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Astrophysiker Thomas Boller hat sich die Planetenkonstellationen von vor Tausenden von Jahren genau angeschaut und ist zu dem Schluss gekommen, dass Jesus Christi im März geboren wurde. 

Garchinger Astrophysiker mit erstaunlicher Theorie

Jesus ist im März geboren

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An Weihnachten feiern wir die Geburt Jesus Christi – obgleich er weder am 25. Dezember zur Welt kam noch vor 2017 Jahren. Sondern 7 vor Christus, am 15. März. Das sagt zumindest der Astrophysiker Thomas Boller und beruft sich dabei auf die Sterne.

Garching – Als Astrophysiker hat sich Thomas Boller Zeit seines Berufslebens mit Sternen beschäftigt, doch ausgerechnet der wohl populärste Stern überhaupt blieb dabei außen vor – bis zum Jahr 2004. Damals war der Professor vom Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik (MPE) in Garching gerade dem Rotary-Club München-Flughafen beigetreten, wo man ihn zur Weihnachtszeit fragte, ob er als Experte nicht einen Vortrag über den Stern von Bethlehem halten könne.

Die Bibel aus astronomischer Sicht

Nun ist Thomas Boller, der aus Ostdeutschland stammt, 1990 ans MPE kam und in Hallbergmoos lebt, laut eigener Aussage zwar nicht sonderlich religiös. Aber die Frage nach dem Wahrheitsgehalt der Geschichte über den Stern, der die Weisen aus dem Morgenland zur Jesus-Krippe geführt haben soll, er kitzelte seinen Forschungsdrang – und so näherte sich Boller der Bibel aus astronomischer Sicht. „Ich habe mir den Himmel angeschaut, und ich habe mir die Evangelien angeschaut“, sagt der 59-Jährige. Genauer gesagt: das Matthäus-Evangelium, das als einziges vom Weihnachtsstern berichtet.

Dort stehe geschrieben, dass Jesus zur Zeit des Königs Herodes geboren wurde, der von 41 bis 4 vor Christus lebte. Zudem sei die Volkszählung, die zum Aufbruch von Maria und Josef führte, um das Jahr 9 vor Christus angeordnet worden, so Boller. „Jesus muss also zwischen 9 und 4 vor Christus geboren worden sein – wenn Matthäus Recht hat.“ Dies ist keine neue Erkenntnis; die meisten Historiker gehen davon aus, dass Jesus einige Jahre vor der Stunde Null zur Welt kam – meist ist von 7 vor Christus die Rede.

Der Weihnachtsstern - eine Planetenkonstellation

Was Boller nun aber macht, ist neu: Er beobachtet den Sternenhimmel von 9 bis 4 vor Christus, und zwar von Jerusalem aus gesehen. „Ich habe mir eine CD gekauft, so was kostet 70 Euro“, erzählt Boller. „Mit der kann man den Himmel von jedem beliebigen Ort aus beobachten – in den letzten Tausenden von Jahren.“

Dazu muss man wissen: Zum Stern von Bethlehem hat es etliche Theorien gegeben, unter anderem, dass er ein Komet oder eine Supernova gewesen sein soll. „Aber das ist beides sehr unwahrscheinlich“, sagt Boller. Er vermutet, dass hinter dem Weihnachtsstern eine seltene Planetenkonstellation steckt – und zwar eine Konjunktion von Jupiter und Saturn. Dabei kommen sich diese zwei Planeten am Firmament so nahe, dass sie sich zu berühren scheinen, weshalb sie von der Erde aus gesehen wie ein einziger Stern leuchten – der Weihnachtsstern, so Bollers Hypothese.

An dieser Stelle hält er inne und blickt sein Gegenüber fragend an – um sicher zu gehen, dass dieser mitkommt. Dann legt in verständlichen Worten seine Erkenntnisse dar, die für Laien nicht ganz so leicht nachzuvollziehen sind. Doch hier kommt dem Physiker zupass, dass er ein geübter Redner ist: Nicht nur lehrt Boller seit Jahren an der Universität in Frankfurt, sondern er hält auch regelmäßig Vorträge, etwa bei Kongressen oder für Firmen – meist über sein Spezialthema, nämlich den Anfang und das Ende unseres Universums.

Bei seinen Recherchen zum Stern von Bethlehem, fährt er fort, habe er entdeckt, dass eine solche Konjunktion von Jupiter und Saturn, die nur etwa alle zweihundert Jahre vorkommt, im Jahr 7 vor Christus zu sehen war. Mehr noch: Jupiter habe seinerzeit bei den Himmelskundigen als Königsplanet und Saturn im Sternbild der Fische als Planet Israels gegolten. Diese astronomische Ausnahmesituation, glaubt Boller, habe die „Sterndeuter“ aus dem Morgenland, wie die Heiligen Drei Könige bei Matthäus heißen, veranlasst, der Sache auf den Grund zu gehen. Zumal das Alte Testament ja prophezeit hatte, dass die Ankunft des Messias durch einen leuchtenden Stern angekündigt wird.

Geburtstermin: 15. März, 5 Uhr

Am 15. März des Jahres 7 vor Christus zwischen 4.30 und 5 Uhr – das hat Boller am Computer beobachtet – gehen Jupiter und Saturn erstmals als Planetenpaar am Horizont auf. Das sei die Stunde von Jesus’ Geburt, glaubt er. Demnach hätten sich die Sterndeuter nach einer weiteren Konjunktion am 15. September auf den Weg über Damaskus nach Jerusalem gemacht. „Dafür brauchte man damals sechs bis acht Wochen“, sagt Boller. Dort angekommen fragen sie – laut Matthäus – den König Herodes: „Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um ihm zu huldigen.“

Weiter heißt es dort: „Und der Stern, den sie hatten aufgehen sehen, zog vor ihnen her bis zu dem Ort, wo das Kind war; dort blieb er stehen.“ Was einen zur nächsten Konjunktion am 13. November bringt. An diesem Datum habe der mutmaßliche Stern, also die sich begegnenden Planeten, für den Betrachter sogar still gestanden, sagt Boller, „und zwar, wenn man von Jerusalem in Richtung Bethlehem blickt“. Und so habe der Stern die Weisen aus dem Morgenland zur Krippe geführt, wo sie laut Evangelium ein acht Monate altes Kind antrafen – was wiederum zur Geburt am 15. März passen würde.

„Ich sage nicht, dass alles so gewesen ist, ich nenne nur die Daten“, schickt Thomas Boller seinen Erläuterungen hinterher. „Und wenn ich mir den Himmel anschaue, dann passt das so gut mit Matthäus zusammen, dass die Wahrscheinlichkeit sehr klein ist, dass es sich nur um Zufall handelt.“

Weihnachten muss nicht verlegt werden

Müsste man also Weihnachten und den Dreikönigstag verlegen? Doch da winkt Boller ab. „Nein, der 25. Dezember ist unser Weihnachtsfest. Das ist gut so, und so soll es auch bleiben.“ Und ja, sagt er dann noch, lächelnd, natürlich werde auch er an den anstehenden Festtagen feiern – ganz klassisch mit Familie und Geschenken.

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