Zwei glückliche Studenten: Johannes Dietrich (l.) und Daniel Dietrich mit Maria Thon von der Stiftung. Foto: Förtsch

TU Garching: Stipendium für sozialen Einsatz

Garching - Ein bisschen als Exot sieht sich Daniel Dietrich (24) schon an diesem Abend in Garching. Er, der an der Technischen Universität (TU) im fünften Master-Semester TUM-BWL studiert, eine Mischung aus Betriebswirtschaft und Naturwissenschaften, steht in der Aula des Mathematik-Gebäudes im Garchinger Forschungsgelände vor einem großen Plakat der BayWa-Stiftung.

Dort mag man eher Agrarwissenschaftler vermuten, aber Daniel Dietrich hat von ihr ein Stipendium bekommen: Das Deutschlandstipendium.

An diesem Abend gab es in Garching die offizielle Urkunde, gefördert wird Dietrich allerdings schon seit Anfang November 2014. Das Deutschlandstipendium gibt es seit dem 1. April 2011. Es soll vor allem Studierende unterstützen, die sich neben der Uni noch sozial engagieren. 300 Euro gibt es im Monat. „Gute Noten sind wichtig, aber nicht alleine ausschlaggebend für ein Deutschlandstipendium an der TUM", sagt Christian Kredler, der verantwortliche Projektleiter. Allerdings macht die Note dennoch 60 von insgesamt 100 möglichen Punkten im Bewerbungsverfahren der TU aus, jeweils 20 Punkte geben soziales Engagement und besondere Empfehlungen der einzelnen Fakultäten.

Pro Semester bewerben sich an der TU rund 1200 Studierende, 284 haben das Stipendium in diesem Semester bekommen. „Ich bin sehr froh, dass ich genommen wurde“, sagt der TUM-BWL-Student Daniel Dietrich. Den vergangenen Sommer hat er in Vancouver in Kanada studiert, jetzt schreibt er gerade an seiner Masterarbeit, Ende März soll die fertig sein: „Es macht keinen Sinn, dann noch zwei Tage die Woche zu arbeiten“, sagt Dietrich. Jetzt brauche er nur einen kleinen Nebenjob, um sein Studium zu finanzieren, für die Arbeit und auch Freizeit bleibt viel mehr Zeit. Weil er sich später gerne auf erneuerbare Energien spezialisieren möchte, wollte Daniel Dietrich gerne zur BayWa-Stiftung, die genau dieses Thema bearbeiten. Zwar können die Bewerber auf das Stipendium sich die Geldgeber nicht aussuchen, Präferenzen dürfen sie aber angeben. Bei Daniel Dietrich hat das geklappt, auch für den Jobeinstieg hofft er jetzt auf wertvolle Kontakte.

Hinter dem Deutschlandstipendium steckt zwar auch, wie der Name vermuten lässt, der Staat, aber nicht alleine. Die monatlich 300 Euro teilt sich der Bund mit privaten Geldgebern, die die Unis selbst anwerben müssen. Bei der TU sind das Firmen, wie Siemens, oder neu auch General Electric, Stiftungen, wie die der BayWa, oder Privatpersonen. Für Zwei Drittel der Stipendien können die Förderer Studiengänge festlegen, ein Drittel bleibt ohne Fachbindung.

Für die meisten Unternehmen sind die Stipendiaten zukünftige Arbeitnehmer. „Viele bleiben hängen“, sagt etwa Maria Thon, Geschäftsführerin der BayWa-Stiftung. Für die Universität sind sie ein Aushängeschild: „Das Deutschlandstipendium gibt uns die Chance, die künftigen Leistungsträger der Gesellschaft zu begleiten“, sagt TUM-Vizepräsident Gerhard Müller. „Junge Talente“ nennt er die Stipendiaten, die „die Wertschöpfungsprozesse in Zukunft in die Hand nehmen.“ Sprich: Sie sollen in Zukunft Spitzenpositionen in Politik, Wirtschaft und Forschung besetzen. Diese Ausrichtung kritisierte zum Start des Deutschlandstipendiums 2011 schon der bundesweite Freie Zusammenschluss der StudentiInnenschaften: Nach seiner Ansicht würden dadurch soziale Unterschiede gestärkt und gerade Studierende in wirtschaftlichen schwachen Regionen benachteiligt: Wo kein Förderer, da kein Deutschlandstipendium.

Dieses Problem hat Johannes Dietrich (22) nicht. Er studiert in Weihenstephan Agrarwissenschaften, auch er ist frischer Deutschlandstipendiat bei der BayWa. Besonders durch sein Engagement in der Fachschaft und mit den Erstsemestern habe er das Stipendium bekommen, erklärt er. Vorher musste er neben dem Studium arbeiten: „Das war Stress: Teilweise insgesamt 50 Stunden in der Woche.“ Jetzt plant er entspannter eine Podiumsdiskussion über Gentechnik, auch dabei hofft er auf die Unterstützung der BayWa: „Das erleichtert vieles.“ bene

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