Als guter Geist der Familie erweist sich die Ungarin (Ditte Schupp, r.), die nach der Schlacht auf dem Lechfeld in den Isarauen umherirrt. Zunächst allerdings misstrauen ihr der Gfildnervater (Claus Obalski) und seine Tochter Fanni (Anke Sabrina Beermann). Die Regie fürs Stück führt Cornelius Gohlke. Foto: Förtsch

Garchings Gründungsgeschichte auf den Kopf gestellt

Garching - Es braucht schon mehr als ein bisschen Chuzpe, um die Gründungsgeschichte von Garching mal eben auf den Kopf zu stellen - und das ausgerechnet im Jubiläumsjahr, das die Universitätsstadt zurzeit so rauschend feiert. Obendrein verpasst Wilfrid Grote in seinem Theaterstück „Der Weiße Wisent" dem Namensgeber von Garching einen nicht allzu liebenswürdigen Anstrich. So heißt es in einer Szene: „Gowirich wird mich vierteilen, ans Kreuz nageln, vergiften, pfählen, erstechen, er wird mir das Leben aus dem Leibe prügeln."

Und dennoch erntet Grotes Werk im Theater im Römerhof ausdauernden Beifall - keinesfalls zu unrecht. Denn trotz eines garstigen Gowirichs gelingt es dem Autor, ein kuschelweiches Kindermärchen zu erzählen, dessen Geschichte alldieweil spannend ist.

In einer Zeit um 960 nach Christus lebt der alleinerziehende Gfildnervater (Claus Obalski) mit seinen zwei Kindern auf der unfruchtbaren Schotterzunge im Münchner Norden. Eines Tages beauftragt ihn der Gowirich, einen Sack mit 200 Schilling zum Herzog zu bringen. Auf dem Weg geht dem Gfildner der Gaul durch; er stürzt und bricht sich das Bein, während das Pferd mitsamt des Geldes Reißaus nimmt. Nun fürchtet der Vater den Zorn des Gowirichs - aber wie es sich für ein Kindertheater gehört, löst sich das Schlamassel peu à peu in ein Happy End auf.

Verantwortlich hierfür sind zum einen die kreuzbraven Kinder des Gfildners: die Fanni (Anke Sabrina Beermann) und der Otterl, den Gabriel Wonn meisterlich mimt - nicht nur wegen seines herrlich belämmerten Dreinschauens. Zum anderem gibt es da die Ungarin (Ditte Schupp), die nach der Schlacht auf dem Lechfeld in den Isarauen umherirrt - und sich trotz anfänglicher Ressentiments als guter Geist der Familie erweist.

Zuletzt hat auch noch der Namensgeber des Stücks seinen großen Auftritt: Der Weiße Wisent namens Gourihinga wirbelt mit den Hufen Goldstaub auf - und zwar freundlicherweise auf dem Land des Gfildners, was nicht folgenlos bleibt. Denn mit einem Schlag wird der öde Schotter zum fruchtbaren Acker, sodass die Familie kurzerhand ein neues Dorf gründet. Der Name dieses Dorfs? Na klar, Garching!

Dieser alternativen Gründungsgeschichte der Stadt hat Cornelius Gohlke eine kluge Regie verpasst; dazu holt Irene Edenhofer-Welzl aus wenig Bühne viel raus. Besonders in Erinnerung bleibt aber die Musik, für die Oliver Hahn verantwortlich zeichnet: Immer wieder setzen die Protagonisten zu eigens komponierten Liedern an, bei denen nicht nur die Kinder im Publikum eifrig mitwippen.

Wobei die Jüngsten bei der Premiere in der Minderheit sind: Unter den knapp 60 Zuschauern sieht man kaum zwei Handvoll Kinder. Anders tags darauf am Nachmittag: Da drängen sich knapp 90 Besucher ins Theater, die Hälfte davon Kinder. Und auch die vier Schulvorstellungen im Juli seien bereits ausgebucht, sagt Produktionsleiter Heinrich Führmann. Weitere Aufführungen soll es auf Anfrage geben.

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