig etwas gegen ausländische Immobilieninvestoren unternehmen, erklärt Weidenbusch. Zudem hält er „eine Pause beim Einwohnerzuwachs“ für nötig: Erst müssten Verkehrswege geschaffen werden, damit sich der Wohnungsbau an die Ränder der Metropolregion verlagern könne. Köhler sieht die Lösung im Bau erschwinglicher Wohnungen, „und zwar eher in die Höhe als in die Breite“, und setzt einen neuen Akzent, indem sie vorschlägt: „Vielleicht könnten Sie als Unternehmer auch Werkswohnungen bauen und wieder so etwas leisten, wie früher zum Beispiel Agfa.“ 

Während Gross die Stärkung der freien Wirtschaft und die Förderung der Einheimischenmodelle propagiert, widerspricht Ganssmüller-Maluche vehement: „Das ist absurd. Wir brauchen weniger Wirtschaft und mehr Staat im Wohnungsbau.“ Die einzige Chance sei, dass die „Soziale Bodennutzung“ angewandt werde.

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