Wechselkröten wie diese sollen von München-Perlach (wo die Bezirkssportanlage ausgebaut wird) in den Landschaftspark Hachinger Tal umziehen. Foto: Paul Bachhausen / www.salamanderseiten.de

Genetische Auffrischung für Wechselkröten

Unterhaching - Im Landschaftspark Hachinger Tal findet eine Münchner Amphibien-Kolonie ihre neue Heimat.

Die Sachlage ist eigentlich schnell erzählt. Weil in München-Perlach die Bezirkssportanlage in der Rudolf-Zorn-Straße ausgebaut wird, verlieren die dort lebenden Wechselkrötenpopulation ihre Heimat. Die Regierung von Oberbayern hat als geeignetes Ersatz-Habitat ein Stück vom den Landschaftspark Hachinger Tal vorgeschlagen. Der Unterhachinger Gemeinderat stimmte dem Ansinnen zu unter der Prämisse, dass jetzt und in Zukunft keinerlei Kosten für die acht Tümpel auf einem 2000 Quadratmeter großen Areal im Südosten des Landschaftsparks entstehen.

Die Kommunalpolitiker in Unterhaching kamen am Ende schier nicht umhin, dem Anliegen der Stadt München - vertreten durch Barbara Hirschenauer - zuzustimmen. Zu betrüblich würde sich sonst nämlich das Schicksal der Wechselkröten entwickeln, was der Gutachter Hans-Jürgen Gruber überaus launig und anschaulich darlegte.

Grubers Job ist es unter anderem, bei Fragen der Eingriffsplanung die Stadt München in artenschutzrechtlichen Fragen zu vertreten. Wie bei den Wechselkröten, die Gruber als „Münchner Kanarienvogel“ bewarb, prompt eine halbe Minute lang die Laute dieser Amphibien vorspielte und später auf die besorgte Frage nach etwaiger Geräuschbelästigung durch Gequake erläuterte: „Es handelt sich um ein sehr leises Trillern, leiser als das Zirpen einer Grille, das niemanden beeinträchtigt.“

Der Gutachter muss es wissen, denn Gruber ist zugleich Vorsitzender des Landesverbands für Amphibien- und Reptilienschutz. Seit Jahrzehnten spürt er den Tierchen nach, zählt und kartiert die Wechselkröten. Im Landschaftspark, nahe der „Neubiberger Röhre“, würden nur noch „fünf bis zehn“ im Havariebecken der Autobahndirektion leben, im gesamten Großraum München sind aktuell 615 Wechselkröten erfasst (die meisten in der Fröttmaninger Heide) - 1973 waren es noch insgesamt 2280. Eine weitere Population existiert in Ottobrunn, weshalb das neue Ersatz-Habitat im Landschaftspark „ein Trittstein“ für die Mini-Population an der A 8 sein könne. In Ottobrunn nämlich, weiß Gruber, seien die Wechselkröten „genetisch verarmt“, weshalb ein „Zufluss von weiteren Genen“ sich vorteilhaft auswirke.

Die Chancen, dass die Perlacher Kröten sich nach einer Umsiedlung in Unterhaching wohl fühlen, stehen gut. Drumherum gebe es genug „Landlebensraum“, so Gruber - daran mangele es im Stadtgebiet. Dort gebe es für diese „Baustellenkröte“ einen Primärlebensraum in Form von „vegetationsfreien und immer wieder mal austrocknenden Pfützen, was die Fressfeinde auf Distanz hält“, aber eben kein adäquates Drumherum.

Martin Becker

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