Das Prestigeprojekt Radschnellweg ist im Landkreis ins Stocken geraten. Ein Start der Bauarbeiten ist noch immer nicht in Sicht. 
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Das Prestigeprojekt Radschnellweg ist im Landkreis ins Stocken geraten. Ein Start der Bauarbeiten ist noch immer nicht in Sicht. (Symbolfoto)

Planungen ins Stocken geraten

Radschnellweg: Seit sechs Jahren geht nichts voran

  • Max Wochinger
    vonMax Wochinger
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Es sollte ein Prestige-Projekt werden: der erste Radschnellweg in Bayern - von München nach Garching und Unterschleißheim. Seit sechs Jahren laufen die Planungen, noch wurde kein Meter gebaut. Jetzt sind drei weitere Radschnellwege im Landkreis im Gespräch.

Landkreis – Die Planungen um den ersten Radschnellweg in Bayern, von München nach Garching und Unterschleißheim, sind ins Stocken geraten. Einen langfristigen Zeitplan gibt es derzeit nicht. Rund 23 Kilometer lang soll der erste Radschnellweg des Freistaats werden. Er soll vom Stachus über die Leopoldstraße zur Stadtgrenze führen, dann weiter von der Ingolstädter Straße (B 13) zur Kreuzung B 13/B 471. Von hier sollen Radfahrer entlang der B 13 bis Unterschleißheim fahren können. Richtung Osten soll der Weg entlang der B 471 bis zum Forschungszentrum Garching führen. Baubeginn war für 2019 vorgesehen, der Start wurde aber öfters verschoben. Ein Start der Bauarbeiten im Landkreis ist nicht in Sicht, das Bauvorhaben des Teilabschnitts in Garching steckt seit Anfang des Jahres in der Vorplanung. Die Stadt Garching will zudem prüfen, ob der Radweg erweitert werden könnte, um die Verbindung Freising-Garching-Hochbrück-Allianz Arena-München. Das Landratsamt erwartet die Ergebnisse über mögliche Routen bis Mitte dieses Jahres. Erst dann muss eine Entscheidung für eine der Varianten getroffen werden.

Entwurfsplanung für den ersten Teilabschnitt abgeschlossen

Die voraussichtlichen Planungskosten belaufen sich im Landratsamt auf fast 1,1 Millionen Euro. 75 Prozent der Kosten übernimmt das Bundesverkehrsministerium um Andreas Scheuer (CSU). Er hatte im vergangenen August einen Förderbescheid über 2,3 Millionen Euro für das Pilotprojekt an die bayerische Verkehrsministerin übergeben. Die Frage über die Förderung der Baukosten will das Landratsamt mit dem Bundesverkehrsministerium nach Ende der Vorplanung klären.

Drei weitere mögliche Radschnellweg-Verbindungen

Für diese drei weiteren , möglichen Radschnellweg-Verbindungen liegen dem Landkreis bereits Studien vor:

• München-Starnberg: Die Verbindung München-Starnberg hat eine Gesamtlänge von knapp 30 Kilometern, lediglich 5 Kilometer liegen auf dem Gebiet des Landkreises München. Diese Route im Landkreisgebiet sei als Durchgangsstrecke zu betrachten und mache deshalb nur Sinn, wenn die Kreise Starnberg und die Landeshauptstadt Interesse an einer Umsetzung haben, so die Kreisverwaltung München. Die Bedeutung für den Landkreis München ist im Vergleich zu den anderen Verbindungen eher gering.

• München-Oberhaching: Die Verbindung nach Oberhaching ist halb so lang wie die Strecke nach Starnberg, 9 Kilometer führen auf dem Gebiet des Landkreises. Ein Fazit der Machbarkeitsstudie ist, dass der Bau des Wegs auf dem Gebiet der Landeshauptstadt mit „enormen Aufwand und Schwierigkeiten“ verbunden sei. Es geht vor allem um tiefgreifende Anpassungen entlang der Balanstraße. Eine zeitnahe Umsetzung ist hier nicht zu erwarten.

• München-Markt Schwaben: Die Verbindung nach Markt Schwaben hat eine Gesamtlänge von 25 Kilometern, wovon rund ein Drittel auf dem Gebiet des Landkreises München liegt. „Die Potenziale bestätigen durchweg die Notwendigkeit einer Radschnellverbindung“, so die Kreisverwaltung. Das Nutzen-Kosten-Verhältnis ist für diese Variante demnach „sehr hoch“. Sie liegt bei über zwei. Der Landkreis will deshalb diese Radschnellverbindung vorantreiben - sofern sich die Landeshauptstadt ebenfalls zu dem Vorhaben entschließt.

Schlechter steht es um die Planungen in der Landeshauptstadt: Wegen der Corona-Krise wurde der Haushalt gekürzt, geplante Planstellen hat die Stadt nicht eingerichtet. Nur ein Mitarbeiter beschäftigt sich daher im Moment mit dem Radschnellweg. Immerhin: Die Entwurfsplanung für den ersten Teilabschnitt um den Stachus ist abgeschlossen. Der Baubeginn ist hier weiterhin für 2022 geplant. Wann der gesamte Weg befahrbar wird, ist fraglich. Wegen der offenen Fragen um die Förderfähigkeit der Bauabschnitte und der Personalsituation in München könne „derzeit keine Aussage über einen langfristigen Zeitplan“ getroffen werden, so das Landratsamt.

Weitere Verbindungen gepüft

„Das Ganze hat sich verhakt im Dickicht der Nichtzuständigkeiten“, sagt Christoph Nadler, Fraktionschef der Grünen im Kreistag München. In Bayern seien Radschnellverbindungen etwas „ganz Neues“, Zuständigkeiten für den Bau und Erhalt seien nicht geregelt. „Einer muss den Hut aufhaben, Grundstücke kaufen und das Projekt vorantreiben“, so Nadler. Ein Beispiel sei die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen, wo die Zuständigkeit für Radschnellverbindungen liege. In Bayern gehen die Uhren anders, die erste Rad-Autobahn im Freistaat bleibt weiter Zukunftsmusik.

Die Musik wird nun aber auch an anderen Orten im Landkreis gespielt: Studien über weitere Radschnellverbindungen liegen dem Landkreis vor. Die untersuchten Strecken führen von München je nach Starnberg, nach Oberhaching und nach Markt Schwaben. „Gute Nutzen-Kosten-Verhältnisse“ sprechen für eine baldige Umsetzung der Verbindungen, so ein Fazit einer Machbarkeitsstudie. Die Studie geht auf einen Antrag der Grünen-Fraktion aus dem Jahr 2016 zurück. Demnach sei trotz der hohen Kosten die Investitionen in die Schnellverbindung „sehr kostengünstig und hoch wirksam“.

Parkplatzverluste und Stau

Der erweiterte Radverkehr habe aber auch „politische Kosten“: Parkplatzverluste und befürchteter Stau etwa. Eine Potenzialanalyse kommt zu dem Schluss, dass alle Verbindungen von über 2000 Menschen am Tag befahren würden. Bei der Verbindung München-Starnberg sind es sogar zwischen 2300 und 5600 Radfahrer pro Tag auf dem Gebiet des Landkreises. Für die weitere Planung sollen nun die Landeshauptstadt und der Landkreis Starnberg ihr Interesse für die Verbindungen bekunden, so die Kreisverwaltung. Von den Zielsetzungen der Verwaltungen macht das Landratsamt das weitere Vorgehen abhängig.

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