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Endstation alte B11: Weiter kann der Campus Garching derzeit nicht wachsen.

Wegen Forschungscampus

Umfahrung Dietersheim: So profitiert Garching 

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Eching und Garching wollen die Ortsumfahrung  Dietersheim gemeinsam planen. Das millionenschwere Projekt hätte einen großen Profiteur: den Forschungscampus.

Garching – Formvollendeter ist der Stadtrat wahrscheinlich noch nie begrüßt worden. „Liebe Vertreter des Stadtparlaments unserer Universitätsstadt. Danke, dass Sie mich anhören“, flötet der Gast, der soeben neben Bürgermeister Dietmar Gruchmann (SPD) Platz genommen hat. Es ist Wolfgang Herrmann, Präsident der Technischen Universität München (TUM), der heute gekommen ist, weil es um eine „Weichenstellung ohnegleichen“ für den Forschungscampus in Garching geht, den größten Standort seiner Hochschule.

Eine Umfahrung, zwei Vorteile

Gemeint sind die Pläne der Gemeinde Eching für eine Ortsumgehung von Dietersheim, für die der Nachbar die Stadt Garching ins Boot holen will. Denn die bevorzugte Lösung der Echinger sieht vor, die Staatsstraße nördlich von Dietersheim nach Westen abzweigen zu lassen und sie dann im Bogen um den Teilort herumzuführen, ehe sie auf Garchinger Flur parallel zur früheren B11 verläuft, jetzt Staatsstraße 2053, und schließlich an der Anschlussstelle Garching-Nord an die A9 andockt. Der Universitätsstadt käme diese Variante gelegen, weil so zum einen ihre Ortsdurchfahrt im Hinblick auf den Nord-Süd-Verkehr entlastet würde. Zum anderen ließe sich in der Folge womöglich die Staatsstraße ab der Ludwig-Prandtl-Straße zur Ortsstraße abstufen, was es der Kommune erleichtern würde, dort ein Tempolimit und ein Lkw-Verbot zu erlassen.

TUM-Präsident: „Ein Geschenk“

Größter Profiteur neben Dietersheim wäre aber der Forschungscampus, dessen Areal „jetzt so gut wie zu ist“, sagt Wolfgang Herrmann. Durch eine Verlegung der Staatsstraße würde das Gelände beträchtlich nach Westen wachsen, von 150 000 Quadratmetern spricht der Präsident. „Hier könnten wir uns über einen langen Zeitraum erweitern“, schwärmt Herrmann. „Diese Idee, wenn sie realisiert wird, ist ein Geschenk für eine harmonische Erweiterung unseres Campus’.“ 

Und so kündigt der Präsident an, dass er beim Freistaat darauf drängen werde, dass dieser einen Großteil der Kosten übernimmt, um die Kommunen zu entlasten. Schließlich stehen happige Summen im Raum: Nach einer Grobschätzung eines Ingenieurbüros liegen die Kosten für eine derartige Umgehung bei rund 20 Millionen Euro – Grunderwerb, eine Ertüchtigung der Autobahnauffahrt, Lärmschutz- und Ausgleichsmaßnahmen außen vor.

Garching kann‘s nicht zahlen

Summa summarum rechnet die Stadtverwaltung nach derzeitigem Wissensstand mit einem Anteil von neun Millionen Euro für Garching, plus Kosten für den Grunderwerb. Dass die Stadt eine solche Summe kaum schultern könnte, darin sind sich sämtliche Fraktionen einig. Und so fordern sie im Stadtrat unisono, dass der Freistaat in die Bresche springt – wiewohl sie alle betonen, der Lösung positiv gegenüberzustehen. „Ich sehe da Vorteile für die Stadt Garching“, sagt etwa Florian Baierl (UG), ehe er mit Blick auf Dietersheim und den Campus anfügt: „Aber wir sind dritter Sieger.“ Daher fordere er den Bürgermeister auf: „Kommen Sie von den Verhandlungen mit einem für uns sehr leeren Rucksack zurück.“

Letztlich votiert der Stadtrat einstimmig dafür, dass die Kommune in die Verhandlungen über die Finanzierung einer Ortsumgehung einsteigt. Dabei sei zu klären, inwiefern die Garchinger Ortsdurchfahrt abgestuft werden könne. Darüber hinaus müsse sicher gestellt sein, so der Stadtratsbeschluss, dass infolge der Umfahrung eine Verlängerung der U6 nach Eching oder Neufahrn ebenso wenig verbaut werde wie die geplanten Windräder auf dem Areal.

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