Geothermieprojekt als Vorbild für libysche Bauwerke

- Generalkonsul zu Besuch in Unterhaching

VON NORA GOEBBEL Unterhaching - Großes Interesse für die Energiegewinnung durch Thermalquellen zeigten jetzt der libysche Generalkonsul Mohamed Atarban und Same Ghati, Vorsitzender des Deutsch-Libyschen Jugendverbundes Bonn, als sie gestern in Unterhaching die Geothermie-Anlage besuchten. Erst vergangene Woche hatten die Facharbeiter den Bohrer errichtet (wir berichteten).

Organisiert wurde das Treffen vom Ersten Vorsitzenden des Deutsch-Libyschen-Arbeitskreises, Gerd Gartz aus Oberhaching. Es steht im Zeichen des regen wirtschaftlichen und kulturellen Austausches zwischen Libyen und Bayern. Geplant wird die Energiegewinnung nach dem Unterhachinger Modell für das Mammutprojekt "Great Man Made River" in Libyen, den größten künstlichen Fluss der Welt.

Libyen ist fünfmal so groß wie Deutschland und der viertgrößte Staat Afrikas. Da das riesige Land zur trockensten Region der Welt gehört, muss das lebensnotwendige Nass über weite Strecken transportiert werden. Das gigantische Projekt des "Größten Künstlichen Flusses" - auch als "Achtes Weltwunder" bezeichnet - soll täglich 5,7 Millionen Kubikmeter Wasser zur bevölkerungsreichen Küste schleusen. Mit kostspieliger Wasser-, Windkraft und Sonnenenergie wird das Wasser aus bis zu 300 Metern Tiefe abgepumpt und in einem Leitungssystem von 4600 Kilometern Länge befördert.

"Wir brauchen eine kostensparende, umweltfreundliche Alternative, um das Wasser unterirdisch durch die Wüste zu pumpen", meinte Mohamed Atarban. Tatsächlich sorgt die Verfahrensweise des Unterhachinger Projekts international für Aufmerksamkeit. Schließlich soll das 120 Grad heiße Wasser effektiv in Strom umgewandelt werden. Kein Wunder also, dass es den Generalkonsul ausgerechnet nach Unterhaching verschlug. Zudem gilt Bayern als Export-Favorit. Nach Angaben des Ministerialrats des Wirtschaftsministeriums, Georg Reichl, werden 47 Prozent der 13,4 Millionen Tonnen Erdöl, die Deutschland jährlich aus Libyen bezieht, nach Bayern exportiert.

"Brückenbauer" zwischen den Ländern

Der Vorsitzende des Kultur-Arbeitskreises, Gerd Gartz, versteht sich als "Brückenbauer" und setzt sich mit Leib und Seele für den kommunikativen Austausch beider Länder ein: "Einen Ausgleich von Import und Export zwischen Deutschland und Libyen wollen wir durch einen verstärkten Technologietransfer von deutscher Seite aus erreichen." In Zukunft könnten also Ingenieure aus Unterhaching die libyschen Thermalwässer effektiv zur Stromerzeugung erschließen.

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