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Bevorzugte Variante: Der Radschnellweg soll von der Münchner Stadtgrenze in Neuherberg entlang der B 13 nach Unterschleißheim verlaufen sowie in Hochbrück nach Osten abzweigen. Grafik: Planungsverband

An der B13

Radlschnellweg nach München: Stadträte treten auf die Bremse

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Der Radschnellweg soll von München aus an der B13 entlang nach Garching und Unterschleißheim führen. In Garching aber regt sich Protest gegen die Planung der Trasse.

Garching – Joachim Herrmann und Christoph Göbel, beide mit Helm auf dem Kopf, darunter je ein zufriedenes Lächeln, und noch etwas tiefer zwei Fahrräder: Das Foto von Verkehrsminister und Landrat, Seite an Seite auf Velos, hat Ende Januar die Runde gemacht. Anlass war die Vorstellung der Machbarkeitsstudie zum ersten Radschnellweg in Oberbayern, der zwischen München und Unterschleißheim sowie Garching errichtet werden soll. Das Fazit des CSU-Duos: Diese Pilotstrecke kann gebaut werden.

Allein, einen nicht so kleinen Haken gibt es, wie sich nun zeigt: Die Stadt Garching, wohin die Rad-Autobahn ja führen soll, ist von der aktuell vorgesehenen Trasse alles andere als begeistert. Das bekam nun auch Birgit Kastrup vom Planungsverband Äußerer Wirtschaftsraum München zu hören, nachdem sie das Projekt im Stadtrat vorgestellt hatte.

Wie berichtet, soll der Radschnellweg von der Münchner Stadtgrenze in Neuherberg entlang der B 13 nach Unterschleißheim verlaufen sowie in Hochbrück nach Osten abzweigen. Von dort, so der Plan, geht es über die B 471 zum Business Campus und weiter zum Forschungsgelände. Entlang dieser Trasse sei ein „sehr hohes Nutzerpotenzial“ zu erwarten, so die Machbarkeitsstudie. Überdies sei es eine „schnelle, direkte Führung“, und auf 94 Prozent der Strecke ließen sich die Anforderungen eines Radschnellwegs umsetzen, sagte Birgit Kastrup. Die Kosten für den Radschnellweg werden auf knapp 34 Millionen Euro geschätzt. Die Umsetzung werde wohl in Abschnitten erfolgen, sagte Kastrup. Zuletzt habe sich der Verkehrsausschuss des Kreistags überzeugt von der Vorzugstrasse gezeigt und weitere Planungsschritte beschlossen.

Auf ungleich weniger Begeisterung traf die Planerin im Garchinger Stadtrat. „Zu meinem Bedauern ist das jetzt so weit gediehen mit einer Machbarkeitsstudie, die diesen Namen nicht verdient“, sagte Florian Baierl (UG). „Wir haben Sie zu lange schalten und walten lassen. Sie gehen über Garchinger Flur, aber die Frage ist, ob wir das so wollen.“ Konkret kritisierte er die Trasse entlang der B 471 durch Hochbrück, über die auch SPD-Fraktionschef Joachim Krause sagte: „Da sehen wir große Schwierigkeiten, um nicht zu sagen, das ist unmöglich.“

Ebenfalls skeptisch gab sich Josef Euringer (BfG), der daher bat: „Lassen Sie die Variante durch die Fröttmaninger Heide nicht ganz aus dem Auge.“ Ein zweiter Kritikpunkt betraf die Trassenführung vom Business Campus zum Forschungsgelände, die entlang des Schafweidewegs, vorbei an Schrebergärten und Garchinger See sowie über eine neue Autobahnbrücke zu den Instituten führen soll. „Garching ist schon sehr zerschnitten von Straßen und Verkehrswegen“, sagte Baierl. „Und da machen wir jetzt einen neuen Korridor auf.“

Ähnlich sieht das Albert Biersack (CSU), der monierte: „Wenn man auf die Umgehungsstraße geht, dann könnten wir das außen rum führen. Da hätten wir außerdem die Flächen, deshalb verstehe ich nicht, warum das nicht geht?“ Hierauf entgegnet Birgit Kastrup: „Der direkte Weg ist nun mal der kürzeste, das ist ähnlich wie bei der Autobahn.“ Und hinsichtlich der Probleme an der B 471 in Hochbrück verwies sie auf die Pläne des Bundes, die Straße umzubauen. „Ich sehe das als Herausforderung an die Verkehrsplaner, das entsprechend zu gestalten.“

Als „überhaupt kein Problem“, bezeichnete Hans-Peter Adolf (Grüne) einen Radschnellweg entlang der B 471. „Mit ein bisschen Kreativität kann man da eine Stelzenlösung machen“, schlug er vor. Generell sei solch eine Expressverbindung für Fahrräder „ein visionäres Konzept. Für Garching könne es ein „Alleinstellungsmerkmal“ sein. Er befand daher: „Mir fehlt die Begeisterung im Stadtrat.“ Die wollte sich bei vielen seiner Kollegen nicht einstellen. Trotzdem: Die Stadträte werden zustimmen müssen, wenn es an die Umsetzung der Pläne geht. Zumal der Landkreis das Projekt zügig vorantreiben will. Nach der Vorstellung der Machbarkeitsstudie soll es nun in die vertiefende bauliche Planung und in die Grundstücksverhandlungen entlang der Trasse gehen. Offen ist die Finanzierung und in welcher Größenordnung sich Land und Bund beteiligen.

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