Schiefe Wände, marode Holzbalken: Das denkmalgeschützte Bauernhaus an der Hauptstraße kann wohl trotz seiner historischen Bedeutung nicht mehr erhalten werden. Zu dieser Auffassung kamen gestern die Richter des Münchner Verwaltungsgerichts bei einer Ortsbegehung. foto: jürgen bollig

Gericht sieht keine Chance für denkmalgeschützten Straßmaier-Hof

Unterhaching - Doris Schmidt kämpft seit über 20 Jahren dafür, dass ihr marodes denkmalgeschütztes Bauernhaus an der Unterhachinger Hauptstraße verkauft oder abgerissen wird - gegen den Willen der Gemeinde. Jetzt will sie den Abriss gerichtlich erwirken, und die Chancen stehen gut.

Fünf Richter des Münchner Verwaltungsgerichts haben sich am Mittwoch in Unterhaching an der Hauptstraße 85 eingefunden, um das verfallene Bauernhaus der Familie Schmidt aus dem 18. Jahrhundert in Augenschein zu nehmen und über dessen Zukunft zu entscheiden. Auch Doris Schmidt und ihre Familie sowie die Vetreter von Landratsamt, Denkmalschutz und Kreisheimatpflege waren gestern beim Ortstermin mit dabei.

Der Zustand des Gebäudes ist mehr schlecht als recht ist. Im ehemaligen Stall biegen sich die maroden Holzbalken bedrohlich, das Dach ist undicht, die Wände feucht, die Mauern schief. Massiver Schädlingsbefall wurde bereits vor 17 Jahren festgestellt. Für Doris Schmidt steht fest: „Das Haus muss weg.“ Gemeinde und Denkmalschutzpflegeamt sehen das allerdings anders. Sie wollen das Gebäude in Hinblick auf dessen ortshistorische Bedeutung erhalten. Das Haus gehört zu einem der ältesten in der Gemeinde und ist auch aufgrund seiner asymetrischen Bauart etwas Besonderes, argumentiert der Denkmalpfleger des Landkreises, Harald Gieß. Auch dort, wo für Doris Schmidt nur Mustertapete klebt, sieht der Denkmalpfleger augenscheinlich wertvolle Wandmalereien aus dem 18. Jahrhundert. Mit wenigen Reparaturen und Rekonstruktionen könne man das Haus problemlos wieder herrichten, ist sich Gieß sicher. Über einen Entschädigungsfonds könne man die Kosten tragen.

Doch Doris Schmidt kann das nicht glauben. Seit mehr als 20 Jahren schwelt der Streit zwischen ihr und der Gemeinde, was aus dem Haus werden soll. „Bis heute ist nichts passiert“, ärgert sie sich. Sämtliche Angebote von privaten Interessenten, das Gebäude zu versetzen, woanders wieder aufzubauen oder als Museum zu nutzen, wurden von der Gemeinde abgeschmettert. „Wir fühlen uns im Stich gelassen“, sagt Schmidt.

Nach jahrelangen „zermürbenden“ Verhandlungen hat Schmidt keinen anderen Weg mehr gesehen, als vor Gericht zu ziehen. Mit einer Klage gegen den Freistaat will sie nun endlich eine Lösung für das Haus finden.

Die Vorsitzende Richterin Cornelia Dürig-Friedl nahm mit ihren Amtskollegen jeden Winkel des Hauses unter die Lupe. Gemeinsam kam das Gremium nach der Besichtigung zu dem Schluss, dass das Gebäude nicht nur massiv einsturzgefährdet, sondern auch kaum mehr zu retten ist. Auch eine Rekonstruktion würde wenig Sinn machen. „Dann würde es sich nicht mehr um ein Denkmal handeln“, so Dürig-Friedl. Eine sinnvolle Nutzung erschließt sich den Richtern ebenso nicht. Somit würde man einen Abriss befürworten. Die endgültige Entscheidung dazu soll am Donnerstag fallen.

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