Auf dem Parkplatz von BMW in Hochbrücke stehen Autos
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Unheil von oben: Wenn es hagelt, zieht das die hier abgestellten Fahrzeuge von BMW in Mitleidenschaft. Daher, so argumentiert der Konzern, braucht es die Netze.

Im Gewerbegebiet Hochbrück

Rolle rückwärts beim Hagelschutz: Darum darf BMW nun doch Netze über Parkplatz spannen

  • Sabina Brosch
    vonSabina Brosch
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Nachdem die Garchinger Stadträte die Pläne zunächst abgelehnt haben, nun doch das Okay: BMW darf seinen Parkplatz in Hochbrück mit einem Netz überspannen. Das ist der Grund.

Garching – Der Autohersteller BMW darf nun doch Hagelschutznetze über sein Gelände im Hochbrücker Gewerbegebiet anbringen, um die Fahrzeuge vor Witterungseinflüssen „von oben“ zu schützen. Es bestehe keine Gefahr für Vögel, Amphibien oder Insekten. Mit dieser Entscheidung revidierte der städtische Bau-, Umwelt- und Planungsausschuss sein Nein vom April.

Den Sinneswandel trieben vor allem neue Erkenntnisse von der Unteren Naturschutzbehörde an, „deren Stellungnahme in Bezug auf den Vogelschutz erstaunlich tolerant ist“, sagte Bürgermeister Dietmar Gruchmann (SPD). Das hätte er anders erwartet. Die Behörde kam jedoch nach einer sogenannten Habitatanalyse und einer artenschutzrechtlichen Potenzialabschätzung zu dem Entschluss, dass es zwar in den Randbereichen der Flächen Artenreichtum gibt, allerdings nicht im Bereich der Stellplatzflächen. Insofern sei nicht davon auszugehen, dass der Hagelschutz Tiere beeinträchtige oder gar ein Risiko darstelle für geschützte Arten, wie Fledermäuse.

PV-Anlage über Parkplatz ist keine Option

Ganz ohne „Auflagen“ geht es jedoch nicht. Die Netze müssen straff gespannt sein, um ein „Verheddern“ zu verhindern, außerdem müssen sie einen 30-Zentimeter-Abstand zum Boden haben, damit für Wanderkröten und Zauneidechsen darunter durchkrabbeln können. Der Landesverband, der „allein aufgrund der Dimension einen erheblichen Eingriff in den Lebensraum von Vögeln und Fledermäusen erkennt“, forderte, einen Ausgang im oberen Bereich des Netzes anzulegen. Denkbar wäre, die seitlichen Netze bis zu 40 Zentimeter unter der Decke enden zu lassen. Den Vorschlag von Götz Braun (SPD), das 15 Hektar große Gelände statt mit Kunststoffnetzen zu überspannen mit einer Photovoltaikanlage zu überbauen, lehnte Architekt Gregor Magnus ab. Man habe darüber nachgedacht, „allerdings ist die Betriebswirtschaftlichkeit nicht gegeben“. Das Gelände sei nur angemietet, jeweils für fünf Jahre mit einer Option der Verlängerung. Bei PV-Anlagen „müssten wir für 20 Jahre planen können“. Als Planer habe er die Aufgabe, den „Hagelschutz mit der nächsten Hagelsaison sicherzustellen“. Es bliebe daher keine Zeit, die Planungen neu aufzurollen.

Für Alfons Kraft (BfG), der sich im April noch gegen die Netze ausgesprochen hatte, „ergeben sich nun neue Erkenntnisse, die uns so nicht vorlagen“. „Entzückend ist es nicht“, resümierte Ulrike Haerendel (SPD), „aber wenn es nicht anders geht, dann stimme ich zu.“ Mit drei Gegenstimmen der beiden Grünen-Räte sowie Michaela Theis (UG) wurde der Bau des Hagelschutznetzes bewilligt.

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