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Eine Zwangsschlachtung ihrer Herde, wie nach dem Urteil möglich, will Christine Scherr verhindern, indem sie in Berufung geht. Das Foto zeigt die 66-jährige Züchterin mit ihrer Tochter Marie-Sophie Scherr (24) auf ihrem Weg in den Gerichtssaal im Verwaltungsgericht.

Verwaltungsgericht

Todesurteil für Rinderherde in Garching

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Garching - Im Streit um ihre Zeburinder in Garching-Hochbrück hat die Tierhalterin Christine Scherr vor dem Münchner Verwaltungsgericht eine Niederlage kassiert. Damit steht eine Zwangsschlachtung im Raum – wenn nicht die Berufung fruchtet.

Christine Scherrs Rechtsanwalt Sewarion Kirkitadse hat am Donnerstag mitgeteilt, dass die Klage seiner Mandantin gegen die vom Landratsamt München verfügte Auflösung der Herde abgewiesen worden sei. Zugleich kündigte der aus diversen Fernsehshows bekannte Jurist an, dass seine Mandantin in Berufung gehen werde.

Züchterin geht in Berufung

Wie berichtet wirft das Veterinäramt am Landratsamt München der 66-Jährigen vor, die 115 Rinder und 20 Kälber auf dem Gelände im Südwesten von Hochbrück unter tierschutzwidrigen Bedingungen zu halten. Vor Gericht war unter anderem von unterernährten Tieren, Todesfällen im Winter und unzureichenden Unterständen die Rede. Schon seit zehn Jahren gebe es Probleme mit der Halterin und ihrer Herde, sagte eine Vertreterin des Veterinäramts. In dieser Zeit hätten Christine Scherr und ihre Tochter Marie-Sophie Scherr „das Verständnis für eine artgerechte Tierhaltung immer wieder vermissen lassen“. 

Landratsamt lehnt Kompromiss ab

Derweil warf die Klägerin dem Veterinäramt vor, dass es ihr zu Unrecht eine Bescheinigung verweigere, die sie benötige, um Tiere zu verkaufen und die Herde zu verkleinern. Über den Weg einer Bestandsreduzierung wollte der Vorsitzende Richter Dietmar Wolff beide Seiten zu einem Kompromiss bewegen. Doch während Scherrs Anwalt Kirkitadse sich dafür offen zeigte und einen Vorschlag unterbreitete, lehnten die Vertreter des Landratsamts eine Einigung kategorisch ab. Das Urteil gibt ihnen nun Recht. 

Sofortvollzug aufgehoben

Allerdings werde es jetzt nicht sofort zu einer Zwangsschlachtung der Rinder kommen, betont Kirkitadse. Er verweist auf die Entscheidung des Verwaltungsgerichtshofs von vor zwei Monaten, wonach der vom Landratsamt angestrebte Sofortvollzug aufgehoben worden sei. Sobald er das Urteil des Verwaltungsgerichts in den Händen habe, werde seine Mandantin in Berufung gehen. Mit einem neuen Termin vor dem Verwaltungsgerichtshof rechnet Sewarion Kirkitadse dann erst im Winter 2016. „Bis dahin wird meine Mandantin ihre Herde reduzieren“, kündigt der Anwalt an.

Vonseiten des Verwaltungsgerichts gab es gestern keine offizielle Stellungnahme zu dem Fall. Der Grund: Das Gericht wollte seine Entscheidung erst bekanntgeben, nachdem beide Seiten das Urteil telefonisch erfragt haben. Während Christine Scherrs Anwalt dies getan hat, verzichtete das Landratsamt auf einen Anruf bei Gericht. Eine Behördensprecherin teilte mit, dass man erst das schriftliche Urteil abwarten wolle, ehe man sich dazu äußere.

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