500 Garchinger kommen zum Infoabend Asyl

Garching - So voll ist das Bürgerhaus der Stadt Garching nicht oft. Rund 500 Menschen drängten sich beim Infoabend Asyl. Noch im Dezember sollen 100 Flüchtlinge in die neue Gemeinschaftsunterkunft nördlich des Rewe-Markts ziehen.

Als Bürgermeister Dietmar Gruchmann (SPD) zum Mikrofon schreitet, um den Infoabend zur Asylunterkunft in Garching zu eröffnen, stehen auf der Bühne zwei leere Stühle. Dort sollten eigentlich Klaus Zettl und Helmuth Kammerer von der Stadtverwaltung sitzen, doch die beiden haben sich gerade auf die Suche gemacht nach weiteren Sitzgelegenheiten für die Besucher. Denn nicht nur die 250 Stühle im Bürgerhaus und die Oberränge sind restlos besetzt. Auch im Hintergrund stehen viele Menschen, die keinen Platz mehr ergattert haben.

Keine Frage: Das Thema Asyl brennt den Garchingern unter den Nägeln; 500 von ihnen sind heute zum Infoabend gekommen. „Das zeigt, dass die Garchinger daran teilnehmen und sich einbringen wollen“, sagt Bürgermeister Gruchmann. Ohnehin habe er bei dem Thema bisher keine negative Stimme gehört. Worauf eine Besucherin halblaut murmelt: „Dann hätte er mich mal fragen sollen.“ Derlei Kommentare bleiben jedoch die Ausnahme - auch bei der folgenden Fragerunde.

Zuvor jedoch geht Landrat Christoph Göbel (CSU) auf die Sachlage beim geplanten Asylbewerberheim nördlich des Rewe-Markts am Echinger Weg ein. Noch im November sollen hier die bereits bestellten Wohncontainer aufgebaut werden, ehe Anfang Dezember 100 Flüchtlinge einziehen. Neben dem Provisorium soll bis Juli eine dreistöckige Wohnanlage entstehen, ein „Container-Hotel“, wie es in Göbels Präsentation heißt. Hier werden die 100 Flüchtlinge langfristig unterkommen; dazu gibt es 50 Plätze für sogenannte Fehlbeleger, also Flüchtlinge, die das Asylverfahren durchlaufen haben und zunächst obdachlos sind.

Wie groß die Problematik im Landkreis ist, verdeutlicht Göbel mit einigen Zahlen. Bis einschließlich 2015 müssten laut Prognose 2500 Flüchtlinge und Fehlbeleger untergebracht werden, so der Landrat. Aktuell stünden knapp 800 Plätze bereit, darüber hinaus sind rund 1000 in Planung. „Das heißt, dass wir gewaltig nachholen müssen“, sagt Göbel. „Wir haben fast 800 Plätze zu wenig. Wir überlegen gerade, wie wir das schaffen.“

Womöglich auch mit einem zweiten Standort in Garching? Diese Frage habe das Landratsamt stets verneint, hat Gruchmann im Stadtrat betont. Nun will er im Bürgerhaus dem Landrat eine Bestätigung entlocken: „Ich nötige Ihnen hier eine öffentliche Aussage ab, weil es viel Skepsis gibt, ob’s bei den 150 Flüchtlingen bleibt“, sagt Gruchmann.

Ein solches Versprechen will Göbel freilich nicht abgeben. Denn: „Ich kenne die langfristige Entwicklung der Flüchtlingszahlen nicht.“ Man werde aber versuchen, die Asylbewerber gerecht auf die Kommunen zu verteilen. Und hier liegt Garching mit bald 150 Flüchtlingen weit vor anderen Orten.

Wie groß die Hilfsbereitschaft bei den Bürgern ist, zeigt die anschließende Diskussion. Da fragen mehrere Garchinger nach Möglichkeiten, wie man die Flüchtlinge unterstützen könne. Viele tragen sich in Listen ein, die Ingrid Stanglmeier ausgelegt hat. Die städtische Integrationsbeauftragte baut derzeit einen Helferkreis in Garching auf. Dazu kommt Rebecca Huber, eine Sozialpädagogin aus dem Landratsamt, die sich fest um das Garchinger Heim kümmern und dort täglich am Nachmittag vor Ort sein wird. Auch sie wirbt im Bürgerhaus um Unterstützung aus der Bevölkerung: „Egal ob Sie gut Fußball spielen, bei Arztbesuchen dolmetschen oder Deutsch unterrichten können - „es gibt nichts, womit Sie in Garching nicht helfen können.“

(ps)

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