Hofft auf Innovationen bei der Technologie: Geothermie-Geschäftsführer Wolfgang Geisinger. Foto: Dpa

„Geothermie ein Fass ohne Boden“

Unterhaching - Bei der Haushaltsdebatte im Unterhachinger Gemeinderat rechnen die Fraktionen mit Altbürgermeister Knapek ab.

Das einstige Vorzeigeprojekt hat sich um kaum kalkulierbaren Kostenfaktor entwickelt: Die Geothermie Unterhaching verschluckt gewaltige Summen, allein für 2013 muss die Gemeinde vier Millionen Euro zuschießen. Geld, das anderswo für Investitionen fehlt. Bei der Haushaltsdebatte im Gemeinderat (die Verabschiedung erfolgte mit einer Gegenstimme) äußerten alle Fraktionen in teils scharfer Wortwahl ihre Sorge.

Das Problem liegt nicht in der Fernwärme, die - im Verbund mit Grünwald - bestens funktioniert und 5000 Unterhachinger Haushalte versorgt, sondern in der Stromerzeugung. Für diese ist das Geothermiekraftwerk nach der Idee von Altbürgermeister Erwin Knapek (SPD) aber einst gebaut und 2007 in Betrieb genommen worden. Dieses Konzept sei „schlicht gescheitert“ und stelle eine „immense Belastung“ dar, monierte Christian Dollinger. Der ursprüngliche Plan, über die Stromerzeugung Einnahmen zu generieren, sei falsch gewesen: „Das Erbe, das Herr Dr. Knapek hier hinterlassen hat, ist eine große Belastung für die Gemeinde und keine - wie von ihm propagierte - Gelddruckmaschine.“

Grünen-Chefin Christine Helming bezeichnete die Geothermie als „Fass ohne Boden“ und mahnte: „Wir brauchen dringend Visionen, um aus dieser Situation herauszukommen. Es kann nicht angehen, dass die Geothermie für Jahrzehnte unseren finanziellen Spielraum einengt wie derzeit.“

Selbst aus der SPD kam, bei aller Liebe zum Altbürgermeister und zu dessen Ökologie-Gedanken, Kritik. Es müsse „ehrlich eingestanden werden, dass die Geothermie in der geplanten Dimension nicht realisiert werden konnte“, rechnete SPD-Finanzreferent Peter Wöstenbrink vor. Vor allem dürfe „uns die Geothermie in Zukunft nicht jeden Gestaltungsspielraum nehmen“.

Laut Geothermie-Geschäftsführer Wolfgang Geisinger liegt das Problem darin, dass seit vier Jahre die technologische Entwicklung bei den Pumpen stagniert.

Martin Becker

(weitere Hintergründe und warum es bei der Geothermie hakt: am Freitag in der Print-Ausgabe)

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