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Kaputt und heruntergelassen: Eins der Rolltore am U-Bahnaufgang in Garching funktioniert nicht mehr. 

„Verheerender Gestank von unten“

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Aus dem U-Bahnschacht stinkt es hinauf auf den Helmut-Karl-Platz in Garching. Das wiederum stinkt den Grünen. Sie wollen jetzt Unterschriften sammeln - von allen, denen der Geruch ebenfalls auf die Nase geht.

Garching – Die Grünen wollen erneut auf Unterschriftenjagd gehen. Gut ein Jahr nach ihrem angestrebten Bürgerbegehren unter dem Motto „Rettet den Helmut-Karl-Platz“, das mehr als 1800 Garchinger unterzeichnet haben (siehe Kasten), nimmt sich die Partei nun ein Thema vor, das viele Bewohner des Bürgerplatzes und den Stadtrat seit gut einem Jahrzehnt beschäftigt: die Geruchsbelästigung durch die U-Bahn.

„Da kommt immer noch ein verheerender Gestank von unten“, findet Grünen-Stadträtin Ingrid Wundrak. „Und viele Menschen, die am Bürgerplatz wohnen, leiden darunter.“ Den Grünen sei diese Problematik unlängst wieder vor Augen, oder besser gesagt vor Nasen geführt worden, als sie sich zu einem Pressegespräch in der Eisdiele am Helmut-Karl-Platz getroffen hatten. Die Teilnehmer seien „von einem grausligen Gestank überrascht“ worden, heißt es in einer Mitteilung der Partei. „Jede U-Bahn schob einen stinkenden Luftschwall auf den Platz und dann in Richtung Eisdiele.“ Der Grund: Da seit einiger Zeit eines der Rolltore am U-Bahn-Aufgang defekt und dauerhaft geschlossen ist, zieht der Geruch aktuell nur in Richtung Helmut-Karl-Platz.

Um nun zu ermitteln, „wie groß die Zahl der Leute ist, die durch den muffigen, ekelerregenden Gestank im Zehn-Minuten-Takt belästigt werden“, plane man eine Unterschriftenaktion, kündigen die Grünen an. Zudem werde man in der nächsten Stadtratssitzung einen Antrag einreichen. Dabei hat sich das Gremium erst im vergangenen November mit dem U-Bahn-Geruch beschäftigt. Damals beschloss der Stadtrat – gegen die Stimmen der Grünen – endgültig einen Haken hinter das Thema zu setzen und nach Jahren des Hin und Her keine Klage gegen die Stadt München, den Gleisbauer oder den Schwellenlieferanten anzustrengen.

Zur Erinnerung: Nach der Eröffnung des Bahnhofs Garching 2006 häuften sich Beschwerden von Anwohnern, die über den Geruch durch den U-Bahn-Betrieb klagten. Bald stieß man auf die Ursache: Verantwortlich für den Geruch sind Dämpfe aus den Imprägnierölen der Holzschwellen, die durch einfahrende Züge zur Oberfläche geblasen werden. In der Folge wurde von Mai 2010 bis Dezember 2011 eine Geruchsneutralisationsanlage betrieben. Diese ließ der Stadtrat dann aber wieder abbauen, nachdem ein Gutachten des Instituts für Epidemiologie am Helmholtz-Zentrum gezeigt hatte, dass keine Gesundheitsgefährdung vorliegt. Dessen ungeachtet sprechen die Grünen nun in ihrer Mitteilung von „giftigen Ausdünstungen der Schienenschwellen“. Und Ingrid Wundrak ergänzt: „Dass es heißt, das sei nicht gefährlich, das kennt man ja. Aber ich habe kein Vertrauen mehr zu diesen Aussagen.“

Derweil hatte sich Bürgermeister Dietmar Gruchmann (SPD) in der November-Sitzung dafür ausgesprochen, keine weiteren Schritte zu unternehmen. Eine Klage habe ohnehin keinen Sinn, so der Rathauschef, „weil die Firma, die das eingebaut hat, nicht mehr existiert“. Und auf den Vorwurf von Grünen-Fraktionschef Hans-Peter Adolf, die Stadt lasse die Bürger hängen, entgegnete Götz Braun (SPD): „Wir haben uns in vielen Sitzungen mit dem Thema beschäftigt – das würde ich nicht hängen lassen nennen. Es gibt einfach Probleme, die man nicht mit einem Fingerschnippen aus der Welt schaffen kann.“ Gruchmann ergänzte: „Wir sind der Meinung, dass sich das Problem da beruhigt hat.“

Das sehen die Grünen anders: „Die Geschäftsleute verlieren Kunden, die Bewohner leiden, und nichts passiert“, kritisieren sie und bringen als „günstige Lösung“ eine Glasverkleidung des Ausgangs mit Schwenk- oder Schiebetüren ins Spiel, wie es an den U-Bahnhöfen St.-Quirin-Platz und Machtlfinger Straße gebe.

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