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Rund 200 Besucher sitzen beim Fastenbrechen zusammen.

Nach der Absage wegen Ditib-Kooperation

Fastenbrechen Garching: Kritik an CSU

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Es ist ein  Fest unter Freunden - trotz des Theaters im Vorfeld. Für die Absage am Fastenbrechen erntet die CSU deutliche Kritik.

Garching – Wasser, Spezi und Ayran stehen in rauen Mengen auf dem Tisch, doch Yasin Gürel greift nicht zu – noch nicht. Dabei hat der 20-jährige Garchinger seit rund 16 Stunden keinen Schluck mehr getrunken. Sogar beim Basketballtraining hat er auf die Wasserflasche verzichtet. Denn Yasin Gürel ist gläubiger Moslem und fastet: Während des Ramadans, der noch bis 14. Juni dauert, verzichtet er von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang auf Essen und Trinken.

Der Garchinger Yasin Gürel (r.) fastet strikt im Ramadan. Beim Fastenbrechen genießt er das üppige Mahl mit Raphael Meister.

„Ich mache das, weil es meine Religion von mir verlangt“, erklärt Yasin Gürel und betont, dass ihm das Fasten nicht schwerfalle. „Das ist alles eine Frage der Mentalität.“ Er freue sich jedes Jahr auf die 30-tägige Fastenzeit. „Der Ramadan gibt einem die Chance, sich auf den richtigen Weg zu konzentrieren. Außerdem reinigt man den Körper und die Seele.“ Höhepunkt eines jeden Ramadan-Tages ist das allabendliche Fastenbrechen, das „Iftar“, sagt Gürel. „Das feiern wir immer in der Gemeinschaft.“

Wobei es nur selten eine so große Gemeinschaft wie heute ist: Mehr als 200 Besucher, darunter etliche Nicht-Muslime, haben sich in der Mensa des Garchinger Gymnasiums eingefunden, um auf Einladung des städtischen Integrationsbeirats gemeinsam das Fastenbrechen zu feiern. Zu den Organisatoren gehören auch der Kreisjugendring München-Land sowie der FC Türk Sport Garching, die Ditib-Gemeinde und der Hochbrücker Frauenfreundschaftsverein.

Die Organisatoren: (v.l.) Hasan Celik, Bürgermeister Dietmar Gruchmann, Selma Binay, Jan Stepputtis, Claudio Cumani und Muzaffer Binay.

Es ist das erste Mal, dass diese drei großen Gruppierungen der türkischen Gemeinschaft in Garching gemeinsam eine Veranstaltung auf die Beine stellen – und doch ist diese Premiere ein wenig überschattet von der heftigen Debatte der vergangenen Tage. Ausgelöst hatte sie die Garchinger CSU, die die Einladung des Integrationsbeirats ausgeschlagen hatte, weil der örtliche Ditib-Verein zu den Mitorganisatoren gehört. 

Die Absage hat vor allem bei Muslimen in Garching hohe Wellen geschlagen, und doch ist man an diesem Abend bemüht, das Thema außen vor zu lassen. „Das ist keine politische Veranstaltung, deshalb werden wir das nicht kommentieren“, sagt Selma Binay vom Frauenfreundschaftsverein, der eng mit der Ditib-Gemeinde verquickt ist.

Von den Rednern, zu denen auch der katholische Pfarrer Michael Ljubisic, Joachim Krause für die evangelische Gemeinde und der Garchinger Ditib-Imam Ibrahim Yildiz gehören, geht allein Bürgermeister Dietmar Gruchmann (SPD) mit wenigen Worten auf die CSU-Kritik ein.  Gruchmann (SPD) betonte: „Als evangelischer Christ war ich bei der katholischen Fronleichnamsprozession, und genauso bin ich heute beim Fastenbrechen.“ Sein Kommen sei „keine parteipolitische Aussage, aber vielleicht eine gesellschaftspolitische Aussage – und die ist richtig.“

„Eigentor geschossen“

Auf Nachfrage weist auch Jan Stepputtis vom Kreisjugendring München-Land die CSU-Kritik zurück: „Das hier hat mit Politik nichts zu tun. Wir wollten ganz einfach viele Leute erreichen und ins Gespräch bringen.“ Während Vertreter der Ditib-Gemeinde und des Frauenfreundschaftsvereins sich nicht zu dem Thema äußern wollen, sagt Türk-Sport-Vorsitzender Hasan Celik: „Die CSU hat mit der Absage ein Eigentor geschossen. Denn ohne Dialog kann man keine Mauern einreißen.“ Ohnehin vermutet Celik hinter der Aktion „Kalkül“, wie er sagt. „Es ist schade, dass so eine Veranstaltung für den Wahlkampf missbraucht wird.

Ansonsten drehen sich die Ansprachen vornehmlich um die Bedeutung des Miteinanders der Religionen sowie des Austauschs untereinander. „Hier gibt es die Möglichkeit zum Dialog“, betont Hasan Celik, Vorsitzender des FC Türk Sport. „Unser Ziel ist der interkulturelle Austausch.“ Derweil sagt Joachim Krause, dass er sich vom gemeinsamen Fastenbrechen wünsche, „dass es uns dem Ziel eines freundlichen Zusammenlebens in unserer Heimat näher bringt“.

Wobei seine Worte fast schon untergehen in allgemeiner Unruhe. Denn nach den diversen Ansprachen ist es nun 21.18 Uhr – Zeit zum Fastenbrechen. Auf den Tischen stehen schon die Suppen bereit, kurz darauf kommen allerlei Gerichte vom Dönerfleisch mit Reis bis zu süßen Baklava hinzu. Auch Yasin Gürel und seine Freunde schlagen nun zu, wobei der Basketballer erst noch mehrere Flaschen Wasser leert – gegen den Durst, der sich im Tagesverlauf angesammelt hat. Die Stimmung an den Tischen ist gelöst; es wird angeregt geplaudert und gelacht, gegessen und getrunken.

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