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Lange beschäftigt war die Feuerwehr beim Brand  auf dem Gelände der Recycling-Firma.

Ärger mit der Stadt Garching

AR Recycling plagt ein Haufen (Müll-)Probleme

Garching - Bei AR Recycling hat es gebrannt – wieder einmal. Doch nicht nur deshalb bereitet die Hochbrücker Abfallfirma der Stadt Garching zurzeit Bauchschmerzen. Bürgermeister Dietmar Gruchmann nimmt sogar das Wort „Insolvenz“ in den Mund.

Der längste Einsatz in der Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Hochbrück ist beendet. Am späten Freitagabend zogen die Rettungskräfte von einem Ort ab, den sie nur allzu gut kennen. „So ein- bis zweimal pro Jahr werden wir zu AR Recycling gerufen“, sagt Kommandant David Ward. Diesmal war es dennoch ein außergewöhnlicher Einsatz: Erstmals rückte die Feuerwehr am Sonntag vor einer Woche aus, dann zwei weitere Male am Montag und erneut am Dienstag, ehe sie schließlich von Mittwoch bis Freitag durchgehend vor Ort war – unterstützt von der Freiwilligen Feuerwehr Garching. 

Der Grund: Auf dem Areal von AR Recycling im Nordwesten von Hochbrück waren in einem riesigen Abfallberg immer wieder Brände ausgebrochen (wir berichteten). Durch den immensen Druck des Mülls seien in dem kleingehäckselten Material immer wieder aufs Neue Glutnester entstanden, erklärt David Ward. „Das war ein riesiger Berg von rund 12 000 Kubikmetern.“ In der Folge musste die Feuerwehr den Müllhaufen peu à peu auseinandernehmen und mit Schaum löschen. 

Allein wegen des immensen Materialaufwands dürfte auf AR Recycling eine hohe Rechnung zukommen. Wobei das zurzeit nicht das einzige Problem der Firma ist. Wie berichtet, hat sich AR Recycling Ärger mit der Stadt eingehandelt, weil sie seit Oktober für die Annahme von Sperrmüll und Grünabfällen auch von Einheimischen Geld verlangt – ein Service, der bislang kostenlos war. 

Umweltreferent Christoph Marquart bezeichnete das Vorgehen der Firma als „klaren Vertragsbruch“ und berief sich auf ein „Gentlemen’s Agreement aus den Zeiten von Bürgermeister Helmut Karl“.

Inzwischen hat sich auch die Firma zu den Vorwürfen geäußert. In einer Stellungnahme heißt es: „AR war nicht bewusst, gegen eine Vertragsauflage verstoßen zu haben, da die im Gentlemen’s Agreement vereinbarte Gegenleistung von der Stadt Garching seit 2013 nicht mehr erbracht wurde.“ Man habe der Stadt inzwischen mitgeteilt, „dass wir gerne die Rolle des Wertstoffhofs übernehmen“. Allerdings verlange man für die Entsorgung des Sperrmülls ein Entgelt. 

Die Stadt gibt sich prinzipiell gesprächsbereit, was eine erneute Kooperation betrifft. „Aber wir wollen erst einen Nachweis, dass die weiteren Entsorgungswege gesichert sind“, betont Bürgermeister Dietmar Gruchmann (SPD). 

Denn was aktuell bei AR Recycling passiere, bereite ihm „ein schlechtes Gefühl“, sagt der Rathauschef mit Blick auf die wachsenden Müllberge auf dem Gelände. Mehrfach habe er das Landratsamt als zuständige Aufsichtsbehörde gebeten, die Firma zu überprüfen – „damit später niemand sagt, wir hätten nichts unternommen“. 

Das Landratsamts verweist auf die letzte Prüfung von AR Recycling Ende Oktober. Dabei wurde ein Maßnahmenkatalog erstellt, der nun von der Firma schrittweise umzusetzen sei, teilt eine Sprecherin mit. Hinsichtlich der Müllberge betont die Behörde, dass es keine Mengenbeschränkung gebe. „Im Rahmen der Abfallüberwachung sind weder bei den gefährlichen noch bei den nicht-gefährlichen Abfällen Ungereimtheiten aufgetreten.“ 

Dass zurzeit außergewöhnlich viel Müll bei AR Recycling lagert, bestreitet die Firma nicht. Ursächlich hierfür seien „fehlende regionale Verbrennungskapazitäten“, heißt es in der Stellungnahme. „Dieser Sachverhalt ist den zuständigen Ämtern und auch der Politik bekannt.“ Tatsächlich haben Recyclingfirmen in ganz Deutschland momentan Probleme, ihren Müll verbrennen zu lassen, weil kaum Kapazitäten frei sind – auch wegen steigender Importe aus dem Ausland. 

Bei AR Recycling kommt hinzu, dass die Firma offenbar vor einer Umstrukturierung steht. Hintergrund ist der Tod von Daniel Klotz, der das Unternehmen mit seinem Bruder Michael Klotz geführt hat und vor einem Jahr starb. AR Recycling will sich dazu nicht äußern. Bürgermeister Gruchmann sagt jedoch: „Bis zum Jahresende müssen dort die Weichen gestellt werden. Entweder man bekommt das wieder auf die Reihe oder es steht eine Insolvenz an – das sagt mir mein Bauch."

ps

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