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Gut aufgehoben: Katharina Fierlinger (Mitte), die Mutter der 15 Monate alten Anna, holt sich Rat in der Babysprechstunde in Garching von Yvonne Grießhammer (links) und Corinna Weyer. 

Jetzt auch in GArching: Kostenlose Baby-Sprechstunde 

Unterstützung für junge Eltern

In mittlerweile fünf Gemeinden bietet der Landkreis eine kostenlose Baby-Sprechstunde an. Der Bedarf ist auch deshalb so groß, weil viele Eltern in der reichen Zuzugsregion arm sind an Familie und Freunden.

Von Patrik Stäbler

Landkreis – Mit beiden Armen umklammert Anna den Hals der Mutter; etwas ängstlich beäugt das 15 Monate alte Mädchen die fremde Frau, die ihr gegenübersteht, und die ungewohnte Umgebung in der Vinzenz-Kinderkrippe in Garching. Dass Kleinkinder in so einer Situation die Nähe ihrer Eltern suchen, ist völlig normal. Und doch ist die kleine Anna auch sonst mitunter allzu sehr auf die Mama fixiert – findet zumindest ihre Mutter Katharina Fierlinger.

Auch aus diesem Grund ist die Garchingerin heute in die Kinderkrippe gekommen, wo die Fachstelle „Guter Anfang im Kinderleben“, kurz „Anderl“, seit Ende vergangenen Jahres eine monatliche Baby-Sprechstunde anbietet. „Ich habe davon in der Zeitung gelesen“, erzählt die Mutter aus Garching, „und mir gedacht: Da schaust du jetzt mal hin, denn hier kann man ja ohne Anmeldung vorbeikommen.“

Genau das meint Yvonne Grießhammer, wenn die „Anderl“-Leiterin vom „sehr niederschwelligen Angebot“ spricht. Ihre Fachstelle richte die Baby-Sprechstunde bewusst an Orten aus, an denen ohnehin viele Eltern verkehren – in Krippen, Familienzentren oder bei der Nachbarschaftshilfe. Ein weiteres Lockmittel, wenn man so will, ist das Angebot, das Kind in der Sprechstunde wiegen und messen zu lassen. „Das ist für viele Eltern interessant, und so kommt man ins Gespräch“, sagt Yvonne Grießhammer. „Die Kunst ist es dann, genau hinzuhören, um zu erfahren, ob es Probleme gibt und wie man eventuell helfen kann.“

Vor acht Jahren hat Yvonne Grießhammer die Fachstelle „Anderl“ am Landratsamt aufgebaut. 2010 gab es inOttobrunn und später in Taufkirchen die ersten Baby-Sprechstunden; zuletzt wurde das Angebot auf Garching ausgeweitet. Weil man noch einen Standort im Nordosten gesucht habe, erklärt Yvonne Grießhammer, „und weil wir festgestellt haben, dass in Garching ein erhöhter Bedarf besteht“. Schließlich ziehen jedes Jahr zahllose Neubürger in die Stadt – so wie vielerorts im Landkreis. Oft sind es Familien, die weder Großeltern noch Bekannte in der Region haben. „Wenn dann auch noch der Mann den ganzen Tag arbeitet, drohen Mütter manchmal zu vereinsamen“, weiß Grießhammer.

Dazu käme der Perfektionismus, den heutzutage immer mehr Eltern in Sachen Erziehung an den Tag legten – befeuert durch die Gesellschaft und die Medien, die oft eine allzu heile Familienwelt vorgaukelten. Wenn das eigene Kind dann nicht schlafen oder nicht essen will oder stundenlang schreit, ist die Verunsicherung groß, und gerade Mütter machen sich oft Vorwürfe.

„Für uns geht es vor allem darum, die Eltern zu stärken“, sagt Corinna Weyer, die ebenfalls zum „Anderl“-Team gehört und die Sprechstunde in Garching leitet. Wobei ihre Kollegin Yvonne Grießhammer – sie beide sind gelernte Kinderkrankenschwestern – betont: „Wenn Eltern zu uns kommen, heißt das nicht, dass sie schlechte Eltern sind – im Gegenteil: Sie kommen ja hierher, weil sie sich um ihre Kinder kümmern.“

Insgesamt 84 Beratungsgespräche hat die Fachstelle voriges Jahr in den Baby-Sprechstunden geführt – zuvorderst ging es dabei um die Klassiker: Schlafen, Essen, Schreien. „In den seltensten Fällen sind dabei die Kinder die Ursache“, sagt Yvonne Grießhammer. Meist gehe es eher darum, die Eltern zu schulen und ihnen „Hilfe zur Selbsthilfe“ an die Hand zu geben, wie die Leiterin es nennt.

Katharina Fierlinger jedenfalls ist von dem Angebot angetan: „Ich finde es super, dass es so was gibt“, lobt die Mutter der kleinen Anna aus Garching. „Und ich persönlich habe ein paar gute Tipps bekommen, die mir vielleicht helfen können.“

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