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Kleiner Satellit, große Hoffnung: Die TUM-Studenten um den studentischen Leiter David Meßmann (Mitte), seinen Vorgänger Nicolas Appel (l.) und Projektleiter Martin Langer wollen den Satelliten nächstes Jahr ins All schießen wollen. 

Studenten tüfteln in Garching an Mini-Satelliten

Countdown für Weltraum-Mission läuft

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Es ist ein kleiner Würfel: Er hält 70 Studenten in Garching auf Trab. Den Mini-Satelliten wollen sie ins Weltall schießen – und haben nur eine Chance.

Garching – Für David Meßmann soll „ein Kindheitstraum“ in Erfüllung gehen. Und Nicolas Appel will „irgendwann mal meinen Kindern davon erzählen“. Vom „Munich Orbital Verification Experiment“. Ein sperriger Name, der freilich – wie fast alles in der Raumfahrt – über ein Akronym verfügt: Move-II heißt der Aluminiumwürfel, an dem Meßmann, ein Maschinenbaustudent der Technischen Universität München (TUM), und Appel, ein wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Raumfahrttechnik, seit Jahren in Garching tüfteln. Neben den beiden gehören noch rund 70 Studenten dem Move-Team an, einer Sparte der Studentengruppe Warr.

In dem Alu-Würfel stecken mehrere Computerplatinen, an einer Seite sind vier Solarpaneele befestigt. Der Move-II ist ein sogenannter CubeSat, also ein Mini-Satellit, der Anfang nächsten Jahres mit einer Trägerrakete von der Luftwaffenbasis Vandenberg im US-Staat Kalifornien ins Weltall geschossen werden soll. Der Startplatz sei bereits gebucht, sagt Martin Langer, der das Projekt vonseiten des Lehrstuhls für Raumfahrttechnik betreut.

Mini-Satellit: Er soll 2018 ins All fliegen.

Bedeutet: Für das Team um den studentischen Leiter Meßmann und seinen Vorgänger Appel läuft ein Rennen gegen die Zeit. Denn eine zweite Chance werden sie bei Startkosten zwischen 65 000 und 100 000 Euro kaum bekommen. Geht alles glatt, wird der Satellit nächstes Jahr in 575 Kilometern Höhe und mit fast 28 000 km/h seine Runden drehen. Wenn nicht? Dann könne man eine „adäquate Ersatzmasse“ ins All schicken, sagt Langer. Also einen schnöden Metallwürfel.

Doch so weit wollen es die 70 Studenten verschiedener Fachrichtungen nicht kommen lassen. Sie arbeiten freiwillig an dem Projekt, gerade vor Abgabefristen sei die Belastung extrem, sagt Langer. „Da ist eigentlich rund um die Uhr jemand hier, auch am Wochenende.“ Wieso man so viel Freizeit opfert? „Mich hat die Raumfahrt schon immer fasziniert. Und die Möglichkeit, etwas zu bauen, was später wirklich im Weltall fliegt, das hat mich gereizt“, sagt Meßmann, der seit Ende 2012 dem Move-Team angehört.

Damals bastelten die Studenten noch am Move-I, der 2013 von Russland aus ins All startete. Anfangs lief alles glatt, bald schon konnten die Studenten ihren Satelliten orten und dessen Daten empfangen. Doch nach einem Monat – weit früher als vorher erhofft – sendete der Move-I plötzlich nur noch seinen Namen als Morsecode – und sonst leider gar nichts mehr. „Wir können den Fehler nicht hundertprozentig bestimmen“, sagt Martin Langer, „aber offenbar startet der Computer immer wieder neu“.

Damit selbiges beim Nachfolger nicht passiert, sind die Studenten schon seit Jahresbeginn vornehmlich mit Tests beschäftigt. Hierfür stehen ihnen am Lehrstuhl nicht nur Werkstätten und ein Reinraum, sondern auch eine Thermal-Vakuumkammer zur Verfügung, wo man Versuche unter Weltraumbedingungen durchführen kann. „Für die Studenten ist das Projekt besonders interessant, weil sie praktische Erfahrungen sammeln können, wohingegen es sonst in der Raumfahrt meistens theoretische zugeht“, sagt Langer. Zudem sei es eine „riesige Motivation“, dass die Entwicklung des Move-II von der Idee bis zum fertigen Satelliten allein in den Händen von Studenten liege.

Und so wird rund die Hälfte des Teams nächstes Jahr in die USA fliegen, um dort den Raketenstart zu verfolgen. Danach werden sie am Lehrstuhl in Garching ihre Antennen ausrichten und sich auf die Suche nach dem Satelliten machen. „Am Anfang lässt sich noch nicht genau sagen, wo er sich befindet“, erklärt Langer. Sollte die Suche erfolglos bleiben, müsste man eine Woche warten, ehe das US-Militär eine E-Mail mit dem exakten Standort des Satelliten verschickt. Beim Move-I war das nicht vonnöten: Ein Amateurfunker aus Dänemark hatte den Würfel zuvor entdeckt und die Studenten informiert.

Seitdem fliegt der inzwischen verstummte Satellit im Weltall; für eine Runde um die Erde benötigt er etwa 95 Minuten. Und bald schon soll der Würfel Gesellschaft von seinem Nachfolger bekommen. Verläuft alles nach Plan, wird der Move-II etwa bis zum Jahr 2030 im Weltall kreisen. Dann habe sich seine Geschwindigkeit so weit verlangsamt, dass er zunehmend an Höhe verlieren wird, sagt Martin Langer. Und „dann wird er vollständig verglühen“.

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