Open Air im Chaos-Theater: Zum Abschied der Unterhachinger Abiturienten spielte die Bigband. Foto: kathrin kohnke

Ein Gedicht und eine Steuersache

Unterhaching - Fröhlicher Abschied am Lise-Meitner-Gymnasium

Unterhaching - Stolz, Freude aber sicherlich auch Wehmut kamen auf bei der Abiturfeier des Lise-Meitner-Gymnasiums im Chaos-Theater der Schule. Goethes „Willkommen und Abschied“ war das Motto, ein bewegendes Goodbye für 158 Schüler. Wie die Worte des großen Deutschen war auch die Feier ein Gedicht. Der 36. Jahrgang, einer der größten in der Geschichte des LMGU, verließ an diesem Tag die Schule.

„Hat Sie das hier erworbene Wissen nun schlauer gemacht?“, fragte Rektorin Brigitte Grams-Loibl fröhlich ins Rund. Viele Eltern, Großeltern und Freunde der Abiturienten waren gekommen, viele mit Rührung im Blick. Ausgangspunkt der Frage war die Behauptung einer Kölner Schülerin gewesen. Die Meldung ging durch die ganze Presse. Das Mädchen hatte sich geärgert, dass sie in ihrer Schule Gedichtinterpretationen in vier Sprachen gelernt habe, aber nicht, wie man eine Steuererklärung ausfüllt.

„Sie bekam daraufhin überwältigende Resonanz“, sagte die Schulleiterin. Freilich hätte dies zu Diskussionen am Gymnasium geführt. Mit einem klaren Ergebnis: Es sei sinnvoll, in der Schule auch Dinge zu lernen, die man erst viel später oder gar niemals braucht. „Denn erstens steht bei jungen Menschen noch nicht fest, welches Wissen sie einmal benötigen werden. Und zweitens macht doch gerade vermeintlich Unnötiges wie Kunst und Musik das Leben schön“, urteilte die Rektorin. In Büchern aus dem Wirtschaftsunterricht sei sie überdies fündig geworden. „Das Wichtigste steht da doch drin“, erklärte Grams-Loibl. Für weitere Fragen hatte sie einen Überraschungsgast geladen: den Finanzwirt Fritz Winkler, Steuerberater und Dozent, aber auch Großvater zweier Schüler am LMGU.

Gutgelaunt plauderte Winkler aus dem Nähkästchen, stellte sich der Abi-Gruppe auf der Bühne. Als Kontrastprogramm dann Goethes „Willkommen und Abschied“, vorgetragen und interpretiert in Englisch, Deutsch, Italienisch, Französisch. „Wer ein Gedicht in vier Sprachen deuten kann, für den ist sicher auch eine Steuererklärung keine Hürde“, scherzte Grams-Loibl im Anschluss.

Dann der Moment, auf den alle gewartet hatten, die Verleihung der Abiturzeugnisse. Unterhachings Bürgermeister Wolfgang Panzer schüttelte persönlich Hände. Gleich viermal konnte er zu einer 1,0 gratulieren. Prächtig anzuschauen die jungen Leute, jeder trug, was persönlich gefiel. Tracht lag dabei aber klar im Trend. Auch schicke Etuikleider oder gar die Leggins in Gold kamen zum Zuge. Modisch en vogue auch die jungen Männer. Anzüge können so kleidsam sein. Einer nach dem anderen kamen sie dann auf die Bühne, jeder zu seinem eigenen Song. Ein Mädchen hatte sich Anna Naklabs „Supergirl“ gewählt, ein Schüler Alice Cooper. „School‘s Out“ durfte hier nicht fehlen. Neben den Zeugnissen gab es zur Erinnerung eine Jahrgangstasse mit App. „Die führt direkt auf die Schul-Homepage zurück“, sagte Grams-Loibl.

Tags zuvor hatte es einen Abiturgottesdienst in der Heilandskirche gegeben, den die Schüler selbst gestaltet hatten. Die Abiturienten verglichen sich dabei mit Zugvögeln, die von ihrem Zwischenstopp am LMGU nun ins Leben weiterzögen. Der alles krönende Abi-Ball fand später im Münchner Backstage statt. Kathrin Kohnke

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