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Durch ein Spalier aus Solarpaneelen geht Richter Josef Beil die Einfahrt entlang auf das Haus zu. Auch an der Fassade, auf dem Hausdach, auf der Garage, auf der Gartenhütte und am Balkon glitzert es dunkelblau. In den Augen des Gerichts ist das zuviel des Guten.

Gericht bestätigt

Hausbesitzer soll Solaranlagen abbauen

Wolfram Pauer hat sein Grundstück an der Riemerlinger Rosenstraße großflächig mit Solarpaneelen bestückt. Das Landratsamt will den Rückbau – und bekommt Recht vom Verwaltungsgericht. Der Hausherr jedoch wirkt wenig einsichtig.

Vor fünf Jahren hat Wolfram Pauer (46) alles auf die Sonne gesetzt. Seit 2010 hat der Riemerlinger nach eigener Aussage etwa 100 000 Euro investiert und das Haus, in dem er mit seiner Mutter und Mitbewohnern lebt, sowie das dazugehörige Grundstück mit Solarpaneelen ausgestattet – man könnte auch sagen: verkleidet. Das Dach, die Fassade, die Garage, die Gartenhütte, die Einfahrt, auch die Hecke – alles glänzt in dunkelblau. Laut seinem Anwalt Steffen Thoms ist Pauer damit „seiner Zeit voraus“. In den Augen einiger Nachbarn wohl eher nicht und laut dem Landratsamt verstößt er gegen geltendes Baurecht.

Deshalb hat die Baubehörde im Oktober 2014 angeordnet, dass Pauer Teile seiner Anlage zurückbauen muss, mit der er das Haus mit Strom und Heizung versorgt. Etwa die Paneelen am Balkon, und die, die den Dachfirst überragen, oder in zweiter Reihe auf dem Garagendach freigestellt sind. Und auch die, die als eine Art Spalier entlang der Einfahrt zum Haus führen. Pauer hat gegen diese Anordnung geklagt, weshalbdas Verwaltungsgericht am Mittwoch auf dem Grundstück tagte. Und auch wenn der offizielle Beschluss noch erfolgt, lässt sich sicher sagen: Das Gericht weißt seine Klage ab. Pauer kann Berufung beantragen.

Wolfram Pauer fühlt sich ungerecht behandelt, mehr noch, er sieht sich als das Opfer unlauterer Machenschaften, das deutet er immer wieder an. Den Gerichtstermin filmt er – wie er anschließend selbst offenbart – heimlich mit einer als Stift getarnten Kamera, die er in seiner Brusttasche versteckt hat. Die Gemeinde habe ihm 2010 noch die Auskunft gegeben, dass er alles genau so bauen dürfe. Diese Auskunft habe damals eine Frau aus der Hohenbrunner Bauverwaltung erteilt. Schriftlich habe er nie etwas bekommen, da Solaranlagen ja genehmigungsfrei sind. Bei der Gemeinde ist diese Mitarbeiterin allerdings nicht bekannt. Die Abteilungsleiterin war zwar zwischenzeitlich tatsächlich eine Frau, diese trage allerdings einen anderen Namen und sei obendrein erst 2012 eingestellt worden. Es ist also schwer zu klären, woher die Auskunft gestammt haben könnte, auf die sich Pauer beruft.

Beim Gerichtstermin geht es darum aber auch nur am Rande. Maßgebend für die Entscheidung sei gewesen, ob die Solaranlage dem Wohnhaus untergeordnet sei. „Also ob es ein Haus mit Solaranlage ist, oder eine Solaranlage mit Haus“, wie Richter Josef Beil es auf den Punkt bringt. „Und hier ist es optisch eine Solaranlage“, begründet er das Urteil.

Pauer und sein Anwalt wollen nun abwarten bis ihnen das Urteil offiziell zugeht, und sich Gedanken über das weitere Vorgehen machen. Besonders kompromissbereit wirkt Pauer in der Sache allerdings nicht. Das Urteil des Gerichts überrasche ihn nicht. Er wisse ja, wie so etwas zustande komme. Notfalls stelle er eben einen Sattelschlepper in seine Einfahrt, bestückt mit Solarpaneelen. „Ich werde mir etwas überlegen.“

Sebastian Horsch

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