Für den Umweltschutz sind in Unterhaching rund 60 Radfahrer in die Pedale getreten und haben sich der Sternfahrt Richtung München angeschlossen.
+
Für den Umweltschutz sind in Unterhaching rund 60 Radfahrer in die Pedale getreten und haben sich der Sternfahrt Richtung München angeschlossen.

10 000 Teilnehmer

Radldemo: Gefürchtetes Chaos bleibt aus

Der ADFC im Landkreis München zieht eine positive Bilanz seiner Radldemo Richtung München. Insgesamt haben sich rund 10.000 Menschen an der Sternfahrt beteiligt. Das gefürchtete Verkehrschaos blieb dabei aus.

Unterhaching/Landkreis – Für Irene Roß ist es heute das erste Mal. „Ich war früher noch nie auf einer Demo“, erzählt die 54-Jährige. Unter dem Eindruck der bevorstehenden Bundestagswahl hätte sie jedoch so etwas wie ihren „zweiten politischen Frühling“ erlebt, sagt sie lachend. Das Thema „Klimaschutz“, das schlechte Gewissen, jahrelang nichts aktiv für die Umwelt getan zu haben, treibe sie um. Seit Juli ist sie deshalb auch Grünen-Parteimitglied.

Jetzt wartet Irene Roß am Samstagmittag vor der Sportarena in Unterhaching. Aufgekratzt ist sie, wie ein Schulkind kurz vor der Klassenfahrt. Ihr Lebensgefährte Ulrich Weidauer (60) aus Neubiberg ist ebenfalls dabei, auch er ist bei den Grünen aktiv und „gerade im Wahlkampf-Modus“, wie er es nennt. Am Vormittag ist er deshalb noch von Haustür zu Haustür gegangen („Ich will die Unentschlossenen überzeugen!“).

Auf 17 Routen Richtung München

Der ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club) die Fahrradsternfahrt organisiert, deren Teilnehmer sich über insgesamt 17 Routen auf München zubewegen werden, um gegen die Automobilmesse IAA zu protestieren, die bis zum Sonntag in der Landeshauptstadt über die Bühne ging. Gut 60 Radfahrer haben sich deshalb am Utzweg eingefunden, etwa die gleiche Menge wird aus Holzkirchen erwartet. Die Ordner tragen Westen in Signalgelb. Man lacht, man scherzt, es herrscht eine entspannte Ausflugs- und Aufbruchsstimmung. „Mehr Platz fürs Rad“ weht es auf einer Fahne.

Für den Umweltschutz sind in Unterhaching rund 60 Radfahrer in die Pedale getreten und haben sich der Sternfahrt Richtung München angeschlossen.

Christian Sprey, seit zwölf Jahren ADFC-Mitglied und mittlerweile ADFC-Sprecher der Gemeinde Unterhaching, wird am Ende des Protest-Events eine positive Bilanz ziehen: Alles habe „gut und reibungslos“ funktioniert, „die Leute haben sich an die Regeln gehalten“, etwa an die Maskenpflicht, die greift, sobald man zu Fuß mit dem Demonstrationszug in der Innenstadt unterwegs ist.

Nur geringe Verkehrsbeeinträchtigungen

Laut Veranstalter werden es am Ende 25 000 Menschen gewesen sein, die gegen die Automobilausstellung IAA protestiert haben. Die Polizei spricht indes von bis zu 10 000 Radsternfahrt-Teilnehmern. Das gefürchtete große Chaos blieb aus, wenn es auch „im Bereich der Versammlungsstrecken zeitweise zu vorübergehenden Verkehrsbeeinträchtigungen“ kam, so die Bilanz der Ordnungshüter.

Während die Unterhachinger Demonstranten jetzt noch auf die Radfahrer aus Holzkirchen warten, schließen sich gegen 12.30 Uhr zwei Fahrradkonvois aus Neufahrn und Freising kommend unter großem Hallo mit Teilnehmern aus Ismaning zusammen, um über die Münchner Straße Ríchtung Unterföhring und schließlich in die Münchner Innenstadt zur Abschlusskundgebung auf die Theresienwiese zu fahren.

Nur zwei Radfahrer schließen sich aus Putzbrunn an

Enttäuschung herrscht an diesem sonnigen Mittag hingegen in Putzbrunn: „Leider waren wir nur zu zweit“, erzählt Sybille Martinschledde, Specherin des dortigen ADFC. Gründe? Das kann sie nur vermuten. „Ob es auch daran lag, dass von uns aufgehängte Plakate mutwillig zerstört wurden, weiß ich nicht.“ Grundsätzlich findet sie aber, dass die Sternfahrt insgesamt „hervorragend organisiert“ war, „sowohl vom Veranstalter als auch von der Polizei. Nervig war, dass ein Polizeihubschrauber permanent über uns flog“. Trotzdem habe es ihr viel Spaß gemacht. „Es war beeindruckend und ergreifend, wie viele Menschen sich dem Zug unterwegs aus verschiedenen Richtungen anschlossen“, sagt Martinschledde. Und: „Es hat gezeigt, dass die Menschen für eine Verkehrswende bereit sind.“

Auch Irene Roß ist jetzt bereit dafür. „Ich habe seit zwölf Jahren kein Auto mehr!“, sagt sie. Dann steigt sie aufs Rad, tritt protestfrisch in die Pedale und sie geht los, ihre erste Demo.

Volker Camehn

Auch interessant

Kommentare