Baugebiete in Garching.
+
Hier sollen überall in Garching Wohnungen entstehen.

Diskussion um Wohnraum

In Garching nicht nur wohnen, sondern auch leben

  • Sabina Brosch
    vonSabina Brosch
    schließen

Garching boomt. Mit der Folge, dass es Wohnraum in der Stadt braucht. Aber wo soll der entstehen, und wie soll er aussehen? Die Garchinger Grünen haben sich in einer virtuellen Diskussionsrunde mit dem Thema beschäftigt.

Garching – 29 Zuschauer beteiligten sich an der Diskussion, zu der die Garchinger Grünen mit dem Landtagsabgeordneten Christian Hierneis eingeladen hatten. Mit den Baugebieten Am Schleißheimer Kanal und in der Kommunikationszone wird die Stadt in den kommenden Jahren um rund 6000 Einwohner zulegen. Rückblickend auf die vergangenen zehn Jahre hat jeder Einwohner Garchings 195 Quadratmeter an Siedlungs- und Verkehrsfläche verbraucht. „Bei dem Zuwachs von rund 2300 Einwohnern in den vergangenen zehn Jahren macht dies in Summe rund 40,5 Hektar“, erklärte Hierneis. Damit stellen sich Fragen, ob überhaupt noch Flächenreserven übrig bleiben, etwa für Erholung, Naturschutz oder Landwirtschaft, ob die Bebauung zur Klimaveränderung passt oder der nachfolgenden Generation noch Spielraum für anderweitige Nutzungen bleiben.

Für Walter Kratzl (Stadtrat Grüne) ist das ein ungesundes Wachstum. Die sich daraus ergebenden Infrastruktur-Folgekosten sind für ihn nicht überschaubar. Hierneis rät zu gesteuertem Wachstum am besten auf bereits versiegelten Flächen, die etwa auch noch verkehrlich bereits gut angebunden sind. Es bestehe auch die Möglichkeit, nicht genutzte Gewerbeflächen, die laut Hierneis im Zuge der zunehmenden Homeoffice Arbeit zunehmen, in Wohnraum umzuwandeln. Einen sehr wichtigen Punkt sieht er auch im Bau von Betriebswohnungen, „ansiedlungswillige Firmen sollen und müssen auch Verantwortung übernehmen, dass sie für ihre Mitarbeiter den nötigen Wohnraum schaffen.“

Bezahlbarer Wohnraum

Mit der Schaffung von neuem Wohnraum wird der Wohnungsmarkt noch lange nicht entlastet, ist sich Hans-Peter Adolf (Stadtrat Grüne) sicher, denn es geht um die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum und damit bei der Frage: Wie will man bauen? Dass sich Garching dem Problem von zu wenig bezahlbarem Wohnraum konfrontiert sieht, habe die Stadt ebenso selbst verschuldet, so Harald Kirchner, wie dass man sich zu lange keine Gedanken über die Infrastrukturfolgekosten gemacht habe. „Da ist man zu spät aufgewacht“, findet Kirchner, der auch befürchtet, dass die Stadt peu à peu ihre Identität verliert. „Viele Menschen wohnen, aber leben nicht hier.“

Da man in Garching an der Schwelle von 20 Euro pro neu gebautem Quadratmeter angelangt sei, bleiben für Adolf und auch Götz Braun (Stadtrat SPD) vor allem in der neuen Kommunikationszone als regulative Elemente die „Sozial gerechte Bodennutzung2 (SoBoN), aber auch der genossenschaftliche, soziale und einkommensorientierte geförderte Wohnungsbau. Gebe man Bauland in die Hände von Investoren, „handeln diese ausschließlich profitorientiert und wollen das Maximum herausholen. Wir müssen viel in die Hände derer geben, die dort Mehrgenerationenwohnen und soziales Wohnen realisieren möchten. Hier gehe ich absolut mit den Grünen mit“, betonte Braun.

Auch, dass man am im Jahr 2019 fixierten Flächennutzungsplan festhalten solle. „Ich will keinen weiteren Umgriff darüber hinaus“, so Braun. Das Garching umgebende Grün müsse unbedingt in seiner kompakten Form erhalten bleiben.

Bürgerinteressen

Leo van Hemmen forderte, dass man für die Universitätsstadt Garching und damit für die Mitarbeiter der TUM und der dort ansässigen Institute bauen müsse. „Kümmern Sie sich um die Einwohner, die hier arbeiten. Das wurde viel zu lange vernachlässigt.“ Um jedoch überhaupt auf dem Wohnungsmarkt im Münchner Umland etwas zu verändern, müsse der Druck in München „aus dem Kessel genommen werden, wo annähernd keine Entwicklungspotentiale für Wohnungen bestehen“, sagte Hemmen Die Kommunikationszone könne in seinen Augen jedoch der richtige Schritt sein, Arbeitsplatz und Wohnort wieder zusammen zu bringen.

Dieses 31 Hektar große Gebiet hätte Zuhörer Josef Märtz gerne in kleinere Stücke zu fünf Hektar unterteilt gesehen, die dann strukturiert bebaut worden wären. Märtz bemängelte, dass die Bürgerinteressen zu wenig Gehör gefunden hätten, „hier wären bessere Lösungen möglich gewesen“.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare