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Namensgeber: Nach Rudolf Mößbauer wollte die TUM eine Straße benennen. Doch es gibt schon einen Mößbauerweg in Garching.

Auf dem Campus Garching

Lösung im Streit um Straßennamen

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Mößbauer ist raus: Weil ihm schon eine Straße in Garching gewidmet ist, musste ein neuer her. Das Thema sorgte für Zündstoff. Nun gibt‘s einen Namen. 

Garching – Wolfgang Herrmann hat vor zwei Wochen bei Ingrid Wundrak angerufen. Gleich zweimal habe sie mit dem Präsidenten der Technischen Universität München (TUM) gesprochen, berichtete die Grünen-Abgeordnete im Stadtrat. Nun ist es beileibe nicht so, dass der Wissenschaftler und die Garchingerin in politischen Fragen stets einer Meinung wären: Man denke nur an den Forschungsreaktor, der von Herrmanns TUM betrieben und von Wundrak nimmermüde bekämpft wird.

In den Telefonaten jedoch hat der Uni-Präsident offenbar den richtigen Ton angeschlagen, weshalb sich Ingrid Wundrak nun im Stadtrat für sein Ansinnen starkmachte.

Thema der Debatte war die Benennung neuer Straßen auf dem Forschungscampus, was schon im Vorfeld der Sitzung für viel Gesprächsstoff gesorgt hatte. Wie berichtet hatte die TUM beantragt, drei Straßen nach ihren früheren Professoren Hans Piloty, Friedrich Ludwig Bauer und Rudolf Mößbauer zu benennen – und dabei genauso wie die Stadtverwaltung übersehen, dass es bereits einen Mößbauerweg in Garching gibt. Auf diesen Fauxpas wiesen die Grünen umgehend öffentlich hin und kritisierten überdies, dass bei den vorgeschlagenen Straßennamen erneut keine Frau berücksichtigt werde. Ihrer Forderung, endlich mal eine Wissenschaftlerin zu ehren, schlossen sich die Unabhängigen Garchinger (UG) an, die dafür die Mathematikerin Emmy Noether ins Spiel brachten.

Wolfgang Herrmann jedoch favorisierte offenbar eine Frau mit TUM-Bezug, weshalb er infolge der öffentlichen Kritik nicht nur mit Wundrak, sondern auch mit Bürgermeister Dietmar Gruchmann (SPD) telefonierte. Beiden schlug er vor, die ursprünglich für Rudolf Mößbauer gedachte Straße auf den Namen von Paula Hahn-Weinheimer zu taufen; die Chemikerin war einst die erste ordentliche Professorin der TUM.

Gruchmann zeigte sich dafür offen, wollte in der Sitzung jedoch erst mal nur über die Benennung der anderen beiden Straßen abstimmen, um den Stadträten Bedenkzeit zu geben. Wundrak jedoch setzte sich – wohl ganz im Sinne Herrmanns – dafür ein, dass auch über die Paula-Hahn-Weinheimer-Straße sogleich entschieden wird. Der Stadtrat segnete diesen Vorschlag, die Hans-Piloty- und Friedrich-Ludwig-Bauer-Straße einstimmig ab.

Derweil wird sich das Gremium wohl schon bald wieder mit dem Thema Straßenbenennungen beschäftigen – mutmaßlich inklusive intensiver Debatten. Denn Ingrid Wundrak kündigte bereits an, dass sie die Wege in der Kommunikationszone ausschließlich auf die Namen berühmter Frauen taufen wolle. Schließlich gebe es bislang in Garching lediglich eine von 145 Straßen, die nach einer Frau benannt sei, nämlich den Lise-Meitner-Weg. „Das ist peinlich für einen Ort wie unseren“, sagte die Stadträtin.

Nicht ganz so weit wollte Jürgen Ascherl (CSU) gehen. Er plädierte dafür, in der Kommunikationszone und auf dem Campus eine „Frauenquote“ zu berücksichtigen, die Straßen also paritätisch zu benennen. Überdies forderte der CSU-Fraktionschef „eine gewisse Einheitlichkeit“ bei der Benennung, „damit man sich besser zurechtfindet“. Von daher soll sich der Stadtrat „einmal grundsätzlich Gedanken machen, wie wir mit Straßennamen umgehen.“

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