Geldhahn wird zugedreht - Pullacher Brunnen trocken gelegt

- Bürgermeister Stefan Detig verteidigt die Einsparungsmaßnahme

VON NORA GOEBBEL Pullach - Einigen Brunnen in Pullach soll der Hahn abgedreht werden. Und zwar deshalb, weil der Gemeinde das Wasser bis zum Hals stehe, betonte Pullachs Bürgermeister Stefan Detig(CSU) in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats. Damit löste Detig vor allem bei den Fraktionsmitgliedern der SPD und Grünen Empörung aus. "Ein Stück Lebensqualität, Kultur und der schöne Anblick denkmalgeschützer Brunnen gehen verloren", lautete der Einwand. Dennoch wurde der Antrag nach einer spannungsgeladenen Debatte mit einer Mehrheit von 16:3 Stimmen angenommen.

"Wo bleiben die alternativen Einsparungsvorschläge?", fragte Bürgermeister Detig immer wieder in die Runde. Er setze die Brunnen auch nur ungern außer Funktion, aber die Kassen seien eben leer. Er plädierte für die Einstellung der Kneippanlage mit "Jaiserbrünnerl", des Kirchplatzbrunnens, des Heilig-Geist-Brunnens und des Brunnens an der Wolfratshauser Straße. Sie alle bedürften aufgrund Verunreinigungen einer regelmäßigen und kostspieligen Betreuung. Indem das Wasser abgedreht werde, könne eine Summe von insgesamt 17 180,56 Euro eingespart werden, so der Bürgermeister, der in der Maßnahme noch einen anderen Vorteil sieht: "Damit wird der Bevölkerung ein Zeichen gesetzt und vor Augen geführt, wie es um die Gemeindekasse wirklich steht."

Ein Zeichen kultureller Armut

Ein Zeichen kultureller Armut sei dieser Schritt, entgegnete der Dritte Bürgermeister Hans Dieter Wolf (SPD). Pullach stelle sich durch abgedeckte Brunnen selbst negativ dar, war auch die Überzeugung von Odilo Helmerich (SPD). Die Brunnen nützten nicht nur Besuchern, die sich im Sommer erfrischen wollen, sondern auch einer ganzen Reihe von Tieren, sagte Helmerich. "Sollen wir 17 000 Euro mehr ausgeben, damit ein paar Katzen vom Brunnen trinken können?", fragte der Bürgermeister verärgert und wies darauf hin, dass die Kultur der Gemeinde nicht an zwei Brunnen hänge. "Wir zahlen jährlich Unsummen für kulturelle Veranstaltungen im Bürgerhaus", verteidigte Detig die Kulturpolitik der Gemeinde. Die Brunnen gehörten eben nicht zu den Prioritäten.

"Dafür investiert die Gemeinde in teuere Feuerwehrhäuser", kritisierte Reinhard Zauner (FDP). "Feuerwehren setzen ihr Leben für das Wohl der Bürger ein", konterte Stefan Detig und bezeichnete den Vergleich als "lächerlich".

Auf Zustimmung stieß der Vorschlag von Agenda 21-Sprecher Axel Westermann, an Unternehmer heranzutreten. Spendengelder aus der Wirtschaft könnten den Brunnenbetrieb retten. Dies hoffend, rangen sich die Pullacher Gemeinderäte mehrheitlich zu einer Annahme des Antrags durch.

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