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Erinnerung an schöne Tage: Christine Scherr (stehend im schwarzen Top, Mitte) zeigt Besuchern beim Tag der offenen Weide ihre Herde Zeburinder.  

Verstoß gegen Tierschutzgesetz

Zeburinder: Besitzerin verliert vor Gericht

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In vier Wochen müssen die Zeburinder von Familie Scherr die Weide in Hochbrück verlassen. Und: Die Besitzerin muss eine erneute Niederlage vor Gericht einstecken. Es droht die Schlachtung.

Hochbrück – Wohin nur mit den Rindern? Das überlegt Christine Scherr (67) seit Monaten – und sucht bisher vergebens. Die Zebu-Züchterin aus Ismaning ist verzweifelt: „Meine 150 Rinder brauchen dringend eine Weide.“ Denn sonst droht der Herde im schlimmsten Fall die Schlachtung.

In der Nähe der Münchner Allianz Arena stehen die Tiere derzeit, doch deshalb gab es Ärger mit den Behörden. Das Landratsamt hatte Scherr falsche Haltung vorgeworfen, die Staatsanwaltschaft sogar Anklage wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz erhoben, weil die Tiere keinen Unterstand hatten. Am 20. Januar wurde Scherr schließlicham Münchner Amtsgericht verurteilt: Sie musste 700 Euro zahlen. Denn angeblich litten die Tiere unter der nicht artgerechten Haltung, bei der auch die Wasserquelle zu weit entfernt liege.

„Das Geld war nicht das Schlimmste“, sagt Scherr. „Sondern, dass ich jetzt als Tierschänderin gelte. Dabei liebe ich die Tiere über alles und versuche rund um die Uhr ein neues Zuhause zu finden.“ Das bleibt aber schwierig. Noch bis Ende des Monats gilt eine Gnadenfrist, danach müssen die Tiere weg. Denn der Pachtvertrag für die Wiese an der Arena wurde gekündigt. „Ich soll 150 Tiere in vier Wochen woanders hinbringen. Ich weiß nicht, wie ich das schaffen soll und bin nur noch unterwegs“, sagt Scherr. Mit zwei Ställen in Finsing und Esterndorf gebe es Kontakt, aber sicher ist noch nichts.

Es ist nicht ihr einziges Problem. Gegen ihr Urteil hatte die gelernte Sekretärin Berufung eingelegt, am Donnerstag wurde der Fall vor dem Münchner Landgericht erneut verhandelt. Doch die Richterin ging hart gegen Christine Scherr vor. „Sie müssen Ihre Probleme jetzt mal nach und nach abarbeiten“, riet die Vorsitzende. „Ich gehe davon aus, dass Sie finanziell größere Probleme haben.“ Tatsächlich drücken die Herden-Besitzerin 50 000 Euro Schulden. Es sind Spätfolgen ihrer Scheidung. „Wegen den Tieren bin ich in den Hof hineingerutscht“, sagt Scherr.

Bei der Richterin fand sie wenig Gehör. „Vielleicht haben Sie das Pech gepachtet. Aber dann kann man die Tiere nicht halten, wenn man keine Weide hat. Man kann sich auch nicht zehn Hunde zulegen, wenn man in einer Einzimmer-Wohnung lebt.“ Schließlich zog Scherr die Berufung zurück. Sie hofft nun noch auf einen weiteren Prozess am Verwaltungsgerichtshof. Noch mehr aber, dass sie bald ein neues Zuhause für ihre Tiere findet.

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