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Durchstarten mit Physik: Sophie Wax und Michael Wolf sind angehende Abiturienten am Garchinger Gymnasium. Gleichzeitig gehören sie dem ersten Kolleg der TU an, das begabte Schüler in Naturwissenschaften fördert.

TUM-Kolleg des Werner-Heisenberg-Gymnasiums

Garchinger Schüler schon mit 16 an der Uni

Garching - Vier Tage Schule, ein Tag Uni: Das ist das Konzept hinter dem „TUMKolleg“, das seit diesem Jahr am Werner-Heisenberg- Gymnasium angeboten wird. Das Programm soll angehende Abiturienten fördern, die in Mathe, Physik und Co. besonders begabt sind.

Warum ausgerechnet Physik? Diese Frage hat Sophie Wax schon oft beantwortet. „Physik ist alles“, setzt die 16-Jährige zu einer Antwort an. „Mit Physik kann man fast alles erklären – vom winzig kleinen Mikrokosmos bis zum Makrokosmos.“

Wenn Sophie von ihrer Begeisterung für Physik spricht, dann leuchten ihre Augen; in den Sommerferien hat die 16-Jährige aus Ismaning ein Praktikum an der TU München gemacht, am Lehrstuhl für Astrophysik; und nach dem Abitur am Werner-Heisenberg-Gymnasium (WHG) in Garching will sie unbedingt studieren. Physik natürlich.

Von daher ist Sophie Wax geradezu prädestiniert für ein Programm, das es seit diesem Schuljahr am WHG gibt: das TUMKolleg. Das Programm soll angehende Abiturienten mit einer besonderen naturwissenschaftlichen Begabung fördern. 

Hierzu arbeitet die Schule eng mit der TU München (TUM) zusammen: An vier Tagen in der Woche besuchen die TUMKolleg-Schüler das Gymnasium; den fünften Tag verbringen sie an der Uni, wo sie erst die verschiedenen Fakultäten kennenlernen sowie Vorlesungen besuchen und später eigenständig an einer Forschungsarbeit tüfteln.

Als Vorbild dient das Gymnasium in Gauting, wo es seit 2009 ein TUMKolleg gibt. Im September ist nun erstmals auch in Garching ein solcher eigenständiger Oberstufenzug mit 13 Schülern angelaufen.

Zu ihnen gehört neben Sophie Wax auch Michael Wolf. Der 17-Jährige begeistert sich vor allem für Chemie – im Gegensatz zu seiner Mitschülerin war er anfangs aber skeptisch, was das TUMKolleg anbelangt. „Weil ich dachte, dass es ein großes Mehraufwand ist, und ich dann nicht mehr genug Zeit für meine Hobbys habe“, sagt der Münchner, der leidenschaftlich gerne Basketball spielt.

Tatsächlich haben die Schüler im TUMKolleg mit 38 Wochenstunden ein höheres Pensum als andere Elft- und Zwölftklässler, räumt Ralf Laupitz ein, der das Projekt am WHG mit seinem Lehrerkollegen Felix Schüller betreut. Auch deshalb lege man besonders großen Wert auf die Auswahl der Schüler. So müssen die Kandidaten fürs TUMKolleg nicht nur entsprechende Noten vorweisen, sondern auch ein Motivationsschreiben verfassen und an einem Auswahlgespräch teilnehmen.

„Wir wollen keinesfalls, dass die Hobbys der Schüler zu kurz kommen“, betont Laupitz. Vielmehr suche man nach Gymnasiasten, „für die Mathe oder Informatik ohnehin ein Hobby ist“. Diese Talente will man speziell in den Naturwissenschaften fördern. Deshalb werden sie in Mathe, Chemie, Physik, Biologie, Informatik und Englisch separat in einem eigenen TUMKolleg-Raum unterrichtet. „Hier können wir auch ein Stück weit weggehen vom lehrerzentrierten Frontalunterricht“, sagt Laupitz. „Genau das brauchen diese Schüler, weil es gute Schüler sind.“

Was den Unterricht neben vielen Experimenten und Gruppenarbeiten besonders mache? „Die Lautstärke“, sagt Sophie Wax und grinst. „Es ist viel leiser, weil wir nur 13 Schüler sind – und nicht 25 wie in anderen Fächern.“ Zudem komme man im Stoff schneller voran, sagt Sophie. „Insgesamt ist es viel entspannter.“ 

Das findet auch Michael Wolf, der seine Entscheidung für das TUMKolleg „noch zu keinem Zeitpunkt“ bereut hat. Zumal auf ihn und seine Kollegen zum Ende der elften Klasse ein Highlight wartet: ein mehrwöchiges Auslandspraktikum, das verpflichtend zum Programm gehört. Während Sophie nach London geht, hofft Michael auf eine Anstellung in Kanada. 

Und dann ist da noch ein „kleines Schmankerl“, wie Ralf Laupitz es nennt: Von der TUM haben sämtliche TUMKolleg-Schüler einen Tablet-Computer erhalten, mit dem sie auch im Unterricht arbeiten. Derweil ist die Suche nach Kandidaten für den nächsten TUMKolleg-Jahrgang bereits angelaufen. „Ich bin überzeugt, dass sich wieder genügend Schüler melden“, gibt sich Ralf Laupitz optimistisch. Schließlich soll das TUMKolleg künftig ein festes Angebot am WHG sein

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