Der Vater des Computers feiert 100. Geburtstag

Garching - Ohne Computer ist die Welt heute nicht mehr vorstellbar. Ihren heutigen Stand der Technik hat die Menschheit ein großes Stück Professor Heinz Billing zu verdanken, denn der Garchinger Physiker erfand das erste Speichermedium. Am Montag feierte er mit Familie, Weggefährten der Forschung und Nachbarn seinen 100. Geburtstag.

1948 entwickelte der Computer-Pionier Heinz Billing einen Trommelspeicher, der das erste Speichermedium war und damit sozusagen der Vorläufer aller Datenträger bis zum USB-Stick. 16 Bit umfasste das Gerät und hatte Platz für fünf bis sechs Zahlen. 33 Wochen arbeitete seinerzeit ein Team mit Billing an der Spitze an dem innovativen Forschungsprojekt, dass mit 9075 D-Mark auch in den ersten Nachkriegsjahren ein enormes Volumen hatte.

Der in Salzwedel geborene Wissenschaftler baute später an der Universität Göttingen „G1“, den ersten deutschen Elektronenrechner. Dieser war so groß wie ein durchschnittliches Wohnzimmer und war deutlich zuverlässiger mit seinen Elektronenröhren gegenüber den mechanischen Vorgängern. Das Projekt war so spektakulär, dass sich auch Bundespräsident Theodor Heuss diesen ersten Computer von Heinz Billing demonstrieren und erklären ließ.

Als die Computerentwicklung und -produktion kommerzieller wurde, zog sich der in der Grundlagenforschung beheimatete Billing zurück aus dem Bereich. Er widmete sich dann der Astrophysik, die ihn schon immer fasziniert hatte.

Professor Heinz Billing, der 1979 an das Garchinger Max-Planck-Institut für Astrophysik kam, nahm sich vor allem der Erforschung von Gravitationswellen an. Er entwarf Detektoren und war auch da seiner Zeit um ein Vielfaches voraus. Erst gut 40 Jahre später gelang es der Wissenschaft, Gravitationswellen definitiv nachzuweisen. Pionier Heinz Billing war auch da mit seinen Ansätzen auf dem richtigen Weg.

Schon früh war Heinz Billing eine besondere Persönlichkeit. Sein Vater war Schulrektor, unterrichtete ihn zu Hause, und so konnte der intelligente Sohn eine Klasse überspringen und wurde gleich von der ersten in die dritte Klasse versetzt. Die Mitschüler nannten damals schon das im Rechnen außerordentlich begabte Kind nur „Meister“.

Gestern feierte der Computer-Pionier in Garching den 100. Geburtstag im Kreis seiner Familie. Neben seinen Kindern Dorit, Heiner und Arend sind das sieben Enkel sowie fünf Urenekl, und der sechste ist schon im Anmarsch. Heinz Billing lebte mit seiner Frau Anneliese in Garching und pflegte sie liebevoll. Oft sah man ihn seine Gattin im Rollstuhl durch das Universitätsstädtchen schieben. Vor fünf Jahren ist seine Frau gestorben. nb

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