Gelungener Imagewechsel des genialen Grantlers

- Verwandelter Ringsgwandl im Ottobrunner Wolf-Ferrari-Haus

VON MANFRED STANKA Ottobrunn - Die Zottel-Perücke ist im Horror-Fundus für abgelegte Staubfänger gelandet, die grell weiße Puderquaste abgeblättert, und selbst der vampierrote Lippenstift fiel einem der vier Sacktücher zum Opfer. Halloween war gestern. Der Georg Ringsgwandel von heute trägt rustikale Klamotten, dazu einen Hut mit schicker Krempe. Nur die markante Nase beschert dem Publikum im ausverkauften Wolf-Ferrari-Haus den unübersehbaren Wiedererkennungseffekt.

Ein später, aber nötiger Imagewechsel für den genialischen Grantler Dr. Georg? Wohl nicht. Vom wuchtig schrägen Sprachartisten ist immer noch genug übrig geblieben. Mit der Macht der Zartheit und des nachdenklichen Reflektierens leitet Ringsgwandl seine Spötterdämmerung ein. Er erzählt von den Braven und Bösen und zeigt eine ungewohnte Nachsicht für die angeblichen Steuer-Manipulationen von Strauß-Filius Max Josef. "Ach, der arme Dicke mit den aufgeblähten Wangen und der schrecklichen Schwester. Der hat dem Bayerischen Staat doch nur das weggenommen, was dieser sowieso verschleudert hätte." Nein, Helden sehen anders aus, wie Matthias Kneissl, dieser Robin Hood, der 1906 in Augsburg geköpft wurde. Das sei einer von den guten Alten, einer von den Echten gewesen, beschwört Ringsgwandl in einer vordergründig bayerisch gemütlichen Ballade den Voralpenrebell, und die Schatten vom "Schinderhannes" oder "Andreas Hofer" drängen sich in den Vordergrund. Einer dieser "Urgesteine" war Ein jazziges Jodeln wie aus Saxophon wohl auch der Vater des Kabarettisten, der sich mit 90 Jahren im Krankenhaus einer Totaltransplantation widersetzte, über Herzschrittmacher nur lächelte und mit einem Spezl von Bett zu Bett Fronterlebnisse austauschte. Der Alte kam 20 Jahre vor "Jopie" Heesters zur Welt und wedelte nicht bei jedem Kriegsbeginn mit seinem Zylinder. Dieses ganze Getue um den "Glamour-Greis" bringt den Barden zum "Kotzen" und so greift er zur Gitarre.

Also bluest und rockt der Georg los, jodelt Kadenzen wie ein wild improvisierendes Jazz-Saxophon, lässt die Stimme rostig kreischen und aufblühen im hellsten Diskant. Dann ein abenteuerlicher Registerwechsel. Ringsgwandl taucht in baritonale Abgründe ab. Das macht ihm keiner nach. Vorzüge, die insbesondere den herb süßen Balladen um verlorene Jugend und älterwerdenden Bar-Schönheiten zugute kommen. Ein Lamento, ergreifend ohne sentimentale Drücker und großartig unterstützt von Nick Woodland (E-Sologitarre), Schlagzeuger Skip Thaller und dem Kontrabassisten Martin Thalhammer. Ringsgwandl mal beschaulich - warum nicht?

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