Klaus Korneder Bürgermeister von Grasbrunn. Foto: fkn

Geothermieprojekt vor dem Scheitern: Am Ende bleibt nur heiße Luft

Grasbrunn - Das Geothermieprojekt der Gemeinden Grasbrunn, Vaterstetten und Zorneding steht vor dem Aus. Dem Investor ist es nicht gelungen, einen Versicherer für das Projekt zur Energiegewinnung aus Erdwärme zu finden.

Zwei Faktoren sind entscheidend dafür, dass sich Energiegewinnung mittels Tiefenwasser, auch Geothermie genannt, rentiert: Zum einen muss die Menge heißen Wassers, die sogenannte Schüttung, groß genug sein. Fast noch wichtiger aber ist die Temperatur des Wassers, das für viel Geld aus gut 3000 Metern Tiefe hinauf an die Erdoberfläche gepumpt werden muss.

Im Zuge der Machbarkeitsstudien, die vor Jahren in Auftrag gegeben wurden und die der Region Vaterstetten-Grasbrunn-Zorneding „gute Voraussetzungen“ für Geothermie attesttiert hatten, konnte jedoch nicht aufs Grad genau geklärt werden, wie heiß das Wasser dort unten wirklich ist. Eine Bohrung, die genauere Daten liefern kann, hätte mehrere Millione Euro gekostet.

Diese Unsicherheit jedoch ist dem Projekt nun zum Verhängnis geworden. Die Investoren, die Firmen Geysir Europe sowie Daldrup & Söhne, teilten den beteiligten drei Kommunen nun per E-Mail mit, dass das Vorhaben „mit den für uns erforderlichen Absicherungsparametern nicht zu den geplanten Konditionen realisiert werden konnte“. Vaterstettens Bürgermeister Georg Reitsberger (FW) formuliert es einfacher: „Das Projekt war einfach nicht versicherbar.“

Sein Kollege Klaus Korneder (SPD) aus Grasbrunn glaubt, dass die Unsicherheit bezüglich der künftigen Förderung von Erneuerbaren Energien sowie die jüngst aufgetretenen Probleme bei Heißwasserbohrungen, zum Beispiel in Geretsried oder Poing, den Ausschlag für die ablehnende Haltung der Versicherer gaben. Letztlich, so Korneder, sei es nun schon seit mehreren Wochen absehbar gewesen, dass das Projekt scheitern würde. „Ein paar Grad können halt einfach den Unterschied ausmachen“, sagt er.

Neben der Frage, ob nicht doch noch ein Versicherer für die Bohrung aufgetrieben werden kann, spielt auch die Zeit gegen das Vorhaben. Ende September läuft die sogenannte Aufsuchungserlaubnis für den Bereich aus. Das heißt, anschließend darf dort kein heißes Wasser mehr gesucht oder gefördert werden. Zwar planen die drei Bürgermeister - neben Korneder und Reitsberger ist dies Zornedings Piet Mayr (CSU) - Mitte September ein Treffen mit den Verantwortlichen der Investorenfirmen. Hoffnung, dass es zeitnah doch noch klappen könnte mit der Geothermie, hat aber keiner der Beteiligten. „So schön’s gewesen wär, so groß war halt auch das Risiko“, sagt Georg Reitsberger.

Er habe sich daher auch schon Gedanken über Alternativen für seine Gemeinde gemacht: „Eventuell versuchen wir’s dann mit einer Kraft-Wärme-Kopplungsanlage auf Basis von Biogas oder Erdgas.“

Klaus Korneder hat angesichts eines erforderlichen Investitionsvolumens von mindestens 260 Millionen Euro ebenfalls Verständnis für die Absage - sowohl der Investoren als auch der Versicherungen. Die Gemeinden hätten mit fünf Millionen Euro schließlich nur einen minimalen Teil zur Finanzierung des Projekts beigetragen.

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