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Für Gehbehinderte richtet die Gemeinde einen Fahrdienst ein.

Mit oder ohne Nachbarschaftshilfe?

Gemeinde Haar richtet Fahrdienst für Gehbehinderte ein

Haar - Mit oder ohne Beteiligung der Nachbarschaftshilfe? Das war die Gretchenfrage im Haarer Gemeinderat bei der Entscheidung um die Einführung des Pilotprojekts „Haarer Fahrservice“. Er kommt, und zwar elektrisch.

Geplant ist, einen Fahrdienst im Gemeindegebiet für Menschen mit körperlichen Einschränkungen anzubieten. Die Gemeindewerke sponsern dieses Angebot, indem sie ein Elektroauto inklusive Ladestation im Rathaus zur Verfügung stellen. Neben dem Effekt des Services für die Bürger trage man so auch noch der Energiewende Rechnung., sagte Bürgermeisterin Gabriele Müller (SPD). Sie habe bei Seniorenbesuchen stets festgestellt, dass es oberste Ziel älterer Menschen sei, daheim wohnen und mobil bleiben zu können. Damit diese Mobilität nicht nur mit eigenem Auto gewährleistet ist, setzt Müller auf einen Fahrdienst. Den sollen Senioren buchen können, aber auch kurzeitig körperlich Eingeschränkte, etwa mit einem Gipsbein, für Einkäufe, Arztbesuche oder Treffen mit Freunden. Der Kostenbeitrag pro Fahrt wird zwei Euro betragen, als Fahrer fungieren in der Anlaufphase die Rathaus-Hausmeister, die mit einer Erlaubnis zur Personenbeförderung ausgestattet werden.

Aus den Reihen von SPD und Grünen gab es durchwegs positive Resonanz, die CSU störte sich daran, dass „dies nicht Aufgabe der Verwaltung ist“, sagte Dietrich Keymer (CSU). Er sehe hier geeignetere Institutionen, wie etwa die Nachbarschaftshilfe. „Dort war ich mit meiner Idee als allererstes“, erwiderte die Bürgermeisterin. Die NBH habe aber zögerlich reagiert, als sie von zehn zu transportierenden Kunden pro Tag gehört habe. Eine Zahl, die Müller anhand von Erfahrungswerten anderer Kommunen, wie etwa Taufkirchen, ins Spiel brachte. 

NBH-Vorstand und Stadtratsmitglied Ton van Lier (FW) hingegen sieht die Gefahr, dass immer mehr Firmen und Organisationen in den Markt der Senioren und Behinderten drängen. Grundsätzlich sei er für Elektromobilität und auch für das Fahrdienst-Projekt. „Aber wir brauchen dringend eine Koordination der einzelnen Verbände in Form eines Runden Tisches um zu eruieren, wo deren Kompetenzen liegen.“ Werner Pfanzelts (CSU) Vorschlag, von einem Entgelt abzusehen, um die Notwendigkeit eines Beförderungsscheines zu umgehen, lehnte Müller ab, die diesen mit oder ohne Entgelt von den Fahrern einfordere. Thomas Reichel (CSU) sowie auch Gerlinde Stießberger (CSU) wollten vertagen und Ergebnisse des Runden Tisches abwarten, während Alexander Zill (SPD) ein späteres Einbinden der NBH nicht ausschloss. Eine Ausdehnung des Radius über das Gemeindegebiet hinaus regte Manuela Fürnrieder (SPD) an. „Jetzt lassen wir das Projekt doch erst einmal anlaufen, dann können wir darüber immer noch reden“, sagte Bürgermeisterin Gabriele Müller. Das Schlusswort hatte Ton van Lier: „Die Nachbarschaftshilfe sieht im Fahrdienst keine Konkurrenz“, erklärte er. 

Als Konsequenz der Diskussion stimmten SPD, Grüne, Freie Wählergemeinschaft und Paul Wieser von der CSU für den Haarer Fahrdienst. Die sechs Gegenstimmen kamen aus der skeptischen CSU-Fraktion. 

sab

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