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Junger Seemann: Helmut Lückhof im Frühjahr 1965 mit 15 Jahren an Bord.

Abend mit Helmut Lückhof am Mittwoch

Seefahrer-Abenteuer eines Garchingers

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Helmut Lückhof wollte schon immer zur See. 18 Jahre fuhr er über die Weltmeere  und ging dann im Garchinger Bürgerhaus vor Anker.

Garching – Auf seiner ersten Fahrt habe er sich „wie der perfekte Seemann gefühlt“, erzählt Helmut Lückhof. Allerdings nur, solange das Schiff im Nord-Ostseekanal schipperte. Denn kaum steuerte es bei Brunsbüttel in die stürmische Nordsee, war es vorbei mit der Herrlichkeit. Oder wie Lückhof – damals 14-jähriger Schiffsjunge – es anhand der drei Feuerschiffe ausdrückt, die vor der Elbmündung lagen. „Bei Elbe 3 war mir schlecht, bei Elbe 2 war die Klobrille mein bester Freund, und bei Elbe 1 lag ich in meiner Koje und wollte sterben.“

Sonne heilt Seekrankheit

Die Seekrankheit hatte den Buben heimgesucht, und sie wurde fortan zu seinem Begleiter – ein Dreivierteljahr lang. Bis sein Schiff eines Tages im Atlantik in einen „Orkan vom Allerfeinsten“ geriet. Aber: „Die Sonne hat geschienen“, sagt Lückhof, macht eine Pause und grinst. „Von da an ist mir nie wieder schlecht geworden.“ Schließlich entstehe Seekrankheit nicht nur hier, erklärt der 67-Jährige und deutet auf sein Ohr, wo das Gleichgewichtsorgan ruht. „Sondern auch hier“, sagt er und tippt auf die Stirn.

In Garching gestrandet: Helmut Lückhof, heute 67 Jahre alt, war Hausmeister und dadurch das Gesicht des Bürgerhauses.  

Dort – in seinem Kopf – hatte sich bei Helmut Lückhof schon im Kindesalter der Gedanke festgesetzt, dass er, der im Westerwald und in Schweinfurt aufwuchs, zur See fahren will. Genau das tat er 18 Jahre lang: nach Afrika, Asien und Amerika, ehe er 1982 für immer von Bord ging.

Kurz darauf zog der Seemann nach Garching, wo er jahrzehntelang als Hausmeister das Gesicht des Bürgerhauses war. Und eben dort, nämlich in der Bücherei, gibt Lückhof am heutigen Mittwoch einen Einblick in das Leben auf See.

Selbiges habe ihn als Kind auch deshalb so gereizt, weil er von Deutschland, geschweige denn von der Welt, kaum etwas zu sehen bekam. „Mit den Pfadfindern war ich mal 30 Kilometer von daheim weg. Aber das war’s dann auch.“ Seine Eltern unterstützen die Seemannspläne, hatten sie doch selbst der Kriegsmarine angehört – die Mutter als Arzthelferin, der Vater als Funker. Im Alter von 14 Jahren kam der junge Helmut an die Seemannsschule nach Hamburg; kurz darauf begann seine Ausbildung an Bord. Und auch, wenn die ersten Monate für seinen Magen so erholsam waren wie eine Fahrt auf der A99 in der Rush Hour – an seinem Entschluss konnte auch das nicht rütteln.

Milliarden verschwinden von Bord

Wenn Lückhof heute von seinen Erlebnissen auf See berichtet, dann erzählt sein ganzer Körper mit, dann blitzen die Augen, dann hüpft sein grauer Schnurrbart beim Lachen auf und ab – und dann ist das unterhaltsamer als jeder Seemannsfilm. Denn nicht nur weiß der Garchinger, was eine gute Geschichte ausmacht, er würzt sie auch mit herrlichen Anekdoten. Etwa jener, als ihn südafrikanische Soldaten, die Gewehre gezückt, in seiner Kajüte aufsuchten, weil zwei Kisten an Bord verschwunden waren. Der Besatzung hatte man gesagt, darin seien Spirituosen; tatsächlich waren es aber frisch gedruckte Geldnoten. „Milliarden, nicht Millionen“. Oder das Erlebnis auf Höhe der Azoren auf einem Fruchtkühlschiff aus Südamerika, Lückhof hatte „den Bauch voller Bananen“. Plötzlich zog ein wüster Sturm auf, das Schiff sei derart hin- und hergeschaukelt, dass es quer auf dem Wasser lag. Erst ein herbeigefunkter Hochseeschlepper brachte die Rettung. „Da stand es spitz auf Knopf.“

Zwei Jahrzehnte auf hoher See

Fast zwei Jahrzehnte lang ist Lückhof zur See gefahren, hat die Welt gesehen und seinen „Horizont erweitert“. Doch dann, 1982, kam der Abschied vom Meer. Weil in Schweinfurt Frau und Kind warteten. Weil das Profitstreben der Reedereien die Bedingungen an Bord zunehmend verschlechterten. Und weil die Container Einzug erhielten auf den Schiffen. „Wir lagen früher bis zu einer Woche im Hafen und konnten uns das Land anschauen“, sagt Lückhof. Im Zeitalter „dieser Blechkisten“ wurde das undenkbar.

Also sagte Helmut Lückhof, der inzwischen sogar das Kapitänspatent besaß, den Ozeanen adieu. In Schweinfurt arbeitete er erst als Drucker und dann im Theater, seine Ehe ging in die Brüche, und so zog er 1986 nach Garching, wo man fürs Bürgerhaus einen Hausmeister suchte. „Das war ein Glücksfall für mich“, sagt Lückhof. „Hier habe ich eine Heimat gefunden.“ Auch wegen seiner Arbeit im Bürgerhaus, durch die er „ein wahnsinnig gutes Verhältnis zu wahnsinnig vielen Menschen“ aufgebaut habe.

Nach 30 Jahren ist er 2016 in den Ruhestand gegangen. Mit seiner Ehefrau reist Lückhof seitdem zu all jenen Orten, die ihn als Seemann so beeindruckt haben. Zudem schreibt er seine Erinnerungen nieder und tauscht sich mit anderen (Ex-)Seeleuten im Internet aus. Denn das Meer, es lässt Helmut Lückhof bis heute nicht los. „Das Salzwasser steckt noch immer in mir drin.“

Vortrag in der Bücherei

„Ein Garchinger Seemann erzählt“ heißt der Vortragsabend mit Helmut Lückhof am Mittwoch in der Stadtbücherei um 19.30 Uhr.  Kostenlose Tickets gibt es bei der Stadtbücherei, Telefon 089/32 08 92 11.

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