Gedränge auf den Schleichwegen

Unterföhring - Die Unterföhringer Ortsdurchfahrt wird saniert und ist vollständig für den Durchgangsverkehr gesperrt. Es gelten weiträumige Umleitungen. Trotzdem fahren sehr viele - gerade auswärtige - Autofahrer lieber durch die Wohngebiete.

Energisch hebt Dagmar Hoffmann (60) ihren rechten Arm und tritt auf die Straße. In der Hand hält sie eine weiße Kelle mit rotem Rand und rotem Lämpchen, ähnlich wie bei Polizei und Feuerwehr. Doch auf ihrer Kelle steht: „Halt, Kinder!“ Sicher geleitet sie zwei Schulkinder über die Straße, von allen Seiten kommen Autos, stehen Stoßstange an Stoßstange. Hoffmann ruft den Kindern hinterher: „Passt gut auf euch auf!“

Sie ist seit 23 Jahren Schulweghelferin. Momentan steht sie einmal in der Woche an der Unterföhringer Blumenstraße. Dort ist an der Kreuzung zur Ahornstraße ein Fußgängerüberweg - normalerweise ohne viel Verkehr. Doch normal ist in Unterföhring gerade nichts.

Die Münchner Straße - die eigentliche Hauptstraße - wird seit Anfang Juli bis voraussichtlich Ende August saniert und mit einem lärmmindernden Belag bedeckt. Bisher sind die Arbeiten im Zeitplan, heißt es vom staatlichen Bauamt Freising, das für die Staatsstraße zuständig ist. Der Verkehr wird eigentlich über die Bundesstraße 471 und die Staatsstraße M3 weit um den Ort herumgeleitet. Doch viele Autos fahren über die Parallelstraße der Münchner Straße: Die Blumenstraße, Johanneskirchner Straße und Föhringer Allee, die sonst nur von Anwohnern befahren werden. Dort ist es zu Stoßzeiten so voll, dass auch die Gemeinde schon in einer Mitteilung um rücksichtsvolle Fahrweise gebeten hat.

Dagmar Hoffmann steht an einem unübersichtlichen Zebrastreifen - so viele Autos, wie momentan, fahren dort sonst nicht. Das führt zu mehr Ärger bei der Schulweghelferin. Etwa über Fahrer, wie den des blauen Transporters aus Moosinning. Er rollt auf den Zebrastreifen zu und hält genau darüber an. Das ist verboten. Genauso, wie das Verhalten der Autofahrer, die teilweise auf den Gehsteig ausweichen, weil die Straße zu eng ist. „Die sind sehr nervös“, scherzt Dagmar Hoffmann. „Mehr als das“, sagt eine Anwohnerin, die in diesem Moment vorbei geht.

Für die Polizei ist die Umleitung bislang unauffällig geblieben. Zwar habe sich der Verkehr für die kleine Straße sehr erhöht, sagt der stellvertretende Dienstellenleiter der Inspektion in Ismaning, Harald Bernt. Viel machen kann er aber nicht: Die Straße ist für alle offen. Nur Ortsunkundige würden die weiträumige Umleitung nutzen, so seine Erfahrungen. Immerhin einen Lichtblick gibt es: Die Geschwindigkeitsbegrenzung von 30 Stundenkilometern wird überwiegend eingehalten.

Anders sieht es auf der Münchner Straße aus. Sie ist während der Bauarbeiten zwar auch befahrbar, ähnelt aber wegen der Absperrungen für die Baustelle mehr einem Slalomparcours. Nur Anlieger dürfen durch, das kontrolliert die Polizei in Stichproben. An der Münchner Straße liegt auch der Gasthof „Neuwirt“. Geschäftsführerin Sybille Schnitzer sagt: „Es ist ein bisschen weniger los.“ Problematisch seien vor allem die Vollsperrungen - vergangene Woche Donnerstag und Freitag - als der neue Belag aufgetragen wurde. Da hätte sie Schwierigkeiten gehabt, die Autos der Hotelgäste unterzubringen. Die Sperrung habe aber auch ihre guten Seiten, findet Schnitzer: „Die hören um sechs auf zu arbeiten, im Biergarten ist es abends momentan schön ruhig.“

Bauarbeiten bis

Ende August

Zurück am Fußgängerüberweg an der Blumenstraße bei Dagmar Hoffmann. Um kurz vor acht hat sie alle Kinder sicher über den Zebrastreifen gebracht. Sie kann nach Hause gehen. Passiert ist bisher nichts an der Umleitung - und dabei soll es bleiben - auch dank der Schulweghelfer mit ihrer Kleidung in Warnfarben. „Oft steigert das die Aufmerksamkeit der Fahrer, weil ich eine gelbe Jacke trage“, sagt Dagmar Hoffmann. Die Schulkinder leiden unter der Umleitung nur noch diese Woche. Wer in den Ferien daheim bleibt, noch länger: Mit einer Vollsperrung der Münchner Straße am Samstag, 29. August, soll die Sanierung beendet werden.

Benedikt Witzenberger

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