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Heimat von Claudio Cumani ist Garching geworden.

Mittler zwischen Kulturen

Der Garchinger Claudio Cumani lebt seit 22 Jahren in Bayern und ist in den Integrationsrat Bayern berufen worden.

Ein Jahr wollte der Diplomphysiker Claudio Cumani (52) in Deutschland bleiben, als er 1993 zur Europäischen Südsternwarte ESO nach Garching kam. Er hatte in Triest studiert und dort Forschungen an der Sternwarte durchgeführt, die in Deutschland intensiviert werden sollten. 22 Jahre lebt er nun schon in Bayern, ist politisch engagiert und wurde dieser Tage vom Bayerischen Integrationsbeauftragten Michael Neumeyer in den Integrationsrat Bayern berufen.

Mit der Grafikerin Sarah, einer Deutsch-Italienerin fand Cumani im Jahr 2000 in Deutschland auch die Frau fürs Leben. Mit ihr ist er in Garching heimisch geworden und hat zwei Kinder: Die Tochter ist elf Jahre alt, der Sohn acht. Heuer will Cumani auch auf dem Papier offiziell Deutscher werden: „Deutschland, Garching ist meine Heimat geworden. Da möchte ich auch richtig dazu gehören.“ Klar spricht Cumani längst fließend Deutsch. Aber der italienische Akzent ist unüberhörbar. Jetzt, wo er nicht mehr Präsident des italienischen Komitees München (siehe Kasten) ist, will er auch daran arbeiten und vor dem Einbürgerungstest noch einen Intensivkurs Deutsch belegen.

Elf Jahre war Cumani der Sprecher für rund 58 000 Italiener in der Großregion München. Der so ruhig auftretende Mann aus Triest kann sehr lebendig werden, wenn es um sein Thema geht, die Integration. Er gehört seit diesem Jahr auch dem „Runden Tisch Integration“ im Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus an. Schon 2007 hat er in der Kommission mit Rita Süßmuth den „Nationalen Integrationsplan – Neue Wege“ mit erarbeitet. Er ist auch parteipolitisch aktiv und inzwischen Stellvertretender Ortsvereinsvorsitzender der SPD in Garching.

Das Komitee der Italiener im Ausland, 1983 von der italienischen Staatsregierung ins Leben gerufen, soll „Initiativen für das soziale und kulturelle Leben, insbesondere für die Beteilung von Jugendlichen, die Gleichberechtigung, die Unterstützung im sozialen und schulischen Bereich, die Berufsausbildung, den Sport und die Freizeitgestaltung der im Konsularbezirk lebenden italienischen Gemeinschaft“ in Gang bringen.

Der Rechenschaftsbericht Cumanis als Präsident in den elf Jahren umfasst alle diese Bereiche und ist eindrucksvoll. Cumani zum Thema Integration: „Sie gelingt nur, wenn man am Leben dort, wo man ist, auch partizipiert. Wir haben Einwanderer immer wieder aufgefordert, mitzumachen, nicht allein unter sich zu bleiben, sondern sich einzumischen. Geht in die Vereine, haben wir gesagt. Die Deutschen findet man nicht an der Bar. Wir haben Wanderungen mit dem Alpenverein organisiert. Sport ist gerade für Kinder zur Integration ideal. Sich auf die neue Kultur einlassen, neugierig zu sein, heißt ja nicht, dass man die eigene Kultur aufgibt.“

Derzeit erhält Cumani täglich bis zu 15 Emails von Italienern, die auswandern wollen: „Sie wollen wissen, wie sie Häuser und Wohnungen finden, wo sie sich anmelden müssen und vieles mehr. Seit der Krise wollen viele weg aus Italien, ob hochqualifizierte oder ganz normale Arbeiter. Die Deutsch-Kurse der Goetheinstitute in Italien sind randvoll. Da bekommt man derzeit keinen Platz mehr.“ Als Präsident des Komitees hat er für Neuankömmlinge viele Infobroschüren mit Adressen und Ansprechpartnern erstellt, ob zum Thema Schulen und Bildung, oder zum Thema Gesundheit.

Komitee-Präsident ist Cumani nun nicht mehr. Die aus Sizilien stammende Münchner SPD-Stadträtin und promovierte Statistikerin Daniela Di Benedetto(40) folgte ihm ins Amt. Als Mittler zwischen den Kulturen wird Cumanis Arbeit im Integrationsrat aber weitergehen. Seine Erfahrung und sein Engagement werden gerade in einer Zeit nicht nachlassender Flüchtlingsströme gebraucht.

Annette Ganssmüller-Maluche

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