Der Firmensitz in Dornach bei München. Foto: Gehrlicher Solar AG

"Die Löhne sind bis September sicher"

Aschheim - Die Stimmung auf den Gängen beschreibt Unternehmenssprecherin Stephanie Seifried als „ruhig, gefasst, konzentriert". Nachdem die Gehrlicher Solar AG am Freitag einen Insolvenzantrag gestellt hat (wir berichteten), hat nun der vorläufige Insolvenzverwalter Oliver Schartl von der Münchner Kanzlei „Müller-Heydenreich Beutler Kollegen" die Investorensuche eingeleitet. In Dornach hoffen 91 Angestellte auf eine Lösung.

Es gebe „keine Panikreaktionen“, sagt Seifried. Am zweiten deutschen Standort, Neustadt bei Coburg, arbeiten 61 Angestellte.

Die Löhne für Juni sind bereits bezahlt. Und bis einschließlich September seien die Gehälter der Mitarbeiter über Insolvenzgeld gesichert, informiert Schartl. Wie geht es im Oktober weiter? „Es liegen schon erste Anfragen von interessierten Investoren vor“, sagt Schartl. Es werde sich in den nächsten Wochen zeigen, ob das Unternehmen, oder Teile davon verkauft werden können.

Schartl sieht gute Chancen, große Teile des Unternehmens retten zu können. „Das Unternehmen hat einen exzellenten Namen im Markt, großes technologisches Know-how und ein beachtliches Vertragsvolumen in Betrieb und Wartung.“ Die Gehrlicher Solar AG plant und betreibt Solaranlagen und ist Großhändler für Photovoltaikmodule. Mit seiner wachsenen Tochtergesellschaft in den USA, die nicht von der Insolvenz betroffen ist, sei das Unternehmen „im wichtigsten Photovoltaik-Markt der Welt ganz hervorragend aufgestellt.

Zur Auftragslage will Schartl zurzeit nur so viel sagen: „Es gibt laufende Bauprojekte zur Errichtung von Photovoltaik-Parks für Investoren - insbesondere in Rumänien, die grundsätzlich fertig gestellt werden sollen. An der Umsetzung wird mit Hochdruck gearbeitet.“

Den Insolvenzantrag stellte das Unternehmen, als unmittelbare Reaktion auf die Ankündigung eines Bankenkonsortiums, den Kreditvertrag über 85 Millionen Euro zu kündigen und die Kredite fällig zu stellen. Durch die Einführung von Strafzöllen auf chinesische Module und der daraus resultierenden Verschlechterung der Marktbedingungen in Europa sah sich die Gehrlicher Solar AG nicht mehr in der Lage, die Bedingungen des Kreditvertrags zu erfüllen.

Zum Hintergrund: Die EU hat Anti-Dumpingzölle gegen chinesische Importeure verhängt, um die europäische Solarzellenindustrie zu schützen. Die Gehrlicher Solar AG verbaut chinesische Module beim Bau von Solaranlagen.

Der Gründer, Klaus Gehrlicher selbst, sagt zu der Entwicklung: „Wir haben seit 1994 - lange bevor dieses Wort in Mode gekommen ist - für die Energiewende gearbeitet, weil wir immer an das Potential der Photovoltaik geglaubt haben.“ Der Unternehmensinhaber erklärt: „Auch wenn ich persönlich von diesem Schritt sehr betroffen bin, sind wir doch stolz, gemeinsam mit den anderen Pionieren der Solarbranche Wegbereiter des weltweiten Siegeszugs der Erneuerbaren Energien zu sein.“

Gehrlicher, der in Haar wohnt und hier sein Unternehmen aufbaute, ist eine geschätzte Unternehmerpersönlichkeit in Haar und hat Projekte, wie die Künstlermeile, unterstützt, und mit der Gemeinde den Solarpark Salmdorf, die größte Photovoltaikanlage im Landkreis, verwirklicht. Er wurde 2010 vom Gemeinderat in das Kontrollorgan der Bürgerstiftung Haar bestellt, zog sich aber vor einigen Monaten aus persönlichen Gründen hieraus zurück. Einen Schritt den Vorsitzender Jürgen Partenheimer sehr bedauert: „Er ist ein zuverlässiger und sehr engagierter Mann, voller Ideen. Es tut mir sehr leid, dass es wieder einen Mittelständler erwischt hat.“ icb

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