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Rund 200 Garchinger lassen sich vom Bürgermeister informieren.

Wenn es schon keine eigene Polizeistation gibt

Polizei will Sicherheitswacht  in Garching 

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Der große Wunsch bleibt: Einige Garchinger hätten gerne eine eigene Polizeistation. Aussichten auf Erfolg gibt’s nicht. Doch zumindest für ein sichereres Gefühl soll was getan werden.

Garching – Jahrelang war eine Bürgerversammlung in Garching erst dann komplett, wenn sich zum Ende Franz Zehner zu Wort gemeldet hatte. Genauso nimmermüde wie erfolglos forderte der Mann in der Lederhose Jahr für Jahr, dass die Gemeinde (und später die Stadt) eine eigene Polizeiinspektion bekommt. Nun ist Franz Zehner, dieses Garchinger Original, voriges Jahr gestorben. Doch sein Ansinnen lebt offenbar weiter.

In diesem Jahr verlangen bei der Bürgerversammlung gleich zwei Garchinger, dass die Stadt sich für eine eigene Polizeistation einsetzen soll. Einer von ihnen ist Detlef-Clemens Kottmeier. Er fordert in einem zweiten Antrag, „die Asylanten-Container in Zukunft als Unterkünfte für Rentner zu planen“. Ein „ironischer, wenn nicht sarkastischer Beitrag, über den ich nicht abstimmen lassen will“, kommentiert Bürgermeister Dietmar Gruchmann (SPD) säuerlich. Eine eigene Polizeiinspektion fordert auch Alexander Pessiridis, der dies mit „Verbrechern aus aller Welt“ begründet, die im Ort unterwegs seien.

Das weist Michael Graf, Leiter der für Garching zuständigen Polizei Oberschleißheim, zurück. Die Sicherheitslage im Ort sei „sehr, sehr gut“, eine eigene Inspektion gäben die Zahlen nicht her. Und nicht zuletzt müsste eine solche in Garching sehr klein sein, was „nicht mehr Beamte auf der Straße, sondern mehr Beamte im Büro“ zur Folge hätte. Der Polizeichef verweist auf den Kontaktbeamten Volker Kratschmann, der in Garching präsent ist. Zudem wünscht sich die Polizei eine Sicherheitswacht.

In Garching sollen bald ehrenamtliche Helfer im Stadtgebiet patrouillieren – als „Bindeglied zur Polizei“, sagte Michael Graf, Leiter der Polizeiinspektion Oberschleißheim. Sollte der Stadtrat zustimmen, soll es im Ort eine Sicherheitswacht geben. Diese Bürger-Patrouillen gibt es in mehr als 130 bayerischen Gemeinden in Bayern; im Landkreis verfügen Haar, Ottobrunn, Taufkirchen und Unterhaching über eine Sicherheitswacht. Ihr beitreten können Freiwillige zwischen 18 und 62 Jahren, die erst eine 40-stündige Ausbildung durch die Polizei erhalten, ehe sie auf Streife gehen, um „schon durch ihre Präsenz die Sicherheitslage und das subjektive Sicherheitsgefühl der Bürger zu verbessern“, wie es von der Polizei heißt. Selbst eingreifen tut die Sicherheitswacht nur im Ausnahmefall; vielmehr soll sie bei verdächtigen Vorkommnissen mittels Funkgerät die Polizei informieren. Bürgermeister Dietmar Gruchmann (SPD) signalisierte seine Unterstützung für eine Sicherheitswacht. Nun sollten die Stadträte „einmal in sich gehen und überlegen, ob wir das im nächsten Monat positiv bewerten könnten“. Mit Blick auf den Antrag von Alexander Pessiridis, der neben einer Polizeistation auch einen privaten Sicherheitsdienst im Ort gefordert hatte, verwies der Rathauschef darauf, dass man einen solchen bereits engagiere. So habe die Kommune diesen beauftragt, im Winter 50 und im Sommer 100 Stunden pro Monat im Stadtgebiet unterwegs zu sein. Der Schwerpunkt liege bei warmem Wetter auf dem Garchinger See, sagte Gruchmann. Aber auch Biergarten, Maibaumplatz, das Gebiet ums Hochbrücker Jugendhaus und der Römerhofweg würden kontrolliert.

Der Kottmeier’sche Vorstoß zur Polizeistation wird mit großer Mehrheit der gut 200 Anwesenden abgelehnt. 

Anders zwei Anträge von Vesselinka Petrova-Koch und Wolfgang Ochs von der Agenda 21 sowie von Harald Kirchner, dem Ortsvorsitzenden der Bürger für Garching. Letzterer fordert die Stadt auf, eine Tempo-30-Zone in der Ortsdurchfahrt zwischen Spitzweck-Apotheke und Augustiner zu prüfen. Er verweist auf unübersichtliche Stellen in dem Bereich, etwa an der Kreuzung zum Auweg; zudem müssten viele Schulkinder infolge der jüngsten Sprengel-Änderung die Münchner Straße queren. „Ich bin da hundert Prozent bei Ihnen“, antwortet Gruchmann. Mit genau diesem Antrag habe sich die Stadt im Vorjahr ans Landratsamt gewandt – und eine negative Rückmeldung erhalten. „Ich prognostiziere, dass wir da erst handeln können, wenn die Staatsstraße irgendwann in eine Ortsstraße umgewandelt ist.“ 

Allein das kann Harald Kirchner nicht zufriedenstellen. Er fordert eine Abstimmung über seinen Antrag, der mit großer Mehrheit angenommen wird, sodass sich der Stadtrat binnen drei Monaten mit dem Thema beschäftigen muss. Gleiches gilt für den Vorstoß der Agenda 21, wonach die Stadt den Strom- und Wärmeverbrauch ihrer Liegenschaften seit 2012 ermitteln soll, um Einsparmöglichkeiten herauszulesen.

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