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Ganz Garching hat für diese Skulptur gespendet. Im Jubiläumsjahr wurde sie aufgestellt.

100 Jahre Maria Patrona Bavariae

Moderne Frau statt Himmelsfürstin

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2017 war nicht nur für „500 Jahre Reformation“ ein Jubiläumsjahr, sondern auch für „100 Jahre Maria Patrona Bavariae“. In Garching hat ein Förderverein eine moderne Skulptur der Maria in Auftrag gegeben und eine enorme Spendenbereitschaft ausgelöst.

Garching – Jeder Cent, den das Kunstwerk gekostet hat, wurde von den Bürgern gespendet, insgesamt 100 000 Euro. Auch Garchinger anderer Konfessionen und Atheisten haben sich mit Geldspenden beteiligt. „Das habe ich in diesem Maße bei keinem anderen Projekt erlebt“, sagt Bildhauerin Lioba Leibl (57) aus Hebertshausen (Lkr. Dachau). Die Stadt hat für die Figur öffentlichen Grund zur Verfügung gestellt – auch das ist ungewöhnlich, – gleich an der U-Bahnstation in einem kleinen Park, in der Nähe des Augustiner-Biergartens.

Vor 100 Jahren – noch während des Ersten Weltkriegs – wurde die Patrona Bavariae eher als eine Schutzkraft verehrt. Die Vorstellung, dass Kriegsparteien sich in ihrem Namen die Köpfe einschlugen, bestürzte Lioba Leibl. Sie entschied, die Patrona Bavariae aus vergangenen Zeiten in die Gegenwart zu holen. „Ich konnte wenig anfangen mit einer Heiligenfigur als Heilige“, sagt die Künstlerin. „Für mich sind die Heiligen Vorbilder, die sich mit urmenschlichen Problemen auseinandergesetzt haben.“ Leibl versuchte, Maria neu zu denken: Wofür steht sie? „Traditionell bringt man sie mit dem Begriff Demut in Verbindung.“ Diesem ging Leibl auf den Grund: „Als ich feststellte, dass das lateinische Wort Humilitas eigentlich Ebenbürtigkeit bedeutet, setzte das bei mir viel in Gang. Hier hatte ich meinen Zugang gefunden.“

2015 wurde der Kunstwettbewerb ausgelobt. „Da gab es die unsäglichen Vorkommnisse, dass Leute Flüchtlingsunterkünfte anzündeten, mit dem Vorwand, das christliche Abendland zu retten.“ Für Lioba Leibl ist das positive Erbe des christlichen Abendlandes vor allem Artikel eins des Grundgesetztes: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“

Entstanden ist eine Maria, die einen denkbar niedrigem Sockel hat. „Diese Maria ist vom Himmel auf die Erde geholt“, sagt Pfarrer Rainer Hepler von der Kunstpastoral im Erzbistum. Die Figur in Garching sei eine „Maria von heute“: „2,50 Meter groß steht die Figur trotzdem auf Augenhöhe.“ Sie hat keine wallenden Gewänder, wie wir es von Madonnendarstellungen im alten Stil einer Himmelsfürstin gewohnt sind. „Sie trägt ein Kleid, in dem auch die Queen herumlaufen könnte.“

Auf dem Arm hält sie das Jesuskind, das auf den Betrachter deutet. Für Hepler ist es „das wundersame Kind, das mich und dich befreien will, aus Unfriede und Ungerechtigkeit“. Maria trägt einen kaputten Sternenkranz auf dem Haupt. „Das war kein Vandalismus, sondern Maria selber hat ihn kaputt gemacht. Sie hat einen Zacken aus ihrer Krone gebrochen und reicht ihn uns“, sagt Hepler. Am Boden sind weitere Sterne verstreut, darauf steht „Die Würde“, „des Menschen“, „ist unantastbar“, „Friede“, „Gerchtigkeit“.

Die Sterne sind vieldeutig auslegbar: „Es ist, als läge Europa Maria zu Füßen“, sagt Hepler und fragt: „Ist es ein Zufall, dass die europäische Flagge mit dem Kreis der zwölf Sterne auf marianischem Blau ein Marien-Symbol trägt?“

Wie haben die Garchinger auf die zeitgenössische Marienskulptur reagiert? „Eigentlich ziemlich begeistert“, erzählt Lioba Leibl: „Es gab auch ein paar wenige ablehnende Stimmen, eine Frau sagte, sie hätte sich eine Madonna auf einer goldenen Säule gewünscht. Aber die negativen Stimmen blieben sehr in der Minderheit.“

Im ausgelegten Buch der Pfarrei finden sich begeisterte Einträge. Lioba Leibl hat beeindruckt, dass die ganze Stadt sich an dem Projekt beteiligt hat. Berührt hat sie ein älterer Herr, der offenbar eine ganz persönliche Beziehung zu Maria hat: „Der ist im Vorbeigehen zu der Figur getreten und hat sie an die Hand genommen. Er hatte eine Träne im Auge und sagte: ,Das san schlimme Zeiten.’“

Für die einen ist Maria Trösterin und Beschützerin. Für Leibl ist sie eine Frau, die Würde schenkt und darin ein Vorbild ist für den Umgang miteinander, wie der Stern in ihrer linken Hand symbolisiert. Ein Aspekt, mit dem Leibl vielleicht auf Betrachter anspricht, die nicht christlich geprägt sind.

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