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Nachfolge geregelt: Peter Riedl übergibt sein Mandat an Michaela Theis.

Wechsel im Garchinger Stadtrat

Peter Riedl: Ein lauter Mahner tritt ab

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Garching - Laut, direkt, ehrlich: Das ist Peter Riedl. Der Garchinger Stadtrat hört auf. Er hat seine Gründe.

Auch bei seiner letzten Stadtratssitzung meldet sich Peter Riedl in der für ihn typischen Art und Weise zu Wort: mit zwei „Basta!“, einem „Punkt!“ und natürlich seinem Favoriten: „Oans mog i hier scho amoi kloarstelln.“ 

Und Peter Riedl (66) wäre nicht Peter Riedl, wenn er zum Abschied nicht noch eine Belehrung auf Lager hätte: „Genau genommen hätte der Stadtrat heute über mein Ausscheiden befinden müssen“, lässt er Bürgermeister Dietmar Gruchmann (SPD) am Ende der Sitzung wissen. „Das hätte heute – bei allem Respekt vor Ihrer Sitzungsführung – geschehen sollen.“ 

Wie so oft hat Peter Riedl damit Recht – und doch ändert dieser Fauxpas nichts an seinem Rückzug, wie er selbst sogleich klarstellt: „Ich komme nicht mehr. Ich hab’s Ihnen frühzeitig angekündigt.“ 

Zum 31. Oktober scheidet er vorzeitig aus dem Stadtrat aus; sein Mandat für die Unabhängigen Garchinger (UG) übernimmt Michaela Theis. „Heute geht eine Ära zu Ende“, kommentiert der Bürgermeister. Denn Peter Riedl hat die Politik im Ort fast vier Jahrzehnte lang geprägt. 

1978 zog der gebürtige Garchinger für die SPD in den Gemeinderat ein und blieb dort zwölf Jahre, wobei er mehr als einmal gegen die Mehrheitsmeinung seiner Partei stimmte. Im Jahr 1990 sollte eigentlich Schluss sein, doch bald merkte Riedl: „Du veränderst nichts, wenn du nicht im Stadtrat sitzt.“ 

Und so gründete er 1994 eine eigene Partei, die Unabhängigen Garchinger, und führte sie zwei Jahre später bei der Wahl mit vier Sitzen in den Stadtrat. Dass die SPD dabei „durch mich“, so Riedl, ihre absolute Mehrheit verlor, bezeichnet er heute als „meinen größter politischen Erfolg“. Von 2008 bis 2014 war er zudem Zweiter Bürgermeister an der Seite von Hannelore Gabor. 

Die CSU-Frau unterstützten Riedl und seine UG auch bei der jüngsten Wahl, die für ihre Koalition jedoch enttäuschend ausging. Schon im Vorfeld sei ihm damals klar gewesen, dass er sich mittelfristig aus dem Stadtrat zurückziehen werde. Warum er dennoch kandidierte? „Weil’s vielleicht ein paar Stimmen gebracht hat“, sagt Riedl. „Wenn du als Zweiter Bürgermeister nicht kandidierst, ist das ein Eingeständnis, dass du eine Flasche bist.“ Nun jedoch ist Schluss: Nur wenige Monate, nachdem der 66-jährige ehemalige Rektor einer Ingolstädter Realschule in den Ruhestand gegangen ist, gibt er jetzt sein Stadtratsmandat ab.

„Ich war das ganze Leben lang fremdbestimmt durch Arbeit und Politik“, erklärt Riedl. „Das wollte ich nicht mehr.“ Angst, dass ihm die Beschäftigung ausgeht, hat der Träger der Garchinger Verdienstmedaille in Gold nicht. „Ich habe so viel zu tun“, sagt er und verweist auf seine Hobbys: Fußball, Tennis und Kochen. Überdies wird Riedl der Garchinger Politik erhalten bleiben – als Vorstandsmitglied der UG. Aber er findet: „Mich sollen sie nicht irgendwann mal aus dem Stadtrat raustragen müssen."

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