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So soll das Forschungszentrum aussehen.

Richtfest auf dem Campus Garching

Neues Proteinforschungszentrum: Geballte Kraft im Kampf gegen Krebs

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Und wieder wird gefeiert: Der Campus Garching wächst. Nun feiert das Proteinforschungszentrum Richtfest. Das dürfte Alzheimer- und Krebspatienten Hoffnung geben.

Garching – Wie üblich bei Richtfest-Reden hat Ilse Aigner etwas gescherzt, viel gelobt und noch mehr gedankt. Nun will die bayerische Bauministerin auch noch der Kommune Garching Anerkennung zollen, auf deren Grund sie und die Gäste gerade stehen. Doch mitten im Satz kommt die CSU-Politikerin ins Stocken: „Seid ihr jetzt eigentlich Gemeinde oder Stadt?“, fragt die Ministerin ins Publikum, worauf der Zweite Bürgermeister Alfons Kraft erwidert: „Stadt! Sogar Universitätsstadt!“

Stadt oder Gemeinde?

Nun müsste Ilse Aigner dies eigentlich wissen – in ihrer Funktion als Bauministerin und zuvor als Chefin des Wirtschaftsressorts ist sie mehr als einmal auf den Garchinger Forschungscampus gekommen, um diversen Spatenstichen, Grundsteinlegungen und Eröffnungen beizuwohnen. Heute ist es ein Richtfest, und zwar für das neue Proteinforschungszentrum der Technischen Universität München (TUM). Dieses sei ein weiterer wichtiger Baustein auf dem Campus, den Aigner einen „Leuchtturm der Forschung“ nennt.

Rund 40 Millionen Euro kostet der Neubau, je zur Hälfte finanziert von Bund und Land. Ende 2019 soll das Proteinforschungszentrum fertig sein, das dann auch über eine farbenfrohe Fassade aus Metallpaneelen verfügen wird. Eine Idee der Rosenheimer Künstlerin Ina Rena Rosenthal, die sich damit bei einem Wettbewerb durchsetzte.

Biochemiker und Physiker forschen zusammen

In dem Gebäude mit 4200 Quadratmetern Nutzfläche, wovon allein 2900 Quadratmeter auf Labore entfallen, werden vor allem die Physiker und Biochemiker der TUM fakultätsübergreifend an den Funktionsweisen und Wirkprinzipien von Proteinen forschen. Ein Ziel sei es, verbesserte Diagnose- und Behandlungsmethoden in der Medizin zu entwickeln, sagt Thomas Rachel (CSU), Staatssekretär im Bundesbildungsministerium. Schließlich spiele das „komplexe Zusammenspiel der Proteine“ eine entscheidende Rolle, wenn man den Ursachen von Krankheiten wie Krebs oder Alzheimer auf die Spur kommen wolle.

Bayerns Bauministern Ilse Aigner und TUM-Präsident Wolfgang Herrmann beim Richtfest.

„Eine Universität ist nur dann eine richtige Universität, wenn sie immer auch eine Baustelle ist“, sagt TUM-Professor Wolfgang Herrmann. Dies gelte nicht nur im übertragenen Sinne, da die Wissenschaft ja stets eine Baustelle sei, sondern auch im Wortsinn. Tatsächlich ist die Zahl der Bauprojekte auf dem Campus gewaltig. So errichten sowohl die Max-Planck-Gesellschaft als auch die Fraunhofer-Gesellschaft derzeit neue Forschungsinstitute; dazu kommt die 200 Meter lange und 50 Meter breite Neue Mitte (Galileo) direkt am U-Bahnhof, die kurz vor der Eröffnung steht.

Neues Zentrum nur ein Baustein

Allen voran wird aber für die TUM gebaut, die am Standort Garching bereits rund 16 000 Studierende zählt. Neben dem Proteinforschungszentrum befinden unter anderem eine neue Mensa, ein Hörsaalgebäude sowie eine neue Physik-Fakultät in der Entstehung. Und natürlich das größte Projekt weit und breit, das im April den symbolischen ersten Spatenstich gefeiert hat: die neue Elektrotechnik-Fakultät im Südwesten des Campus‘, für die insgesamt 520 Millionen Euro veranschlagt sind.

„Hier ist die größte Baustelle im ganzen Landkreis“, sagt Alfons Kraft, der Bürgermeister Dietmar Gruchmann vertritt. Dabei könne er sich als gebürtiger Garchinger noch gut daran erinnern, wie es auf dem Forschungscampus vor 60 Jahren ausgesehen habe. „Da gab’s hier nur saure Wiesen – und sonst nichts.“

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