„Wir verstehen jetzt auch ein bisschen was von Kunst:“ Uwe May (r.) mit Klaus von Gaffron. Foto: GUV (1)/ mm

Gegen den Strich gebürstet

Ismaning - Für Christoph Lammers sind Schwarz, Grau und all die dazwischen liegenden Schattierungen tatsächlich Farben. Deshalb hat der Münchner Künstler kein Problem damit, dass seine Ausstellung in den Räumen der Ismaninger Beratungsfirma Maihiro den womöglich irreführenden Titel „Colours“ trägt.

„Ein wahnsinnig großes Spektrum an Farbtönen“ erkennt auch Klaus von Gaffron in Lammers Zeichnungen und Lithografien. „Wo doch Schwarz eigentlich eine Nichtfarbe ist.“

Der Vorsitzender des Berufsverbandes Bildender Künstler München und Oberbayern führte bei der Vernissage in das Werk von Christoph Lammers ein - und bewies bei der Wahl des Künstlers für diese elfte Ausstellung in der Osterfeldstraße 86 ein glückliches Händchen. „Er macht uns jedes Mal drei Vorschläge, und wir müssen uns dann entscheiden“, sagt Uwe May, einer der drei Maihiro-Geschäftsführer, über die langjährige Kooperation. „Das fällt uns nach und nach immer leichter, weil wir jetzt auch ein bisschen was von Kunst verstehen.“

May und von Gaffron wissen um die Herausforderung, der sich die Künstler stellen, wenn sie in so genannten Funktionsräumen ausstellen. „Ich hab‘ einen ganz eigenen Rhythmus finden müssen“, gesteht Christoph Lammers. Seine Werke sind unter anderem in München, Helsinki, Madrid und London vertreten, jetzt platzierte und choreografierte der 44-Jährige 34 seiner Bilder im Foyer, im Flur, in Büros. Einige seien speziell für Ismaning entstanden, berichtet der gebürtige Heidelberger, der seit fast 20 Jahren in München lebt.

Professor Gerd Winner an der Akademie der Bildenden Künste München rechnet er es heute noch hoch an, dass er ihm „die Angst vor der riesigen Fläche“ genommen habe. In den Ismaninger Firmenräumen zeigt Lammers eher kleine Formate. Selbst im Konferenzraum nutzt Lammers den sich ihm bietenden Platz nicht und zeigt hier seine Serie „Welt“. Nicht zentral positioniert, sondern hinten im Eck. Fast versteckt.

Er bürstet eben gerne gegen den Strich: In seinen Arbeiten befasst er sich mit der Schönheit und den Gefahren der Natur, versucht zu beantworten, wie der Mensch mit der Natur umgeht. Auf seinen Wanderungen entstehen erste Skizzen. Mit Graphit, Tusche und Kohle setzt er die Ideen um. Mal schroff und düster wie bei „Geschehen“, mal fein und verspielt wie bei „im See der Mond“. Und immer durchpflügt das Auge ein atmosphärisches Dickicht.

So ganz ohne „echte Farben“ kommt Christoph Lammers dann doch nicht aus: Hier und da schimmert ein zarter Gelb-St(r)ich oder ein vorsichtiges Blau durch.

Maihiro-Geschäftsführer Uwe May wird auch diesmal eines der Bilder selbst erwerben. Noch hat er keinen Favoriten ausgemacht: „Aber ich hab‘ ja noch ein bisschen Zeit.“ Bis in den September hinein ist Lammers ausdrucksstarkes Werk montags bis freitags (9 bis 17 Uhr) in der Osterfeldstraße 86 zu besichtigen. Guido Verstegen

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