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Auf den ersten Blick ein Paradies: Bagger, Raupen und Radlader in allen Größen gibt es in der Zeppelin-Unternehmenszentrale in Garching-Hochbrück. Doch Michael Heidemann, der stellvertretende Vorsitzende der Geschäftsführer, hat keine Zeit zum Spielen. Immerhin arbeiten am Standort rund 500 Menschen.

Zeppelin verspricht Hochbrück die Treue

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Vor 50 Jahren hat sich die Firma Zeppelin in Hochbrück angesiedelt – auf der grünen Wiese. Seither wuchsen der Konzern und das dortige Gewerbegebiet quasi um die Wette. Nun plant Zeppelin abermals einen Neubau.

Garching– Wer vorige Woche im nördlichen Landkreis oder in München unterwegs war, der hat ihn vielleicht gesehen: Der Zeppelin schwebte hoch oben in der Luft; darin saßen Passagiere, die von der Flugwerft Schleißheim aus eine Runde über die Landeshauptstadt drehten. Das mit 365 Euro nicht ganz günstige Vergnügen wird nur an zehn Tagen im Jahr angeboten sowie zur Fachmesse Bauma.

Erstes Ziel des Rundflugs ist die Fröttmaninger Arena. Wer auf den Weg dorthin linker Hand hinabschaut, der erblickt das Gewerbegebiet von Hochbrück, das größte seiner Art im ganzen Landkreis. Und dort wiederum findet sich die Zentrale jenes Konzerns, der den gleichen Namen trägt wie das Luftschiff: die Firma Zeppelin. Beide, das Gefährt wie das Unternehmen, haben ihre Wurzeln bei Ferdinand Graf von Zeppelin, und so hängt in der Eingangshalle der Firmenzentrale auch eine Schautafel mit Informationen über den Luftschiffpionier und die nach ihm benannte Erfindung.

Fährt man jedoch hinauf in den vierten Stock zu Michael Heidemann, dem stellvertretenden Vorsitzenden der Geschäftsführung, dann steht dort bloß ein Zeppelin-Modell – dafür aber zig Bagger, Raupen und Radlader. Schließlich sei der Luftschiffbau nur noch „ein kleines Pflänzchen des Konzerns“, sagt Heidemann. Und doch hätte er es natürlich gerne gesehen, wenn die geplante Zeppelin-Erlebniswelt in Garching verwirklicht worden wäre – doch dazu später.

Zunächst zur Geschichte der Firma in Hochbrück, die sich dort vor einem halben Jahrhundert angesiedelt hat – ein Jubiläum, das am kommenden Samstag mit Mitarbeitern, Partnern und den Ehrengästen Theo Waigel und Klaus Augenthaler gefeiert wird. Anfang der 1960er-Jahre habe Zeppelin nach einem Standort für seine noch junge Baumaschinensparte gesucht, erzählt Heidemann, der seit 25 Jahren im Unternehmen und mithin Experte in Sachen Firmenhistorie ist. Da man damals viel Platz benötigte und die Nähe zur Autobahn schätzte, sei man nach Hochbrück gezogen – auf die grüne Wiese, denn bis auf das Voith-Werk und die Kiesgrube gab es dort seinerzeit wenig. An der eigens für den Konzern umbenannten Zeppelinstraße blieb die Firma 40 Jahre, in denen sich das Gewerbegebiet gewaltig entwickelte. Dazu zog der Flughafen ins Erdinger Moos, die U-Bahn wurde quasi vor die Tür gebaut, später kam die Umgehungsstraße: „Dass sich das so positiv für uns entwickeln würde, wusste damals keiner“, sagt Michael Heidemann.

Wohl auch deshalb hielt man Hochbrück die Treue, als das Firmengebäude gegenüber des U-Bahnhofs vor gut zehn Jahren zu klein wurde. So entstand an der Schleißheimer Straße eine neue Unternehmenszentrale, in der die komplette Verwaltung des Konzerns sitzt. Daneben baute Zeppelin ein Öllabor, wo jährlich 110 000 Proben untersucht werden, sowie eine Mietstation, bei der Kunden unter anderem Container, Gabelstapler und allerlei Baumaschinen vom Bagger bis zur Raupe entleihen können. Auch für die Niederlassung, die sich um den An- und Verkauf von Baumaschinen kümmert, wurde ein Gebäude am Graf-Zeppelin-Platz errichtet, wie die Stadt diesen Abschnitt der Daimlerstraße sogleich taufte.

Im Jahr des Umzugs, 2007, habe man noch gedacht, die neue Heimat sei derart großzügig bemessen, dass dies auf Jahrzehnte hin ausreiche, sagt Heidemann. Inzwischen aber platze man mit den rund 500 Mitarbeitern schon wieder aus allen Nähten. Und so plant die Firma den nächsten Neubau – direkt gegenüber, wo Zeppelin ein Grundstück besitzt. „Allerdings wird es noch ein paar Jahre dauern, bis das konkret wird“, sagt Heidemann.

In jedem Fall lässt sich das Vorhaben als abermaliges Bekenntnis zu Hochbrück verstehen – zumal Heidemann auch die Entwicklung des Gewerbegebiets in den vergangenen zehn Jahren lobt. „Früher galt das als Schmuddelecke“, sagt der 59-Jährige. „Aber mit dem Business Campus, und den Ansiedlungen von Firmen wie BMW und Swiss Life ist das deutlich aufgewertet worden.“

Dies sei auch ein Verdienst der Stadt, lobt Heidemann, der bei einem anderen Thema jedoch Kritik übt. Gemeint ist die geplante Zeppelin-Erlebniswelt mit Rundflügen, die eine frühere Mitarbeiterin der Firma auf dem Grundstück der Stadt München zwischen Autobahn und U-Bahn errichten wollte. Dass es dazu nicht kam, führt Heidemann auf „politisches Gezänk zwischen der Stadt München und der Stadt Garching“ zurück. Denn obwohl die Initiative zu dem Projekt nicht von seiner Firma ausging und das Luftschiff ja nur „ein kleines Pflänzchen“ sei, sagt Michael Heidemann: „Die Zeppelin-Welt hätte Garching gutgetan, und wir hätten sie auch gerne genutzt.“

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