Die stattliche Platane am Erdinger Platz hat mit ihren Wurzeln den Asphalt aufplatzen lassen
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Die stattliche Platane am Erdinger Platz hat mit ihren Wurzeln den Asphalt aufplatzen lassen.

Experten erörtern Alternative bei Ortstermin

Stadt will 38 Bäume fällen - Großer Widerstand

  • Sabina Brosch
    vonSabina Brosch
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Weil sie den Verkehr gefährden, will die Stadt Garching 38 Bäume fällen lassen. Doch dagegen regt sich Widerstand. Bei einem Ortstermin gehen beide Seiten auf Lösungssuche.

Garching – Bäume sind Lebensraum, sie regulieren die klimatische Umgebung, spenden Schatten und schaffen Lebensqualität. Sie verursachen aber auch Schäden: Ihre Wurzeln wölben den Asphalt oder brechen ihn auf. Darum will die Stadt Garching 38 Bäume fällen lassen. Gegen dieses Vorhaben regt sich Widerstand in der Bevölkerung und bei den Parteien. So vehement, dass Bürgermeister Dietmar Gruchmann (SPD) nun Stellung bezieht.

Die von den Bäumen verursachten Schäden, die Anlass der Fällungen sind, gehen nach Angaben der Stadt darauf zurück, dass bei der Planung der Standorte und auch der Auswahl der Baumarten oft nicht der Platzbedarf der Gewächse und das Ausmaß des Wurzelwerks beachtet wurde. Und so arbeiteten sich die Bäume im Laufe ihres Wachstums in die Gehwege und Straßenbeläge hinein, wölbten diese auf oder ließen Risse im Asphalt entstehen. Sie wurden so zu potenziellen Stolpersteinen oder verursachen Pfützen, die im Winter zu Eisplatten gefrieren. Das wiederum führt zu einer Beeinträchtigung oder gar Gefährdung der Verkehrssicherheit, zu deren Sicherstellung die Stadt Garching verpflichtet ist.

„Wir werden alle Bäume durch Neuanpflanzungen ersetzen“

Die vier Linden in der Schleißheimer Straße sollen ebenfalls gefällt werden. Eine Neu- oder Ersatzpflanzung soll jedoch erst erfolgen, wenn Rad- und Gehweg sowie die Parkplätze neu angelegt sind.

Die Begutachtung von 71 Bäumen durch das städtische Bauamt, von denen eine akute Gefährdung der Verkehrssicherheit vorliegt, ergab, dass 38 davon zum Teil sehr stattliche Bäume gefällt werden müssen, weil eine Wurzelkappung die Statik des Baumes verändern würde und seine Standsicherheit nicht mehr gegeben wäre. Bei weiteren 17 können demnach zwar die Schäden behoben werden, aber es ist, so die Verwaltung, zu erwarten, dass durch die Eingriffe das Wurzelwerk erheblich geschädigt werden.

„Wir werden alle Bäume durch Neuanpflanzungen ersetzen“, betont Bürgermeister Dietmar Gruchmann (SPD). „Mir liegt auch jeder einzelne Baum am Herzen, aber wir als Kommune haben die Verpflichtung, Verkehrssicherheit zu garantieren.“ Ausgenommen ist die Schleißheimer Straße, hier wird „noch nicht nachgepflanzt“. Denn dort werden in den kommenden Jahren der Geh- und Radweg und die Parkplätze neu angelegt. Es mache keinen Sinn, dort jetzt neue Bäume zu pflanzen und dann wieder herauszureißen.

„Ich sehe die Notwendigkeit nicht“

Dass etwas getan werden muss, ist auch für Felicia Kocher (Grüne) klar, „aber es kommt darauf an was. Denn Alternativen zum Fällen sind möglich.“ Bei einigen kaputten Eschen sieht auch sie nur wenig Chancen. Aber wenn etwa ein Parkplatz betroffen ist, könnte man diesen stillegen oder auch die Wegeführung der Fußwege verändern. „Ich sehe die Notwendigkeit nicht, den Baum gleich zu fällen“, verdeutlicht Kocher. „Dafür ist er viel zu wichtig für das lebensnotwendige Grün, das Stadtbild, vor allem aber auch zur Bekämpfung des Klimawandels.“

Ob und an welchen Standorten Alternativen möglich sind, wird ein Ortstermin des Stadtrates mit Fachleuten aus dem Bau- und Umweltamt in den kommenden Tagen ergeben. „Mir ging es von Anfang an um Transparenz, sonst hätte ich das Thema auch nicht in den Bauausschuss eingebracht“, erläutert Gruchmann. Er widerspricht damit der Empörung, die in den sozialen Medien aufkochte. Darin war zu lesen: „Der Bürgermeister plant ohne Stadtratsbeschluss massive Baumfällungen.“ Oder dass Ersatzpflanzungen in der Schleißheimer Straße nicht geplant seien. Die Garchinger müssten sich dagegen wehren. „Es liegt in der Hand des gesamten Stadtrates“, sagt Gruchmann, „jeder einzelne Baum ist in der Sitzungsvorlage dokumentiert. Nun schauen wir sie uns an.“

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